Kontakt Kontakt

Der ideale Raum.

    Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.
    Und melden uns innerhalb 24 Stunden bei Ihnen zurück.

    Kontakt


    Studio Nord Bremen
    Mühlenfeldstraße 23, 28355 Bremen, +49 421 2052297

    B-Sploitation
    CD-Album – VÖ: Februar 2017
    Produktion: Bela B
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord / Bela B
    Mix: Oliver Zülch
    Spaghettiwestern

    Da haben sich zwei gefunden! Fragt sich, warum das so lange gedauert hat, ist doch sowohl bei Peta Devlin als auch Bela B die Begeisterung für Spaghettiwestern nichts Neues. Wenn dann auch Smokestack Lightning dazu kommen, sollte klar sein, wo die Reise hingeht. Das Ganze ist ein Projekt, das auf beinahe so vielen Beinen steht wie eine Tarantel. Ein Theaterstück? Nein. Ein Hörbuch? Nein. Ein Pop Album? Nein. Einmal Alles bitte, mit scharf.
    »Sartana« ist eine Figur, die zwischen 1968 und 1972 in einer ganzen Reihe von Filmen auftauchte – stets schwarz gekleidet, hart, aber gerecht. Ein Meisterschütze, mit allen Eigenschaften gesegnet, die es für einen Westernhelden braucht.
    Logisch, dass so ein Held von Bela B mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Bewunderung und Respektlosigkeit auseinandergenommen und neu zusammengesetzt wird. In der Disziplin der Hommage, die als Persiflage daher kommt macht dem Herrn B keiner so schnell was vor.
    Die CD »bastard« enthält alle Songs, die im Rahmen der Hörspielproduktion »Sartana – noch warm und schon Sand drauf« im Studio Nord aufgenommen wurden.

    sinnbus
    CD/LP – VÖ: Januar 2016
    Produktion: MAMD, Gregor Hennig, Olaf Opal
    Aufnahme: Gregor Hennig, Olaf Opal – Studio Nord
    Mix: Olaf Opal
    Dreampop

    Me And My Drummer hatten diese Platte mit mir im Studio Nord produziert und aufgenommen, dann aber teilweise verworfen und mit Olaf Opal in dessen Studio fertig gestellt. Das lag daran, dass die Band den Weg, den sie zunächst eingeschlagen hatte, als Sackgasse empfand und das Album in dem Moment neu konzipierte, als die Aufnahmen scheinbar abgeschlossen waren.
    Schade um die viele Arbeit, könnte man meinen. Ich finde aber, es hat sich gelohnt.
    Weil dabei ein großes Pop-Album entstanden ist.
    Und dass die Aufnahmesession im Studio Nord nicht ganz umsonst war, erkennt man daran, dass sich immerhin vier der Songs so, wie wir sie aufgenommen hatten, auf der Platte wiederfinden.

    Kosmopolit
    CD – VÖ: September 2021
    Produktion: Gregor Hennig, Valentin Hebel
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    sanfter Pop

    Plattdeutsch, das beweist Sabine Herrmann hier eindrucksvoll, ist international. Ihr gelingt hier eine kunstvolle Verneigung vor der Sprache ihrer Vorfahren im Gewand von zeitgemäßem Pop – von epischer Tragweite und zarter Zuversicht.
    Behutsam und federleicht wird die Stimme getragen: von Klavier, experimenteller Perkussion, elegischen Gitarreneffekten, mechatronischer Harfe und melodisch einfühlsamen Bass.
    Sabine Herrmann kokettiert mit zeitlosem Mainstream und klingt dabei so erdverbunden wie frei – allenthalben zu schön, um wahr zu sein. Aber warum sollte das ein Problem sein?

    Chateau LaLa
    Album – VÖ: September 2021
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: G. Hennig, Studio Nord
    Mix: G. Hennig, Studio Nord
    Hamburger Zeitgeist-Post-Punk

    Wenn man sich in einer Zeit, in der gute Musik eigentich nicht mehr auf Instrumenten gespielt wird, zusammentut, um das trotzdem zu tun, sollte man es wie Fluppe tun.
    Genau diese Art, nach vorne zu schauen und die letzten Jehrzehnte der Hamburger Punk- und Diskurspopgeschichte dabei im Herzen zu tragen, ergibt am Ende etwas absolut Relevantes und Zeitgeistiges.
    Dabei geschieht so etwas wie eine nahtlose Verbindung aus Euphorie und dunkler Energie, Post Punk, Wave, Indie, Hamburger Schule, Pop. Alles drin in einer Schachtel Fluppe. Ein guter Grund, doch wieder mit dem Rauchen anzufangen.

    Chateau LaLa
    Album – VÖ: 2020
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: G. Hennig, Studio Nord
    Mix: G. Hennig, Studio Nord
    Hamburger Zeitgeist-Post-Punk

    Dieses beeindruckende Debüt der Hamburger Band Fluppe hat sich eine Schippe Beachtung verdient! Es vollbringt eine Transformation der interessanteren Elemente der Hamburger Popgeschichte ins Hier und Jetzt. Billstedt funkelt.

    Staatsakt
    CD Album – VÖ: September 2014
    Produktion: Olaf Opal
    Aufnahme: Olaf Opal – Studio Nord / Le Châtelet
    Mix: Olaf Opal – Le Châtelet
    Deutschrock nach Hamburger Art

    Flucht in die Flucht bei Spotify

    Wunderbares Sterne Album, das von Olaf Opal produziert wurde. Olaf hat die Basics im Studio Nord aufgenommen, wobei ich ein wenig geholfen habe. Overdubs und Mix sind in meinem ehemaligen Studio in Hamburg entstanden, in dem die Sterne jetzt proben.

    Materie
    CD Album – VÖ: Februar 2010
    Produktion: G.Hennig, M.Modica, Die Sterne
    Aufnahme: G.Hennig – Le Châtelet
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Neodisko

    24/7 bei Spotify

    »eines der besten Pop-Alben dieses Frühjahrs« (tagesspiegel)
    Dies ist das dritte Album der Sterne in Folge, an dem ich mitgearbeitet habe, abgesehen davon ist es, bei aller Bescheidenheit muss das doch gesagt sein, ein Meilenstein.
    Die Sterne folgen auf diesem Werk weiter dem zusammen mit Mathias Modica (Gomma) bereits auf der EP »Der Riss« beschrittenen Pfad und legen neuen heißen Scheiß auf’s Parkett:
    Konsequent, spartanisch betextet und glitzernd instrumentiert basieren die Songs in bester Sterne-Tradition auf ebenso entzückenden wie dringlichen Schlagzeug-Bass Schleifen.
    Synthesizer und ein eckiges, andernorts zartes Klavier untermauern die neu entwickelte Liebe zu Neo Disco.

    Gomma
    Vinyl 12″ EP – VÖ: Oktober 2009
    Produktion: Matthias Modica
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Neodisko

    Wenn Bands, so wie die Sterne auf dieser EP, mal wieder einen Haken schlagen, spricht man gerne davon, dass sich da jemand neu definiert, gleichzeitig wird immer viel von der Rückkehr zu Wurzeln gesprochen – an Beidem ist etwas Wahres dran. Aber es gehört auch etwas mehr dazu.
    Altbewährt ist das Grundkonzept der Sterne, zeitgemässe Tanzmusik, handgespielt. Das haben die Sterne schon immer gemacht, Themen und Stilmittel der jeweiligen Clubszene aufgegriffen, und sich mit einer ziemlich sorglosen Selbstsicherheit eine eigene Suppe daraus gekocht.
    Neu ist, selbstredend, die Umsetzung. Die Tanzmusik, auf die sich »der Riss« bezieht, ist neu, und neu ist auch die Idee, sich einen der maßgeblichen Trendsetter der aktuellen Clubszene als Produzent ins Boot zu holen. Matthias Modica macht aus den Sternen freilich keine andere Band, aber er sorgt dafür, dass die Sterne auf dieser EP ein wenig wie neugeboren wirken.

    V2
    CD Album – VÖ: März 2006
    Produktion: Peta Devlin
    Aufnahme: P.Devlin – Soundgarden
    Mix: Gregor Hennig & Chr. v. Rautenkranz – Soundgarden / M. Ilbert – Home
    Deutschrock nach Hamburger Art

    »Räuber und Gedärm« galt schon kurz nach seiner Veröffentlichung als eines der wichtigen Sterne-Alben.
    Allerdings ist die hier implizierte Aussage, die Sterne hätten jemals ein unwichtiges Album gemacht, natürlich barer Unsinn.

    V2
    CD Album – VÖ: Mai 2004
    Produktion: Die Sterne
    Aufnahme: Die Sterne
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Deutschrock nach Hamburger Art

    Etwas unterschätzte, wunderschöne Platte, die die Sterne selbst aufgenommen haben. Besonders die ruhigen, fast dubbigen Momente sind extrem hörenswert.

    Materie
    EP – VÖ: Januar 2012
    Produktion: Die Sterne
    Aufnahme: G. Hennig, Die Sterne – u.a. Le Châtelet
    Mix: Stefan Flad
    Deutschrock nach Hamburger Art

    Auf dieser EP präsentieren Die Sterne ein paar ihrer Klassiker in mehr oder weniger neuem Gewand
    Und zwei wirklich hörenswerte Coverversionen fremder Klassiker tun sie noch obendrauf.

    Pop Up Records
    Album – VÖ: Januar 2019
    Produktion: Rhonda
    Aufnahme: Rhonda
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Retro-Pop

    Das persönliche Album.
    Nach dem bombastischen Aufschlag der beiden Alben »raw love« und »wire«, das erste durchaus frisch und radiotauglich, das zweite elegisch, groß und filmisch, war nichts naheliegender als eine Art von Einkehr. Die Songs auf »you could be home now« sind ruhig und persönlich. Vergleichsweise sparsam arrangiert und von einer enormen emotionalen Präsenz schmeicheln sich hier zum größten Teil Balladen in unsere Ohren. Das ist, wie wir schon geahnt haben, eine absolute Künigsdisziplin der Sängerin Milo Milone. Es gibt nicht wenige, die dies für das bisher beste Album der Band halten. Ich weiß, warum.

    pias
    CD / Vinyl Album – VÖ: Januar 2017
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Henng – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Pop

    Nach dem ersten Album, das von Presse und Publikum mit Begeisterung gefeiert wurde, musste natürlich etwas Großes folgen. Monate akribischer Vorbereitung, Songwriting Sessions, in denen geschrieben, verworfen und wieder geschrieben wurde, zeigen im Ergebnis eine stilistische Vertiefung und Erweiterung. Die Leichtigkeit der frühen Tage ist einer selbstbewussten Größe gewichen, die mit epischer Wucht und zartem Detail einen Kosmos zaubert.
    Der spricht von Liebe, Sehnsucht, Verzweiflung und: der Schönheit des Lebens. Zum Teil bleibt die Band dabei ihren Wurzeln im Soul und Pop vergangener Dekaden treu, aber bildhafter, geradezu filmisch ist es geworden, das Album. Die Zusammenarbeit mit dem Filmorchester Babelsberg war da nur eine Frage der Konsequenz.

    pias
    CD / Vinyl Album – VÖ: Juli 2014
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Pop

    Das Fanzine FORTY5(UK) schreibt:
    »Bring this album to your next BBQ, play it out of your convertible, play it to your friends. Let it soundtrack your summer, basically because in a perfect world, ‚Raw Love‘ will be the soundtrack to everyone’s summer of 2014.«

    Rhonda wissen sehr genau, wie man eine Sängerin zum Leuchten bringt und sie haben mit Milo Milone eine Frau in ihrer Mitte, die eine der schönsten Stimmen besitzt, die man sich denken kann.
    Aber es wäre nicht diese Band und diese Platte, wenn man dahinter nicht klar erkennen könnte, dass hier ein ganzes Team aus stilsicheren und hochbegabten Musikern alles daran gesetzt hat, ein Pop-Meisterwerk zu schaffen.
    Jeder einzelne der Songs auf dem Album verbindet mit sicherer Hand und Liebe zum Detail Elemente aus vergangenen Epochen der angloamerikanischen Popgeschichte, um daraus etwas zu bauen, das in dieser Form absolut neu ist.
    Dabei geht es keine Sekunde um Perfektion – auch das ist etwas, das Rhonda wissen: Die Kraft liegt in der Idee, nicht im Ornament.
    Das bestimmt auch auf dem ganzen Album den Umgang mit Klischees: für eine Band wie Rhonda wäre es naiv, auf Klischees verzichten zu wollen, es gilt, über sie hinauszuwachsen und sie in den Dienst der Sache zu stellen.
    Um am Ende das zu tun, was Musik immer am besten konnte: das Herz bewegen.

    Dark Dimensions / Scanner
    CD Album – VÖ: April 2021
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Dark Electro

    Ein Zyklus: blutig, ewig weiblich, verführerisch, tödlich, kaputt.
    Diesmal kann es nicht groß genug sein. Ein weiter Bogen vom Alpha bis zum Omega wird gespannt, Anfang und Ende der Welt und dazwischen ein Haufen perverser Schmutz und gleißende Erhabenheit.
    Textlich werden erstaunliche Themen gestreift: die Zerstörung der Welt, Bodyshaming, Mansplaining, sexuelle Selbstbestimmung – um nur einige zu nennen. Dabei, wie immer bei den Töchtern, niemals einfach, immer schillernd und brutal.
    Das Album wird dabei auch musikalisch durch seine Konsequenz dem großen Anspruch mehr als gerecht.

    Dark Dimensions / Scanner
    CD Album – VÖ: November 2018
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Dark Electro

    Grausam waren sie schon immer, die Töchter. Album für Album widmet sich Aranea Peel einem neuen Themenkosmos mit zerstörerischer Wucht und Akribie. Diesmal ist es der Rausch. Es gilt, einen weiten Bogen zu beschreiben, die Ekstase, das Weibliche, der Satan, Kontrollverlust, Tod, Sex, Rausch. Wie immer gelingt das in einer nahezu epischen Vollkommenheit und musikalisch, nun ja, brutal. Viele der bedingungslosen Jünger der Grausamen Töchter, und es gibt inzwischen nicht wenige, die das GT-Logo tätowiert tragen, übersehen geflissentlich, wie feinsinnig, sublim, ja mancherorts humorvoll so ein Album ist, weil es immer so schonungsloses Geballer enthält und die Texte so zotig anmuten. Das Geballer ist hier übrigens etwas weniger clubbig, schwerer, tiefer und geradezu Hiphop-affin quillt es beizeiten aus den Boxen. Nicht nur für Fans!

    Dark Dimension / Scanner
    CD Album – VÖ: Mai 2016
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Fetisch

    Vagina dentata ist lateinisch für »bezahnte Vagina«. Der Mythos der Vagina dentata wurde in der westlichen Welt hauptsächlich durch Sigmund Freud bekannt gemacht. Nach seiner Meinung passte der Mythos gut mit seinen Theorien der Kastrationsangst zusammen.
    Soviel Wikipedia zum Thema.
    Vagina Dentata war auch (zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung) das bisher beste Album der Grausamen Töchter. Das tut zwar eigentlich nicht Not, weil die Fans der Band sowieso alles in Verzückung versetzt, was Aranea Peel von sich gibt.
    Aber man kann ruhig auch mal trotzdem das beste Album seiner Laufbahn hinlegen. Gesagt, Getan.
    Ach so. Worum es sich handelt? Ein Grausame Töchter Album ist derb, gefühlskalt, abstoßend und wollüstig zugleich. Der Schlund, das Meer und das Tor zur Hölle als Metaphern für die Vagina dominieren die Bildsprache, Verzerrung und Missklang die Tonsprache. Reicht das? Anhören. Setzen.

    Dark Dimension / Scanner
    EP – VÖ: September 2014
    Produktion: Grausame Töchter, Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Dark/Fetisch/BDSM

    Die dritte Platte wird ja allgemein mit allerlei Voodoo-Erwartung beäugt. Man sagt, das sei die wichtigste Platte, da entscheidet sich dann, ob das Ding wirklich Substanz hat.
    Was die Grausamen Töchter betrifft, wusste man freilich schon vorher, dass das Bestand hat und immer haben wird. Wenn man bedenkt, mit welcher Hingabe Aranea Peel dieses Projekt lebt und wie sehr das Ganze überhaupt ein Teil von ihr ist, ist das ja auch ganz klar.
    Dennoch kommt man nicht umhin, zu sehen, dass da eine Reifung stattgefunden hat. Diese Platte bringt tatsächlich einen die ersten beiden Alben über schwelenden Prozess auf den Punkt, in dem sich die Grausamen Töchter als das, was sie sind, manifestieren. Das braucht es vermutlich auch, wenn man, wie hier, eine neue Art, mit Musik umzugehen, aus der Taufe heben will. Das klingt jetzt freilich etwas experimenthafter, als es tatsächlich ist. Die Wahrheit ist einfacher:
    Sie besteht in so etwas wie der Kombination aus ehrlichem Pathos, dem Wissen um dessen Albernheit, einer Prise humanistischer Bildung, mehreren Wagenladungen Unrat und einer schieren Legion perverser Gelüste. Präpariertes Klavier, verzerrtes Cello, nackte, blutüberströmte Grazien in der Rolle eines schreienden Chors der griechischen Tragödie. Das alles, versteht sich, im Bette harter und gar unfreundlicher elektrischer Musik.
    Wer’s mag, liebt’s

    Dark Dimension / Scanner
    Album – VÖ: November 2012
    Produktion: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Fetisch / Dark / BDSM

    Das ist das Projekt von Aranea Peel, wo immer alle auf die Konzerte rennen, weil sich herumgesprochen hat, dass die sich auf der Bühne nackt zeigt.
    Was natürlich ein ziemlicher Quatsch ist. Damit meine ich, das Besondere an Aranea ist nicht, dass sie so wenig anhat, das können andere auch. Das Besondere ist, was sie mit Dir macht, wenn sie auf der Bühne steht und Du davor. Das ist schon ein Erlebnis, auch wenn man, wie ich, gar nicht so recht weiß, was dieses BDSM eigentlich ist. Irgendwas mit Sex.
    Ach so, die Musik.
    Ja, die ist natürlich sehr unbarmherzig, dabei gar nicht so eindeutig, wie man denken sollte, es wird viel zitiert, viel probiert, aber, ein Glück gibt es auch ordentlich was auf die Glocke.

    Dark Dimension / Scanner
    EP – VÖ: April 2011
    Produktion: Grausame Töchter, Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Dark/Fetisch/BDSM

    Liest man sich das Info der Band durch, denkt man, jaja, die schreiben da so was über Perversion und Leidenschaft, wer’s glaubt.
    Ich kenne die Band lange, und ich glaub’s.
    Und immer findet sich ein Zitat aus der ernsten Musik, das in den Schmutz getreten wird, hinab in die Tiefen verzerrter Beats und Geräuschen der eher unangenehmen Art. Da sind diese erbarmungslosen elektronischen Getösekonstrukte, immer tanzbar, immer laut, und eine Live-Performance, die – selbstredend FSK18 – aufgrund der herausragenden Sängerin und Tänzerin Aranea Peel ihresgleichen nirgends findet.
    Gefällt nicht jedem, wie auch, ist eben extrem.
    Ein wenig stolz bin ich auch auf ein technisches Detail, den Gesamtpegel des Albums, er liegt bei -2dB RMS.
    Für Laien: lauter ist physikalisch so gut wie unmöglich.

    grönland
    Album – VÖ: August 2014
    Produktion: Gade / Frevert
    Aufnahme: Oliver Sroweleit / Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Olsen Involtini
    Feuilleton Pop

    Diese wunderbare Platte von Niels Frevert wurde im Studio Nord eingespielt. Ich habe da nur ein bisschen Aufnahmetechnik gemacht, Mikrofonie und so. Das allerdings war mir ein ganz besonderes Vergnügen!
    Tolle Songs, tolle Musiker, toller Sänger! Zum Dahinschmelzen sind auch die Arrangements für Streicher und Bläser von Werner Becker alias Anthony Ventura.

    grand hotel van cleef
    CD/LP – VÖ: Mai 2015
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Tobias Siebert / Gregor Hennig
    Deutscher Gitarrenpop

    Herrenmagazin sind in den Ohren derjenigen, die sich ein bisschen für Musik mit deutschen Texten interessieren, derart zuhause, dass es gar nicht so leicht scheint, frisch aufzutreten. Genau das ist es, was die Band auf diesem (nebenbei bemerkt fantastischen) Album tut.
    Da spielen leise Töne eine wesentlich größere Rolle als bisher, Klavier ist ein fester Bestandteil des Sounds, es gibt echte und eingängige Refrains.
    Pop – und der Mut zur großen Geste.
    Und doch, so steht es zu vermuten, wird ein Großteil der Hörer die Tatsache, dass auch bei diesem Album die Lyrics wieder grandios und unverwechselbar sind, zum Anlass nehmen, »Sippenhaft« als typisches Herrenmagazin-Album wahrzunehmen.
    Gut so.

    kapitän platte
    CD/LP – VÖ: Oktober 2019
    Produktion: Halma / Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Kraut-Abstraktion

    Halma sind auf diesem Album Halma. Und rhythmischer als zuvor. Da werden meditative Schleifen gelegt, fast ein bischen rastlos kommt das daher, zumindest für Halma-Verhältnisse. The Ground könnte die Musikbegleitung zu einer Reise durch tiefe, stillgelegte Stollen sein, zügig, zugig aber endlos, warm und dunkel. Das Licht am Ende des Tunnel ist dabei stets im Irgendwo spürbar wie ein leuchtender Komet. Zu abstrakt? Nun, Halma sind es auch.

    kapitän platte
    CD/LP – VÖ: August 2015
    Produktion: Halma / Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Pop-Abstraktion

    Halma sind eine dieser Bands, die es schafft, an zwei Einzeltönen zweifelsfrei erkannt zu werden. Wer den Halma-Kosmos einmal betreten hat, wird fortan die Dunkelheit und Wärme dieses ruhigen Universums lieben und immer sofort wieder erkennen. Halma haben nicht nur einen eigenen Stil gefunden, sie haben ein eigenes Gefühl erfunden, definiert und zur Perfektion gebracht.
    Das Halma-Gefühl erfährt auf »Granular« eine sanfte, aber leicht überraschende Wendung: wir entdecken einen Teil der Wurzeln dieser Welt. Mehr als die vorangegangenen Werke enthüllen die Songs ihre improvisatorische, krautrockige, wenn man so will psychedelische Basis. Das klingt dann am Ende so, als seien Halma die Blaupause all der Genres, die hier aufschimmern, weil es so selbstverständlich daher schreitet.
    Ein Genuss.

    sunday service
    CD Album – VÖ: November 2011
    Produktion: G.Hennig, Halma
    Aufnahme: G.Hennig – Le Châtelet
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Post-Postrock

    Halma haben Zeit.
    Halma sind die Band, die es schafft, einen Codeine-Song so zu covern, dass das Original dagegen hektisch wirkt.
    In wechselnder Besetzung, mal mit Schlagzeug, mal ohne Bass, immer klar und fokussiert spielen die vier Hamburger etwas, was sich im Booklet wie der Soundtrack zu einem zwar verregneten, aber unerhört schönen Frankreich-Urlaub liest. Nähmen wir mal an, Frankreich böte auch Platz für Twin Peaks und ein bisschen Tiefsee.
    »Dissolved Solids« ist ein Album, das jeden Raum verändert, in dem es läuft. Intensität entsteht hier durch Unaufdringlichkeit, kurzweilig ist’s, eben weil so wenig vor sich geht.
    Halma haben den Satz »weniger ist mehr« freilich nicht erfunden, auch ist die Reduktion hier nicht konsequenter als anderswo, aber das hier ist auch keine Konzeptkunst: man kommt beim Hören dieser Songs gar nicht auf den Gedanken, sich zu fragen, warum die das so machen.
    Wichtiger und vor Allem erquicklicher ist ja auch, dass sie es so machen.

    Latenz
    Vinyl-Album – VÖ: Mai 2018
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Artschool Wave

    Schleifen,
    der Titel dieses herausragenden Vinyl-Albums, hat manch einen auf den Gedanken gebracht, es ginge um Wiederholungen. Liegt wahrscheinlich daran, dass es bei den Spröden Lippen immer um Wiederholungen geht. Spröde Schleifen bilden Songs, Lippen formen dazu mantraartige Sätze, die nicht nur durch ihren repetetiven Charakter tief gehen. Aber deswegen heißt die Platte nicht »Schleifen«. Das Abschleifen und neu Versiegeln des Parkettbodens im großen Aufnahmesaal des Studio Nord war nämlich ein Teil der Bezahlung für die Produktion. So ist nicht nur die Welt um ein fulminantes Stück Musik reicher geworden, sondern auch um einen wunderschönen Boden. Ein kleiner Hinweis ist das Schleifpapier, das das Cover darstellt, zum Glück nicht mit echter Körnung – das wäre zwar lustig, aber sehr schade um den Inhalt.
    Den Inhalt der Platte nun haben wir komplett live aufgezeichnet. Der leicht düstere, extrem lässige und doch brüchige Charakter der Kompositionen vereint sich so am besten mit den geheimnisvollen Texten zu einer Einheit, die so kunstvoll wie schluderig und so kühl wie berührend ist.

    Trost
    Album – VÖ: Juni 2019
    Aufnahme: Oliver Sroweleit – Lila Eule
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Zukunftsmusik von Gestern

    Wir schreiben das Jahr 1968. In der Studentenkneipe »Lila Eule« spielen Peter Brötzmann, Alexander von Schlippenbach und Han Bennink eine neue neue, skandalöse und völig unerhörte Version des Jazz: Free Jazz. Der verzerrte Mitschnitt des Events wird als »Machine Gun« erst Kult, dann Kulturgut, die Lila Eule wandelt sich zu einer Diskothek und dann zu einer Underground-Konzertlocation, Brötzmann und Co. werden alt und legendär.
    2018 ist das 50 Jahre her und hier ist der Mitschnitt des Konzertes, das 50 Jahre später mit den selben Protaginsten am selben Ort stattfand.

    superlaut
    EP – VÖ: Oktober 2019
    Produktion: Miu
    Aufnahme: Gregor Hennig und Pascal El Sauaf – Studio Nord Bremen / Miu
    Pop

    Ein Rundumschlag.
    Miu erfindet in diesem ziemlich umfangreichen Werk den Pop nicht neu, aber das hat sie auch nicht vor. Sie schafft es vielmehr, eine beeindruckende Sammlung an Songs auf desem Album zu versammeln, die alle gleichzeitig so klingen, als hättest du sie noch nie gehört und so, als wärst du Dein ganzes Leben mit ihnen aufgewachsen. Das muss man erst einmal bringen.
    Neulich wurde ich von einem der Songs sogar beim Einkaufen im Supermakrt überrascht und fragte mich tatsächlich zunächst einige Minuten, welcher Popklassiker das denn ist, dabei hatte ich das Ding ja zu einem großen Teil selbst aufgenommen.

    Herzog
    CD Album – VÖ: August 2017
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Pop

    Wirklich, ich mag Pop. Man könnte ja auch Angst haben, diesen Begriff im Munde zu führen, weil er so nach Kommerzialität stinkt, nach Schema F.
    Man kann sich aber auch darüber hinwegsetzen und sorglos einfach Musik mögen, die schön sein möchte, die keine Angst hat zu gefallen. Eine solche Platte ist »leaf«. Die Stimme von Miu kriegt Dich sofort, sie ist rauchig und warm, zeitlos soulig ohne manieriert zu wirken. Die Musik ist ebenso wenig in einer bestimmten Epoche verortet, sondern verbindet mühelos all das, was Pop in verschiedenen Jahrzehnten in seiner Essenz ausgemacht hat zu einer geschmackvollen Verneigung vor dem Publikum.
    Ja, Miu möchte Dich unterhalten.
    Aber das ist gut so.
    Lass es zu.

    Tapete
    Album – VÖ: Juli 2019
    Produktion: Thomas Wenzel
    Aufnahme: T. Wenzel / G. Hennig
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Diskurspop-Urgestein

    »Jetzt!« hat die deutsche Popmusik stärker geprägt, als Du denkst. Als damals die Ostwestfalen aufbrachen, die Welt zu verändern, erschufen sie als Blumfeld, die Sterne, Die Braut Haut Ins Auge, Begemann und die Antwort und Tocotronic das deutsche Lied neu. Mit dabei, aber nur am Anfang, war Michael Girke alias »Jetzt!«.
    »Wie es war« ist eine Sammlung bisher unveröffentlichter Songs, die zwischen damals und jetzt entstanden.

    Dark Dimension / Scanner
    EP – VÖ: November2020
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Dark Pop

    In einer Welt mit Stil und Sinn für Realismus wäre das hier Teenie-Pop. Twins in Fear spielen mit Klischees, drehen sie auf – bis zu dem Punkt, an dem daraus ein Statement wird. Devote Schüchternheit geht mit nebulöser Düsternis eine unheilige Allianz ein. Die deutschen Texte zeichnen einen Kosmos aus Fragen, was das für eine Welt ist, in der wir aufwachsen und einer Antwort zwischen Resignation und Sehnsucht.

    bekassine records
    Album – VÖ: Juni 2021
    Produktion: Gregor Hennig / Valentin Hebel
    Aufnahme: Gregor Hennig
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Singer-Songwriter-Rekonstruktion

    Auf die Dekonstruktion folgt die Rekonstruktion
    Als ich Joe das erste Mal sah, war das im Tower in Bremen. Er spielte ein beeindruckendes Konzert nur in Begleitung seiner Gitarre. Wir hatten uns vorher schon darauf verständigt, dass wir eventuell zusammen arbeiten, wenn mir das Konzert gefiele. Und ob es das tat!
    Und doch (oder deswegen?) war mir sofort klar, dass ich das, was ich da gesehen hatte, nicht versuchen wollen würde, auf eine Aufnahme zu übertragen. Ich machte den Vorschlag, dass wir Joe Astray erst einmal auseinander nehmen.
    Eine Aufnahme ist eine künstliche Situation, sie ist nicht real. Es mag unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein, Authentizität zu behaupten, eine schmucklose, vorgetäuscht »ehrliche« Performance zu dokumentieren. Bei Joe wollte ich das nicht tun. Wir wollten lieber wirklich ehrlich sein und etwas Künstliches erschaffen. Eine Dekonstruktion der Singer-Songwriter-Ästhetik und ihre Rekonstruktion zwischen Pathos und Intimität, zwischen Algorithmen und Handgespieltem. Zum Glück fand sich Valentin Hebel als Co-Produzent, ihm verdankt das Album einen ganz wesenlichen Teil dessen, was es ist. Was ist es? Eine Welt.

    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: G. Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: G. Hennig – Studio Nord Bremen
    Singer/Songwriter

    Kann man das bringen, ein Album mit ganz schlichten, klassischen Popsongs in extrem sparsamer Besetzung? Klavier, Stimme, Strophe, Refrain, that’s it?
    Nope.
    Braucht niemand.
    Halt, Stop. Wenn, und das ist das ganz Entscheidende bei diesem Album, wenn man es nicht so macht, dass es mit Abstand das Berührendste, Persönlichste und überhaupt Schönste wird, was überhaupt vorstellbar wäre.
    Gewagt, gewonnen.
    Unfassbar warmes und athmosphärisches Album, period.

    tapete
    EP – VÖ: März 2015
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Carsten Böttcher
    Singer/Songwriter

    The Late Call aus Stockholm ist nur scheinbar schnell mit dem Begriff »Singer/Songwriter« umschrieben: nichts an dieser Einordnung stimmt nicht. Aber wie so oft, geht es ja nicht um Schubladen – es geht um Gefühle, um athmosphärische Dichte und das Phänomen, wie Musik es fertigbringt, eine Zeit, einen Raum ganz für sich zu vereinnahmen und nachhaltig zu prägen. So wird der Raum, die Zeit, in der wir »Golden« hören und gehört haben immer ein wenig von der beeindruckenden Stimme und den gefühlvollen Arrangements atmen, die »The Late Call« zu einer besonderen Band machen.

    Dot Time
    Album – VÖ: Mai 2019
    Aufnahme: Gregor Hennig / Pascal El Sauaf
    Mix: Pascal El Sauaf – Studio Nord
    Jazz

    Die Studio Nord Sessions waren eine Konzertreihe, die zwischen 2018 und der Covid19-Pandemie im Studio Nord stattfand. Internationale Größen gaben sich im Studio Nord die Ehre und spielen ein ungeschminktes Live-Konzert, das auf Tonband aufgezeichnet und lebensecht auf Vinyl veröffentlicht wurde.

    Kapitän Platte
    CD/LP Album – VÖ: September 2017
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Post Whatever

    »batteri« von Nihiling hat nicht lange gebraucht, um zu einer meiner Lieblingsplatten zu werden. Eigentlich begann das schon beim ersten Besuch im Proberaum. Mit einer überraschenden Selbstverständlichkeit lassen diese Musiker ausgetretene Pfade hinter sich und erschaffen in direkter Nähe dazu eine Welt aus Möglichkeiten. Songs werden nicht gestrickt, sondern erzählt. Wie eine gute Geschichte ist dieses Album voller behaglicher Momente und überraschender Wendungen gleichermaßen – es wird nicht einfach wiederholt, was funktioniert hat, sondern ein Faden gesponnen, dem wir gerne, sehr gerne folgen. Weil er uns in den Garten batteri hinein und auch wieder hinaus führt. Dieser hat zwei Seiten: eine Songseite mit Gesang und recht poppigen Elementen und eine instrumentale Seite mit all dem, was das Präfix »post« in die stilistische Einordnung dieser herausragenden jungen Band aus Hamburg befördert. Beide sind einen Ausflug absolut wert!

    Tapete
    EP – VÖ: Juli 2017
    Produktion: DLDGG
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Retro-Diskurs-Oi

    Man kann die Liga in mancherlei Hinsicht als Fortsetzung des Superpunk mit anderen Mitteln begreifen. Die dreiste Art, sich einfach Teile der Popgeschichte zu eigen zu machen, indem sie in einer Mischung aus Hommage und Instandbesetzung umgedeutet oder als eine Art found object verwurstet werden, gab es auch schon bei genannter Vorläuferband. Der Liga der gewöhnlichen Gentlemen ist indes eine gewisse Konsequenz und ein Wille zur Größe zu eigen, der Superpunk aufgrund parteiinterner Differenzen etwas abging. So ist dieses Album eine Art Abziehbild eines monumentalen Pop-Album geworden, aber in etwa so, wie man sich die Popgeschichte in einer Parallelwelt vorstellen mag. Dort haben die Gentlemen den Pop erfunden, geprägt und vermittelt. Schließen wir die Augen und glauben für einen Moment an dieses parallele Universum der Liga. Nehmen wir mal kurz an, nicht die Beatles, nicht Motown, nicht die Beach Boys hätten all die Heldentaten unserer Jugend auf dem Gewissen, sondern diese fünf Jungs hier.
    Fällt nicht mal schwer.

    Tapete
    Album – VÖ: Juni 2010
    Produktion: G. Hennig, B. Begemann
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Pop mit deutschen Texten

    Das Bestechende an Superpunk ist, dass sie alles, was sie nachzuahmen versuchen, durch eine wiederum unnachahmliche, sagen wir, Ignoranz unweigerlich in etwas Wundervolles verwandeln.
    Innerhalb von zwei Wochen haben Bernd Begemann und ich das neue Superpunk Album »die Seele des Menschen unter Superpunk« bei mir im Studio produziert, aufgenommen und gemischt.
    Das Ergebnis ist eine Hommage an so viele verschiedene Vorbilder, dass ich sie mir unmöglich merken kann – und Superpunk verstehen es so meisterhaft, daraus ihren ureigenen und unerhört leckeren Brei zuzubereiten, dass es dann so klingt, als hätten sie den Begriff »Unterhaltungsmusik« gerade erst selbst erfunden. Von den Texten will ich hier gar nicht anfangen, die sind eh‘ groß.

    Tapete
    Sampler – VÖ: Juni 2011
    Produktion: diverse
    Aufnahme: 2 Tracks: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: 2 Tracks: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Tribute Sampler

    die Beiträge von ‚Bernd Begemann und die Befreiung‘ und ‚Die Sterne‘ wurden im Le Châtelet produziert.

    Grundsound / La La Land
    CD / Vinyl Album – VÖ: September 2016
    Produktion: Stefan Stoppoks
    Aufnahme: Oliver Sroweleit / Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Stefan Stoppok
    Deutschrock

    Stoppok ist ein sympathisches Rauhbein.
    Die Musik ist auch ein bisschen so: mit diesem Funkeln in den Augen, der behutsamen Art, dem beherzten Biss. Mag man irgendiwe sofort.
    Die Platte habe ich zwar nicht produziert, aber ein paar der Songs habe ich aufgenommen.
    Schönes Ding!

    Tapete
    CD Album – VÖ: März 2015
    Produktion: Gregor Hennig / Ezio
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Singer/Songwriter

    Ezio ist der Vorname des Sängers. Der ist italienisch, ziemlich doll sogar, lebt aber in Cambridge, und das schon lang genug um in den Neunzigern schon mal ein Star gewesen zu sein. Toller Typ. Ein bisschen verschroben, lebendig, humorvoll und sublim.
    Das merkt man diesem Album eher beim zweiten Hören an, aber ich persönlich finde, dass gerade diese leisen Töne den besonderen Reiz dieser Aufnahme ausmachen, die live aus einem Guss von Ezio, Lars Plogtschies und Ben Schadow auf Tonband gezaubert wurde.

    major label
    Album – VÖ: Mai 2014
    Produktion: Alte Sau
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Punk

    Ich denke, ich muss nicht versuchen, Jens Rachut hier zu beschreiben.
    Man kennt ihn, oder man kennt ihn nicht. Eigentlich kennt man ihn.
    (Für die, die ihn erstaunlicherweise doch nicht kennen: das ist irgendwie so ein Genie, dieser Jens. Und ein ganz schön grober Klotz. Einer der besten deutschsprachigen Texter, Poet, Punk mit Tendenz zum Fäkalhumor. Aber es geht hier gar nicht um Jens. Also schon, ja, auch.)
    Alte Sau sind eine Keyboarderin mit ihrer Philicorda Orgel und ein recht ruppig spielender Schlagzeuger, die ihren eigenen Sound entwickelt haben, irgendwie so was wie Punk ohne Gitarren oder Heimorgelmusik ohne Kitsch. Jens kommt dann dazu und singt seine Sachen da drauf, und es klingt dann tatsächlich so, als hätten die beiden sich getroffen, um Jens Rachut zu begleiten und nicht andersherum.
    Manchmal passieren solche Dinge.
    Wie schön.

    Flight 13
    CD/LP Album – VÖ: Februar 2020
    Produktion: Peta Devlin
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Deutschpunk

    Ungerecht ist das. Es besteht nämlich die Gefahr, dass allein deswegen, weil Oiro schon so viele wirklich hervorragende Platten gezaubert haben, irgendwie untergeht, was für ein Kleinod die »Mahnstufe X« ist.
    Dabei führen hier alle Fäden zusammen. Oiro lösen sich von ihren Schablonen und erschaffen ihr Genre. Das hat periphär mit Punk zu tun, da ist Wave, kunstvoller Dilletanz-Tanz, Glitter und rauhe Einfachheit. Was eine Band wie Oiro kann, befindet sich genau auf diesem Album. Das hat zwei Seiten: Punk, die Eine. Und dann noch die Andere.

    Flight 13
    CD/LP Album – VÖ: Oktober 2015
    Produktion: Peta Devlin
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Deutschpunk

    Hier haben die Jungs einen unfassbar guten Plan gehabt:
    sich von Peta Devlin produzieren lassen. Meine Lieblingsproduzentin hat mit Witz, Sachverstand und Charme die weltbeste Mofapunkband auf den Kopf gestellt und mal dran geschüttelt. Heraus kam: Oiro.
    Aber besser.
    »Meteoriten der großen Idee« ist ein bis ins schroffe Detail gelungener Schritt nach vorn. Kein Rock mehr, kein Handwerk. Die Emanzipation der Aussage von der Kunstfertigkeit, Verzahnung der Musik mit der unnachahmlichen Art, wie Cacke Johannisbauer seine halb verständlichen von Bildern übersähten Texte skandiert. Eckig, rund, garstig, schön. Punk. Geil.

    Flight13
    CD Album – VÖ: März 2008
    Produktion: Oiro
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Deutschpunk

    Punk mit deutschen Texten – aber halt, das wäre zu einfach. Exorbitanter Punk mit unvergleichlichen deutschen Texten!
    Die Musik ist weit ausgefeilter als es das Genre eigentlich möchte, dabei aber sehr stabil und bei aller Verschnörkeltheit doch kompromisslos geradeaus.
    Und Cacke Johannisbauer am Mikrofon ist immer wieder eine Pracht.
    Oiro sind mit dieser Platte tatsächlich ein bischen über sich selbst hinausgewachsen, soweit das möglich war.

    Flight 13
    CD/LP Album – VÖ: Mai 2005
    Produktion: Gregor Hennig / Oiro
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Deutschpunk

    Oiro kommen aus Düsseldorf und machen Punkrock mit deutschen Texten. Das machen sie wesentlich besser, als der Name und die Herkunft vermuten lassen könnten. Wenn man genau hinhört, muss man eh zugeben, dass diese Band nicht viel mit ordinärem Deutschpunk gemein hat – wenn man die Band fragt, heisst das vielmehr: Mofapunk.
    Aber darauf kommt es gar nicht so sehr an, vielmehr auf die Texte. Die Texte auf diesem Album sind nämlich schlicht grandios.

    Chateau Lala
    CD Album – VÖ: August 2017
    Produktion: Olaf Opal
    Aufnahme: Olaf Opal – Studio Nord und anderswo
    Mix: Olaf Opal
    Deutschsprachiger intelligenter Pop

    Helgen ist eine so famose wie junge Band, die hier ein beachtliches und extrem stilsicheres Album raushaut. Produziert hat das Olaf Opal, ich habe lediglich ein paar Mikrofone gestellt und Kabel aufgerollt. Aber ich war dabei. Ein bisschen.

    pussy empire
    Vinyl Album – VÖ: April 2017
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    experimenteller songorientierter Pop

    »Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn wir es hier mit weniger zu tun hätten als perfektem Pop« (fairaudio.de)

    »Session Tapes« heißt dieses Album aus Gründen. Dem Plan von Catharina Boutari, als eine Art Befreiungsschlag jegliches Geknobel abzulehnen und einfach ohne Vorbereitung in Studios zu fahren und mit Künstlern ihres Vertrauens Songs zu schreiben, zu arrangieren und dabei gleich aufzunehmen ist das Wort Session im Titel zu verdanken. Ich bin stolz und froh, dass die Wahl dabei zuerst auf mich fiel. Auch ich hatte das Basteln ein wenig über und freute mich sehr über die Gelegenheit, mal etwas Ungewohntes zu probieren. So entschied ich, Klavier zu spielen (ein Instrument, das ich nur rudimentär beherrsche) und bestand darauf, mindestens ein verstörendes Element konzeptuell einzubauen. Wir entschieden uns für einen mechatronischen Bass, der das Songwriting dadurch streng limitierte, dass wir ihn jeweils eine festgelegte Schleife spielen ließen, die sich innerhalb eines Songs jeweils nicht ändert. Die Stücke spielten wir mit einigen Gastmusikern live im Tonstudio direkt auf analoges Tonband ein. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass wir gleich eine zweite Runde hinterher schoben, die wir ohne den automantischen Bass, dafür aber mit Tapeloops und Field Recordings realisierten. Beide Live-Studio- Einspielungen sind nun als Vinyl erhältlich und eine ganze Reihe begeisterter Kritiken sprechen dafür, dass es ich gelohnt hat, dieses Experiment zu wagen.

    pussy empire
    EP – VÖ: März 2019
    Produktion: Gregor Hennig / Puder / Tom Gatza
    Aufnahme: Jan Rubach – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    experimenteller songorientierter Pop

    Dreimal sei Bremer recht, sagt man, allerdings fand diesmal nur der Mix in Bremen statt. Wie auch die beiden vorangehenden Seesions ist die dritte Runde der Puder Session Tapes die zeitlich begrenzte und komplett unvorbereitete Zusammenarbeit von Catharina Boutari mit einer anderen Künstlerperson. Nachdem ich zweimal diese Ehre hatte, wäre es Quatsch gewesen, das noch einmal zu wiederholen. Der begnadete Hamburger Keyboarder und Songwriter Tom Gatza war für das dritte »Tape« die perfekte Wahl, aber natürlich wollte ich auch wieder dabei sein. Mein Auftrag bestand darin, die Klänge meiner mechatronischen Harfe mit Effektgeräten bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden und insgesamt für möglichst viel stilistische Verwirrung zu sorgen. Toms Auftrag war, den Laden trotzdem irgendwie durch seine magischen Arrangements und Ideen zusammen zu halten und Catharina, nun, die ist einfach am besten, wenn sie deutsch singt. Dann aber ist sie auch besser, als die meisten, die das tun.

    EP – VÖ: Februar 2011
    Produktion: Kapaikos / Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mandolinenfolklore, kaputt

    Kapaikos!
    Sie sind großartig, wunderbar, abscheulich, schräg, schmutzig, filigran, verspielt.
    Und kaputt.
    Die weltbeste Senior-Boygroup mit den kleinen Instrumenten geizt auf dieser fabelhaften EP zwar mit Songs, nicht jedoch mit ihren Reizen. Da wird aus einem wodkaschwangeren Haudegentanz unvermittelt Prog-Rock, klitzekleine pieksige Tönchen zwirbeln sich zu zarten, etwas stacheligen Wunderdingen zurecht, dass einem vor Fernweh nach dieser seltsamen Region, die derlei Folklore hervorzubringen imstande ist, der Schädel brummt. Die hat es nie gegeben: es ist eine Hirnregion. Kopfkino par excellence.
    Kapaikos sind, dass muss hier in aller Klarheit gesagt sein, genial.

    o-ton
    CD Album – VÖ: September 2007
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Popschutz
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Mandolinenfolklore, kaputt

    Kapaikos machen vielleicht ein bisschen das, was man sich vorstellen mag, wenn man weiß, dass hier fünf Mandolinen, eine Spielzeugorgel, Bass und Cajon gleichzeitig passieren. Aber nur ein bisschen, vielleicht. In Wirklichkeit geschieht hier eine so grobe wie liebliche Kakophonie aus willkürlich ausgedachten Folklore-elementen und dem, nun ja, dem was nur so kranken Hirnen wie den Kapaiken entspriesst. Während man das Getöse eines Kapaikos-Live-Konzertes unter Noiserock verbuchen möchte, glänzen die Haudegen auf der Platte manchmal mit geradezu zärtlichen oder auch exotischen Verschrobenheiten.

    Album – VÖ: 2021
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig / Mischkah Wilke – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Punk

    Tank Shot liefern hier ein waschechtes Tank-Shot Album ab. Für Leute, die die Vorgängerplatte schon so oft gehört haben, dass sie gerne etwas Neues wollen, aber nicht zu anders bitte. So wie man das früher gemacht hat: hier wird nicht neu erfunden, sondern weiter gescheppert. Super Sache.

    Album – VÖ: Juni 2018
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Punk

    Genres sind ja manchmal schwer zu definieren. Auch wenn es in diesem Fall wahnsinnig einfach scheint. Punk. Vielleicht ist es es auch so einfach. Punk. Aber wir wissen ja, dass diese Szene zeimlich viel Wert auf Differenzierung legt, die nehmen das da schon gern genau. Also was? Oi? Horror? Skate? Crust? Screamo? Punkrock? Ein bisschen alles, so sagt es die Band. Ich persönlich finde das nicht so wild und würde »First Strike« durchaus als sehr homogenes Album bezeichnen, weil da zwar ein Rundumschlag quer durch alle Punksparten passiert, aber die Stimme der Sängerin alles perfekt, verschmutzt, lässig und extrem charmant zusammen hält. Das macht Kirsten immer so, ich habe sie schon oft aufgenommen.

    Bloodstream
    Album – VÖ: Februar 2020
    Produktion: Gregor Hennig + Joachim zunke
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Garage Pop

    Memoriez sind zu gut um das zeigen zu müssen. Holymodernothing ist die Suche und der Fund: einer Musiksprache, die das Perfekt-Unperfekte, das Eingäng-Sperrige, das Weich-Kratzige und das Künstlich-Natürliche in einer Wärme und Nonchalance daherplappert, die von Reminiszenz, Stilbewusstsein und Dope zeugt.

    Dot Time
    Album – VÖ: Februar 2020
    Aufnahme: Gregor Hennig / Pascal El Sauaf
    Mix: Pascal El Sauaf – Studio Nord
    Jazz

    Die Studio Nord Sessions waren eine Konzertreihe, die zwischen 2018 und der Covid19-Pandemie im Studio Nord stattfand. Internationale Größen gaben sich im Studio Nord die Ehre und spielen ein ungeschminktes Live-Konzert, das auf Tonband aufgezeichnet und lebensecht auf Vinyl veröffentlicht wurde.

    Fidel Bastro
    CDR Album + Vinylsingle – VÖ: Sommer 2008
    Produktion: Gregor Hennig + Ilse Lau
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Post Rock

    Wer schon die eine oder andere Ilse Lau Platte gehört hat, sollte sich diese Scheibe auf keinen Fall entgehen lassen. Wer noch keine Ilse Lau Platte besitzt, kauft sich am besten sowieso gleich alle auf einmal.
    Ilse Lau ist eine Band wie eine Persönlichkeit. Von Platte zu Platte entwickelt sich etwas, immer erkundet Ilse auch neues Terrain, nie verliert sie sich dabei oder lässt sich etwa etwas aufschwatzen.
    Diesmal singt Ilse unter anderem deutsch.
    Abbreviation Hits ist eine bandorientierte Platte: nach Tosh Togs die Rückkehr zu handgespielten Songs, wenig Gäste, nahezu keine Programmings – viel Gesang.
    Ausserdem ist das Album über weite Strecken eine Neuausrichtung des Konzepts Ilse Lau. Nachdem die Band mit Tosh Togs eigentlich alles gesagt hatte, was es zu der, sagen wir mal »Tosh-Togs-Seite« der Band zu sagen gab, war allen klar, dass es gilt, mal zu schauen, was jenseits dieses Horizontes so liegt. Viele Tolle Dinge liegen da, und sie sind hier auf diesem Album.
    Und so ist dieses Album eines der reifesten Ilse Lau Alben geworden, und – leider! – das letzte.

    Klangbad
    CD Album – VÖ: Februar 2006
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Post Rock

    Ilse Lau machen stilsichere, mit wohldosierten Überraschungen gespickte Instrumentalmusik.
    Tosh Togs ist wie gewohnt ein Meisterwerk. Weitere Konzentration auf das Wesentliche; einen Gang herunter geschraubt lassen Ilse Lau dabei ihre kleine Welt nur umso facettenreicher leuchten. Neu ist, dass viel gesungen wird, auf englisch zumeist. Auch der Tendenz, mit R’n’B Elementen der 90er zu liebäugeln wird sich auf diesem Album mal so richtig angenommen.

    Daraus ergibt sich auf insgesamt ein sehr aufgeräumtes und präsentes Klangbild, präzis, trocken und manchmal ein bischen artifiziell. Tosh Togs markiert den Endpunkt einer Reise in diese Richtung, weil es eine Grundessenz der vorangegagenen Album auf eine Weise zusammenfasst, die kaum eine Steigerung zulässt. Das geschieht allerdings um den Preis, dass wichtige andere Facetten der Ilse, die bisher nur angedeutet wurden, hier gar nicht mehr auftauchen.

    Fidel Bastro
    CD Album – VÖ: September 2004
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Post Rock

    »De Tinnen Mannen« macht einen sortierteren und wohlklingenderen Eindruck als die Vorgängeralben der Bremer.
    Die Platte ist so gut wie gar nicht mehr hibbelig, teilweise sehr tiefgründig.
    Geprägt ist das Album, wie alles, was Ilse Lau tut, von der Einzigartigkeit der Musiker und ihrer Spielweise. Neu an diesem Werk sind zaghafte Ausflüge in moderne R’n’B Ästhetik sowie der Einsatz von Tasteninstrumenten.
    Neu ist auch, dass die Aufnahmen komplett im Studio entstanden (die Vorgänger waren großteils im Proberaum aufgenommen worden), so ergibt sich ein etwas disziplinierteres Spiel und ein größerer Facettenreichtum, was die Klangfarben angeht.

    Fidel Bastro
    CD/LP Album – VÖ: 2002
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Ilse Raum
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Post Rock

    Tolle Platte der Bremer Instrumentalkünstler, frickelig noch, aber ruhiger als der Vorgänger, durchsetzt von epischen Flächenereignissen, teilweise recht dubbig. Mit Gästen an Posaune, Trompete, Euphonium und Geige.

    Anders als bei der vorangehenden Platte entstand nur ein Teil der Aufnahmen im Proberaum, viele zusätzliche Spuren und Gäste kamen noch im Studio dazu. Insgesamt ist diese Platte eine sehr bandorientierte Angelegenheit, auch wenn man sich über weite Strecken ohne Schlagzeug in Klangteppichen ergeht: Es geht auch immer wieder recht sportlich zur Sache.

    Fidel Bastro
    CD/LP Album – VÖ: 2001
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Ilse Raum
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Post Rock

    Wijbren De Beer. Dieses frühe (und hervorragende) Ilse Lau Album ist noch überwiegend instrumental, rythmisch gerne vertrackt und vielseitig. Teilweise bestehen Songs auch nur aus elegischen Gitarrenclustern.
    Man könnte behaupten, das Ilse Lau hier ihren Grundentwurf vorstellen, an den alles spätere Schaffen dann andockt, man kann aber auch einfach die Schnauze halten und den Jungs zuhören. Lohnt sich mehr.
    Aufgenommen im Proberaum der Band, gemischt in Hannover.

    unter schafen
    Album – VÖ: Januar 2012
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Husumer Schule

    Es gab tatsächlich eine Zeit, in der ich dachte, diese Bands, die versuchen, etwas Eigenständiges zu entwickeln, einen neuen Standpunkt zu beziehen, die Bands, die nicht einfach nur alles so machen wollen »wie man das macht« seien Vergangenheit.
    Man kann das auch prima untermauern, mit scheinbaren Fakten wie: das ja alles schon da sei, jede Melodie schon einmal gespielt, jedes Wort schon einmal getextet. Und sich dann nostalgisch traurig nach den Zeiten sehnen, als Innovation »noch« möglich war, wann auch immer die gewesen sein sollen.
    So verständlich das ist, so falsch ist’s auch, und das zeigen uns vier junge Herren aus Husum.
    Und sie zeigen auch wie es geht:
    wir brauchen keine neue Musiktheorie, keine Klanggebilde, die so anders sind, dass sie keiner versteht. Es langt, wenn sich ein paar Menschen zusammentun und sich in der Reduktion auf ihre Möglichkeiten auf das besinnen, was sie nicht machen wollen.
    Und es dann nicht tun.
    Und wie von selbst entsteht dann aus einer minimal verschobenen Kombination des bereits Dagewesenen eine neue Welt.
    Das Unbekannte kann in der Ferne liegen, oder es liegt in der Tiefe.
    Bei Vierkanttretlager liegt es in der Tiefe.
    In aller Schlichtheit behandeln die Jungs Themen, die wir alle kennen, mit Ausdrucksmitteln, die wir alle kennen – auf ihre Art.
    Danke Husum.

    cobretti
    EP – VÖ: Juni 2010
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Deutschrock nach Hamburger Art

    Hanno Wulf (Grollace & Vomit) schreibt:
    »Vierkanttretlager, das ereignet sich folgendermaßen:
    auf der Bühne stehen plötzlich vier schmale, gutaussehende Dorftrottel, alle blond. Und du denkst verwundert: das muss wahr sein, so was kann man nicht casten.
    Dann stöpseln sie ihre Instrumente ein, und dann rocken sie los, und das dauert nur zwei Minuten, bis du merkst: das ist mehr als die Summe seiner Teile, es ist magisch. Der Schlagzeuger ist unglaublich auf den Punkt, der Bassist pumpt stoisch Ska-Bassläufe, für die er noch viel zu jung ist, der Gitarrist erzeugt garstige, warme, zuckende Klangteppiche, mit einer Anschlagtechnik, die Pete Townshend das Fürchten lehrt, und der Sänger ist ein Ding für sich: ein am Leben kaputt gegangener alter Mann von siebzehn Lenzen mit einem Schalk im linken Auge.
    Sie erfüllen die Luft mit Lärm und Honig. Und dir wird klar, die sind auch nicht durch eine Anzeige »Band mit professionellen Ambitionen sucht…« zustande gekommen, sondern die standen eines Tages einfach zufällig nebeneinander auf dem Spielplatz vorm Mildstedter Gemeindehaus, und alle zufällig mit Äxten in der Hand, und da wussten sie, dass sie eine Band sind.«

    unter schafen
    EP – VÖ: September 2012
    Produktion: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Norddeutsche Folklore

    Ich erkläre an dieser Stelle mal nicht, wer oder was Vierkanttretlager eigentlich ist. Diese EP ist quasi die Auskopplung einer erweiterten Ausgabe der CD »die Natur greift an«, bei der einige Songs des Albums mit Gastmusikern und einem Shanty Chor »unplugged«, wie es so schön falsch heißt, interpretiert wurden. So kompliziert ist das gar nicht.
    Das klingt für den geneigten Vierkanttretlager-Hörer ungewohnt, aber sehr stimmig und eine tolle Version des Element of Crime Songs »Am Ende Denk Ich Immer Nur An Dich« ist auch dabei.

    Oetinger Audio
    Vinyl / CD – VÖ: November 2016
    Produktion: Bela B
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Kinderlied

    »Unter meinem Bett« ist eine andere Kinder-CD. Für Eltern, denen diese pädagogischen Bildungs-Songs zum Halse heraus hängen. Lieder, die man sich für seine eigene Kindheit gewünscht hätte. Von Musikern und Musikerinnen, die man auch als Erwachsener ernst nehmen kann.
    Bela B. hat einen Song beigesteuert, den ich aufgenommen und gemischt habe.

    Oetinger Audio
    Vinyl / CD – VÖ: Oktober 2015
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Kinderlied

    »Unter meinem Bett« ist eine andere Kinder-CD. Für Eltern, denen diese pädagogischen Bildungs-Songs zum Halse heraus hängen. Lieder, die man sich für seine eigene Kindheit gewünscht hätte. Von Musikern und Musikerinnen, die man auch als Erwachsener ernst nehmen kann.
    Belinda Begemann hat einen Song beigesteuert, den ich aufgenommen und gemischt habe.

    Pop Up
    EP – VÖ: 2020
    Aufnahme: Milo Milone
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    Psychedelische Schönheit

    So zurückgelehnt, dass Du Dich und alles andere vergessen kannst, etwas psychedelisch, zart duster, zwischen Cardigans und Hippiescheiß spinnt Milo Milone, die schon bei Rhonda unvergleichlich glitzert, ein Netz, in dem Du Dich verfangen möchtest.

    BMG
    CD Album – VÖ: September 2003
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder / P.Vinall / M.Ilbert / O.Opal
    Indie

    Phillip Boa macht auf dieser Platte einen Schritt in Richtung back to the roots, wie man neudeutsch zu sagen pflegt, also zurück – teilweise. So ist auch Pia Lund wieder dabei. Andererseits merkt man dem Album eine klare und im Moment der Produktion äußerst zukunftsweisende Orientierung an modernen Konzepten wie etwa Bloc Party oder den Yeah Yeah Yeahs an, was dem Ganzen eine wohltuende Rauheit gibt.
    Von mir stammt der Mix der Songs »V«, »Ex-Half Popstar« und »Stuttershop«, sowie der Singlemix zu »Punch and Judy Club«

    Teaneck
    Album – VÖ: August 2014
    Produktion: Dirk Darmstädter
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Pop

    Mit ein bisschen Gück ist das nicht nur eine Platte wie man sie von von Dirk erwartet, wenn man ihn kennt, sondern auch eine Platte, die viele lieben lernen werden, die ihn noch nicht kannten. Dieses, ich glaube, fünfte Solo-Album des ehemaligen Jeremy Days Frontmannes hat jedenfalls das Zeug dazu.
    Man könnte behaupten, dass dieses Werk ein Stückchen bodenständiger, erdiger wirkt als das Vorgängeralbum, das noch unter dem Namen »Me And Cassity« bei Tapete Records erschien. Es wirkt auf eine schwer zu erklärende Art ernsthaft und verspielt zugleich. Sagen wir, es hat eine leichte, beschwingte Ernsthaftigkeit, es ist ja schon ganz eindeutig ein Pop-Album, dieses Ding.
    Amerikanisch irgendwie, da sind auch diese langen Straßen mit einsamen Kreuzungen, aber da sind auch Blumen im Haar, Sehnsucht und Meerjungfrauen.

    Tapete
    CD Album – VÖ: Januar 2012
    Produktion: Dirk Darmstädter
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Pop

    Dirk Darmstädter weiß, was er tut. Und das geht so: zeitlos schön, ausgefeilt, berührend.
    Me And Cassity, das ist Pop mit Herz und Geschmack, das sind Songs, die für sich stehen: die – wie wir auf dem vorangegangenen Akustik-Album hören konnten – auch in minimalster Besetzung funktionieren.
    Auf »Appearances« beschenkt uns Dirk mit 10 wundervollen neuen Songs, die dank der großartigen Band mit Lars Plogschties am Schlagzeug, Ben Schadow am Bass und Nikko Weidemann am Klavier einfühlsam schlicht und ergreifend virtuos umgesetzt sind.

    beg steal & borrow
    Album – VÖ: Januar 2011
    Produktion: D. Darmstaedter
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Singer/Songwriter

    Dirk Darmstaedter ist ja nicht nur der Frontmann der Jeremy Days. Der eigentliche Dirk Darmstaedter ist ein erfahrener und versierter Straßenmusiker, der wie kaum ein Zweiter in der Lage ist, aus dem Stand, nur mit seiner Gitarre in den Händen, wunderschöne Konzerte zu spielen, die man nicht so schnell vergisst.
    Dass er gute Songs schreibt, wissen wir von seinen früheren Platten. Das diese Songs eine Essenz haben, die über jede aufwendige Produktion erhaben ist, wissen wir spätestens jetzt.
    Auf »the wrong boy« spielt Dirk eine erlesene Auswahl seiner Songs auf Akustik-Gitarre und singt. That’s it.
    All diese Lieder sind in maximal zwei Versuchen auf Tonband aufgenommen, so gut wie gar nicht durch Overdubs unterstützt und völlig unbearbeitet zu hören. Es zeigt sich, dass sie auch heute noch gebraucht werden:
    die guten Musiker.
    Ein glänzendes, athmosphärisches Album, das gute Chancen hat, den CD-Player ein paar Tage lang nicht zu verlassen.

    Tapete
    Album – VÖ: Sept. 2010
    Produktion: D.Darmstaedter, B.Begemann
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Rock’n’Roll Schlager

    Wir befinden uns in der Bundesrepublik Deutschland, kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Nahezu jeder hat bis etwa vorgestern abscheuliche Verbrechen toleriert oder begangen; die Jugend beginnt also, auf US-amerikanische Kultur zu blicken. Da macht sich die deutsche Unterhaltungsbranche auf, dieser Nachfrage zu entsprechen:
    die Texter und Komponisten, die eben noch mit der Erstellung von staatstragendem Liedgut betraut waren, haben jetzt den Auftrag, etwas mit diesem neuen, unbekannten Genre zu machen.
    Sie versuchen, aktuelle Themen zu besingen, so findet das Phänomen »Warenhaus« und auch der Sputnik Einzug in die Musikliteratur.
    Auch hier geht es, wir haben es mit Schlagern zu tun, natürlich immer eigentlich um die Liebe. Da zeigt sich, wie verschroben eben dieses Ding, die Liebe, in den Nachkriegsjahren gesehen und gelebt wurde, wenn man von heute aus darauf blickt. Ein buntes Kaleidoskop aus Verdrängung, sexueller Frustration, zaghaftem (männlich jugendlichem) Aufbegehren und unbestimmter Sehnsucht.
    Bernd Begemann und Dirk Darmstaedter präsentieren hier ein Album mit wunderbar in Szene gesetzten Coverversionen der schönsten und skurrilsten deutschsprachigen Rock’n’Roll-Schlager der Fünfziger.

    Latenz
    Album – VÖ: Mai 2019
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord

    Lars Trimborn ist der Typ, der eine Heimorgel und eine Rhythmusmaschine durch Verzerrer schickt, mit einem gerümpeligen Haufen alter Verstärker auf einen beachtlichen Pegel zieht und dazu mit mit einer kühlen, fast desinteressierten und von Effekten überlagerten Stimme dazu singt. Unweigerlich zieht es Dich in eine Welt, die schwarz und kühl ist und etwas nach Schimmel und Zigaretten riecht. Gesetzlose Keller, in denen laute Musik dröhnt und Kajal sich mit negativer Energie zu etwas verbündet, das eine dunkle, tröstende Zuflucht zu sein verspricht.
    »Ply« ist genau so aufgenommen, wie es in RL geschah: alle Verstärker aufgebaut, Mikrofone davor, nichts ausgebessert.

    Altin Village & Mine
    12″ Vinyl EP – VÖ: Herbst 2009
    Produktion: The Robocop Kraus
    Aufnahme: TRK & Gregor Hennig
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Indie

    The Robocop Kraus sind mal wieder aufgebrochen. Wenn sie ein Album fertig haben, möchte man meinen, das ist so rund und gleichzeitig ungeschliffen, die haben ihr Ding gefunden. Hört man sich das Ding noch ein paar Mal an, stellt fest, das ist nicht nur ausgereift, das ist auch sehr kurzweilig und bietet immer wieder überraschende Momente. Wonach sucht denn diese Band dann noch?
    Dann kommt so eine EP dazwischen – immer etwas unentschiedener, zwischen den Welten – und man begreift: Dieser geheimnisvolle Typ namens R. Kraus sucht seine Verwandten. Die wohnen überall, verstecken sich in unvermuteten Winkeln und sie sind alle spannend. Und sie wollen alle gefunden werden.
    Metabolismus Maximus sucht unter Anderem in den Gefilden des Synthiepop und fördert dort Erstaunliches zu Tage.

    Epitaph
    CD EP – VÖ: Juni 2005
    Produktion: P.Gunnerfeldt
    Aufnahme: P.Gunnerfeldt / TRK
    Mix: P.Gunnerfeldt / Gregor Hennig

    Auf dieser EP verbinden The Robocop Kraus einen Vorgeschmack auf das folgende Album »they think they are…« mit der Veröffentlichung einiger älterer Aufnahmen, die in Nürnberg aufgenommen und in Hamurg gemischt wurden. Deswegen fällt die EP stilistisch etwas auseinander.
    Die bis dato unveröffentlichten Tracks sind auch nicht so stark wie die Songs des Vorgängeralbums »living with other people« – so dass es sich hier eher um ein Sammlerstück handelt.

    l’Age d’Or
    CD/LP Album – VÖ: März 2003
    Produktion: The Robocop Kraus
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Indie

    The Robocop Kraus sind dem geneigten Musikfreund sicher ein Begriff. So etwas wie eine Mischung aus Talking Heads und At The Drive-In, kommmen The Robocop Kraus aus der DIY-szene und erfreuen sich inzwischen international einiger Bekanntheit.
    Mit dieser Platte machte die Band den ersten grossen Schritt in die weite Welt – für mich immer noch eins der besten TRK Alben.

    33rpm Records / Lametunes
    Album – VÖ: März 2013
    Produktion: Felix Gebhard
    Aufnahme: Felix Gebhard, Gregor Hennig
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    epischer Hippierock

    Felix Gebhard hat in vielen Bands gespielt, meist war das dann sehr songorientiert. Ist ja auch klar, mit seiner tollen Stimme und seinem Händchen für Melodien.
    Das muss er wohl ein bisschen über gehabt haben, als er die Idee hatte, dieses Album zu machen.
    Es ist »Wise Words For Elmore Bubbles« nun schon anzumerken, dass da jemand zwar vom klassischen Song kommt, er stellt aber auch klar, dass er keine Lust mehr hat, alles in vier Minuten spätestens gesagt zu haben.
    Ein Album vom Format eines Klassischen Musikwerkes. Da mäandert das – wie hieß es noch im Musikunterricht? – Thema, Motiv, was auch immer in Variationen durch’s Werk, das seine beträchtliche Dynamik gerne mal viele Minuten lang auf und wieder abbaut.
    Das ist ein bisschen hippiemäßig und auch zeitlos, klassisch, entspannt.

    Agogo Records
    Vinyl Album – VÖ: Oktober 2017
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Vintage Funk & Soul

    Supersoul. Ich finde, die Jungs aus Hannvover haben mit diesem Album unter Beweis gestellt, dass die das dürfen: nämlich, sich so zu nennen.
    Und zwar gerade deswegen, weil sie mit diesem Album das Wagnis eingegangen sind, keine makellose Produktion zurecht zu zimmern, sondern auf das Gegenteil von Perfektion setzen. Das geht nur mit einer guten Band, mit einer Band, die ihren Namen eben verdient: eine Live-Einspielung direkt auf Tonband, mit allen kleinen Macken und vermeintlichen Fehlern, die Soul und Funk eigentlich zu dem machen, was die Worte im Deutschen ja besagen: mit Seele und dabei recht eigenartig.
    Apropos deutsch.
    Konsequenterweise sind die Texte von Supersoul nicht im allgemein üblichen Englisch, was zunächst ungewöhnlich anmutet, ob der Tanzbarkeit der Tracks jedoch bald nicht mehr auffällt und die Band zusätzlich zu etwas Besonderem macht.

    roof music
    CD Album – VÖ: Juni 2009
    Produktion: G.Hennig
    Aufnahme: G.Hennig – Electric Avenue
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Romantische Gestörtheit

    Lars Rudolph ist Spezialist. Spezialist für die schrägen Typen, die er in Kinofilmen darstellt, für das Abseitige, nicht so glatt gelaufene. Es gibt Stimmen, die sagen, Lars Rudolph sei gar nicht so sehr der Künstler als vielmehr selbst das Kunstwerk.
    Lars Rudoplph singt bei Mariahilff.
    Mariahilff spielen Mandoline, Wandergitarre, Mandola, singende Säge und Bass.
    Und eine Mischung aus Romantik, geistiger Umnachtung und Getriebensein; so entfaltet sich flugs ein kleines Universum aus Hektik, Schmutz, Schönheit, Sanftmut und vielerlei Grobkörnigkeiten.
    Wie dieses Ensemble das nun eigentlich genau hinbekommt, dass so weit abseits des allgegenwärtigen Indiemainstreams etwas dermaßen hier und jetzt Relevantes entsteht, ist ein Mirakel, das man sich ganz sicher anhören sollte.

    Broken Silence
    Vinyl Album – VÖ: Juni 2019
    Produktion: Tanju Boerue
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Retro

    Tan LeRacoon spielt Gitarenmusik, etwas Hippiemäßig, immer ein bischen schwelgerisch und rückwärtsgewandt. Das ufert manchmal ein bisschen aus, wäre aber schade, wenn nicht.

    Peppermint Park
    EP – VÖ: Januar 2012
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Peppermint Park
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Pop

    Ja, Terry Hoax kommen aus Hannover.
    Da gibt es nichts zu beschönigen.
    Wenn das nicht sowieso schon jeder wüsste, wäre es sicher ein aufschlussreiches Experiment, ob das unvermeidliche Klischee der »ehrlichen Rockmusik« bei diesem Album überhaupt greifen könnte, sobald man die Herkunft der Band im Dunkeln ließe.
    So einfach ist das nämlich nicht:
    »Serious« ist ein ehrliches Album, ohne Frage, Rock ist das, schon klar soweit.
    Aber es ist auch: eine Sammlung unerhört guter Popsongs, die scheuklappenfrei und schillernd in Szene gesetzt sind. Da gibt es schwelgerische Bariton-Gitarren, orientalische Elemente, süße Balladen, große Melodien, Bekenntnisse, Tanzflächenknaller und mächtiges Gitarrenbrett. Es ist ein Album nach klassischer Mainstream-Manier, schwebend im Kosmos der erlaubten Mittel der Popmusik.
    Ergreifend: die Stimme des begnadeten Entertainers und Frontmanns Oliver Perau.
    Kompromisslos songdienlich: die Band. Vielgestaltig und detailverliebt: die Arrangements, auch dank der zahlreichen Gastmusiker. Lebendig: die Aufnahme.
    Vergesst mal für einen Augenblick Hannover und hört »Serious« so, als wäre es, sagen wir, das neue Robbie Williams Album. Vielleicht kommt ihr dann darauf, was ich meine.

    XNO
    CD Album – VÖ: März 2009
    Produktion: Trashmonkeys
    Aufnahme: Trashmonkeys – Hörwerk
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Trashmonkeys – Hörwerk
    Rock / Powerpop

    Nachdem sich die Trashmonkeys mit »The Maker« und »Favourite Enemy« fest ins heimische und internationale Parkett eingefräst haben folgt hier mit gebührendem Abstand eine gelungene Neudefinition. Oder ist es eine Rückkehr zu den Wurzeln? Ja und Nein, Beides.
    Die Bremer verlassen nur scheinbar alte Pfade, stellen aber in jedem der neu eroberten Gebiete souverän eine unübersehbare Trashmonkeys-Flagge auf, die sich sehen lassen kann. Und so ist »Smile« eine würdige Fortsetzung dessen, wofür wir die Trashmonkeys lieben.
    Es ist das erste Album, das die Band selbst produziert und aufgenommen hat, einen großen Teil der Mischungen habe ich dann übernommen.

    l’Age d’Or
    CD Album – VÖ: August 2006
    Produktion: Gregor Hennig / Chr.v.Rautenkranz
    Aufnahme: Hennig/Rautenkranz – Soundgarden
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Rock / Powerpop

    Die eingängigen und energetischen Songs der Bremer sind Legende. Beat mit Pop und ein bisschen Punk.
    »Favourite Enemy« war bei Erscheinen die bisher ausgereifteste Platte der Trashmonkeys und blieb gerade deshalb, was die Energie angeht, ein bischen hinter dem Vorgänger zurück. Nicht von schlechten Eltern ist allerdings das Songwriting: so finden sich mit Attitudes in Stereo und Favourite Enemy zwei wahre Hits auf dem Album.

    l’Age d’Or
    CD/LP Album – VÖ: August 2004
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Beat / Powerpop

    Die Trashmonkeys waren in den Nullern aus der Indie-Landschaft Deutschlands nicht mehr wegzudenken. Nachdem es der Band gelungen war, auf Acid Jazz zu veröffentlichen, ist dies die erste Platte, die auch auf deutschem Boden stattfand.
    Und es ist eine wirklich tolle Platte, die Beat, Punk und Pop so flink und frisch vermixt, das man denken mag, die Jungs hätten überhaupt erst die Musik erfunden. Für mich persönlich eine der wichtigsten Platten des Jahrzehnts, weil es mir hier mehr als sonst gelungen ist, eine Band in ihrem Wesen abzubilden.

    Acid Jazz
    CD/LP Album – VÖ: Juni 2002
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Beat / Powerpop

    Die zweite Platte der Trashmonkeys. Noch nicht so ein großer Wurf wie das folgende Album, hat es aber auch dieser Tonträger faustdick hinter den Ohren. Unbekümmert lassen die Bremer Beatpunker auch hier einen Knaller nach dem anderen vom Stapel.
    Erzählenswert ist folgende mündlich überlieferte Anekdote: Nachdem die Band bei deutschen Plattenfirmen auf taube Ohren stieß, gelang es, das Album bei Acid Jazz in London unter Vertrag zu bringen. Die schickten wiederum Promo-Exemplare nach Deutschland und bekamen die Antwort: »wie schade, dass wir keine so großartigen frischen Bands in Deutschland haben!« Derjenige, der das sagte, hatte allerdings genau dieselbe Platte noch kurz vorher abgelehnt.

    l’Age d’Or
    CD Album – VÖ: April 2006
    Produktion: Gregor Hennig / D.Holc
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    House

    Auf diesem Album wirkt sich der Umzug von Ascii Disko nach Madrid aus: es gibt keine deutschen Texte mehr. Ausserdem merkt man, dass Daniel inzwischen als DJ sehr gefragt ist – an vielen Stellen ist die Platte cluborientierter als der Vorgänger. Ursprünglich war Alias als sehr vielschichtiges Werk geplant, auf dem auch Gitarrenbasierte und sehr ruhige Popongs vorkamen. Später fiel dann die Entscheidung, »alias« zu einer cluborientierten Platte zu machen; die Gitarrensongs finden sich nun auf einem anderen Tonträger.

    l’Age d’Or
    CD/LP Album – VÖ: März 2003
    Produktion: Gregor Hennig / D.Holc
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung / Rekorder
    House

    Immer tanzbar und kompromisslos einfach, auf der Linie zwischen Achziger-Minimal-Elektronik und Neunziger-Rave-Techno bewegt sich Ascii Disko mit deutschen, französischen und englischen Texten. Auf seinem ersten Album singt Ascii Disko noch viel in deutsch. Die Musik ist minimal gehalten und mal songorientiert, mal sehr clubbig.

    s.s.records
    Album – VÖ: Februar 2013
    Produktion: Gregor Hennig / B.A.
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Noiserock?

    Banque Allemande sind so ein Phänomen. Die spielen so Zeug, das einige Vorbilder erkennen lässt, aber gleichzeitig überflüssig macht. Das ist schon ein ziemlicher Lärm – es ist im Grunde egal, ob die Gitarre gestimmt ist, es geht um Obertöne, die sich bei der Verzerrung einschleichen und scheinbare Melodien erzeugen, die in Wirklichkeit keiner spielt. Es geht um Schleifen und Wiederholungen, so lang, bis sich ein akustischer Moiré-Effekt einstellt.

    Und es geht natürlich um Songs. Das hier ist nicht Ambient Elektro oder sowas. Es handelt sich bei Banque Allemande um eine Punkband, die ziemlich fest auf den Füßen von Sonic Youth, Gang Of Four, Party Diktator und Godflesh steht.
    Nur ist das halt irgendwie egal.
    Toll.

    Fuego
    CD Album – VÖ: Januar 2011
    Produktion: M.Walking / Gregor Hennig
    Aufnahme: M.Walking / Gregor Hennig
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Folk / Indie

    M.Walking On The Water haben ein neues Album gemacht! Bei den älteren Semestern geht ein Raunen durch den Saal, die kennen das. Schließlich waren M.Walking in den Neunzigern so richtig wer:
    In einer Zeit, als »Independent« noch ein Begriff war für jene Musik, die zwar keiner Spartenszene angehörte, durchaus konsensfähig, aber doch ein wenig sperrig und eigenwillig war. (Anspruchsvoll ≠ artifiziell & eingängig ≠ kommerziell.)
    Nun, diese Zeiten sind vorbei, der Begriff »Indie« steht inzwischen längst für ebenso banale wie gewinnorientierte Gitarrenmusik;
    M.Walking On The Water sind freilich viel zu unabhängig, um diesem neu gefassten Begriff zu genügen.
    Zwei Sänger, elektrische Gitarren, behutsam gespieltes Schlagzeug, Geige, Kontrabass, Akkordeon. Songs, die den Hörer hier intensiv berühren und dort sanft verstören. Leichtigkeit, Schmutz, Romantik.
    Es ist ein tolles Album, das von der langen Pause profitiert. Man kann spüren, wie in Abwesendheit der eigentlichen Band das gereift ist, was sie im Grunde ausmacht: das Kreisen um die beiden Pole Mike (Gesang, Gitarre, die eingängige Seite) und Markus (Gesang, Gitarre, die verschrobene Seite).
    Das Kunstwerk namens M.Walking On The Water besteht darin, diese Dissonanz zu nutzen, fruchtbar zu machen, auf dass allerlei Ersprießliches diesen Acker begrüne. Hier sind sie, wunderschöne duftende und stachelig wuchernde Gewächse:
    die Blumen für die Abgereisten.

    bbln / broken silence
    herz statt kommerz
    CD Album – VÖ: Mai 2008
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Soundgarden
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    epischer Pop

    (es handelt sich um The Sea aus Hamburg, nicht um das gleichnamige Projekt aus Großbritannien)

    The Sea feiern den schönen Pop, sanft, tiefgründig und episch. Die Jungs sind wahre Meister des fragilen Moments und der grossen Geste – stützen sich dabei auf mal drahtige, mal schimmernde Gitarren und wagen auch mal den einen oder anderen berauschenden Teppich aus synthetischen Streicherklängen.
    Besonders groß ist allerdings die Stimme von Sänger Christian Naujoks, die zerbrechlich und glasklar, mit einer unglaublichen Sicherheit und Ruhe rückhaltlos das tut, was sich nur wenige trauen: berühren.
    Ich bin tatsächlich froh, dass ich bei der Entstehung dieser Platte dabei sein durfte.

    fidel bastro
    CD Album – VÖ: September 2011
    Produktion: G.Hennig
    Aufnahme: G.Hennig – Le Châtelet
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Postrock

    Ich mag das sehr, wenn Bands nicht einfach versuchen, alles richtig zu machen. Wenn sie sich auf die Suche machen, nach diesen, oft für sich genommen sehr kleinen Besonderheiten, die dann in der Summe etwas ergeben, was für sich steht.
    Ich mag es auch, wenn Bands diese Suche dokumentieren, wenn man auf einer Schallplatte die Musiker dabei beobachten kann, wie sie Neuland betreten und erobern.
    Das ist einer der Gründe, weshalb ich Diametrics mag.
    Auf »Options« ist klar zu erkennen, wo die Band herkommt, und es ist klar zu erkennen, wo die Reise hingeht. Und es ist wie bei jeder guten Reise so, dass eben nicht eigentlich das Ankommen zählt: Ziele sind ja fast immer, wenn sie erreicht sind, banal.
    Wie bei jeder guten Reise ist es so, dass die einzelnen Etappen und Ausflüge viel interessanter sind.
    Die Etappen sind in diesem Fall dunkle, unbeleuchtete Winkel, rhythmische Labyrinthe, tiefe Brunnen und zum Schluss: Stoizismus.
    Um das zu verstehen, muss man die Platte vermutlich gehört haben.
    Das lohnt sich aber so oder so!

    fidel bastro
    CD Album – VÖ: September 2011
    Produktion: G.Hennig
    Aufnahme: G.Hennig – Le Châtelet
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Postrock

    Will man Diametrics in ein paar Sätzen beschreiben, sollte man mit einem Satz über Ilse Lau beginnen:
    Das ist nämlich eine Band aus Bremen gewesen, die es geschafft hat, sich über den Zeitraum von knapp 10 Jahren eine dermaßen eigene Identität zu erspielen, dass man meinen könnte, hier sei das Rad neu erfunden worden, nur eben so bremisch unspektakulär, dass die große weite Welt davon eigentlich nichts mitbekommen hat. Diametrics haben freilich mit Ilse Lau nichts zu tun.
    Ja schon, der Schlagzeuger von Ilse spielt hier Gitarre und singt, was er auch bei Ilse Lau schon des Öfteren tat, der selbe Bassist spielt auch hier Bass, nur der Schlagzeuger ist neu. Ergo: Diametrics bauen auf dem Kosmos auf, auf den auch Ilse Lau zurückgeht, nur ist ein Kosmos wie man weiß eine ziemlich große Angelegenheit. Vielleicht ist das die einfachste Erklärung für den Namen Diametrics, die Gegenüberliegenden.
    Diametral ist die Grundlage der Zitate: war es bei Ilse häufig R’n’B, ist es jetzt: Rock. Ebenfalls neu ist: Dichte. Diametrics erschaffen einen Wall of Sound, der den bekannten Stilmitteln (geblieben ist eine eigene Form der Harmonik und die Kunst, aus Wiederholungen Energie zu erzeugen und diese über Brüche lebendig zu halten) völlig neue Aussagen entlockt.
    Diametrics ist eine Band mit offenen Augen.
    Hier geht es nicht darum, bewährte Funktionsweisen zu strapazieren, sondern zu schauen, was noch so geht – und in diesem Sinne ist noch viel von diesem Trio zu erwarten.

    RB Records
    CD Compilation Album – VÖ: September 2008
    Produktion: Saprize (Gregor Hennig)
    Aufnahme: Bremen, London, Hannover
    Mix: V. Celi, P.Bagenal, W.Dammeier
    Hip Hop Crossover

    Die spinnen, die Japaner. Das wissen wir ja bereits. Neuestes Indiz: Laut Augenzeugenberichten gibt es dort eine weitläufige Szene von aktiven Fans des europäischen Crossover HipHop der Neunziger. Die legen das in Clubs auf und tanzen dazu.
    Da verwundert es nicht arg, dass einer von diesen seltsamen Menschen in der Chefetage einer japanischen Plattenfirma sitzt und Saprize Fan ist. Wir freuen uns, denn so kommen wir 11 Jahre nach Auflösung der Band noch mal in Japan zu Ehren!
    »ELEMENT OF SAPRIZE – the best album« heisst das gute Stück. Wir lassen mal offen, ob es sich bei dem fehlenden »of« um Absicht seitens der schlitzäugigen Schlitzohren handelt. Das »best album« bietet eine neu gemasterte Auswahl der besten Saprize Songs aus drei Alben und dazu einige rare Leckereien. Zu kaufen ist das allerdings nur, klar, im Land der aufgehenden Sonne.

    Fuego
    online release – VÖ: 2005
    Hip Hop Crossover

    Auf diesem Album befinden sich alle raren und unveröffentlichten Tracks meiner Band Saprize, die zwischen 1993 und 1997 den norddeutschen Raum mit einer speziellen Sorte Crossover Hiphop versorgte.

    Our Choice RTD
    CD Album – VÖ: 1997
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: W.Dammeier – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: W.Dammeier / Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Hip Hop Crossover

    28203 ist die letzte und beste Saprize Platte. Saprize machten HipHop Crossover und doch ein ziemlich eigenes Süppchen.
    Verglichen mit den beiden vorangegangenen Alben ist dieses ein sehr rundes, ausbalanciertes Werk, wenn man diese Worte bei brachialem Metalsample Rapcore überhaupt verwenden kann. Es sind auch leise Töne vertreten, und schöne Töne. Vielseitig ist die Platte allemal, auch mit prominenten Gastvocals garniert, von Sandra Nasic, die allerdings bei ihrer Rapeinlage keine sonderlich gute Figur macht.
    Der letzte Song – Summary – tut fast so, als hätte er bereits gewusst, das er der letzte Song der Bandgeschichte sein sollte.

    Our Choice RTD
    CD Album – VÖ: 1994
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: P.Bagenal – Eastcote
    Mix: P.Bagenal – Eastcote
    Hip Hop Crossover

    Meine Band: Saprize. Machten seinerzeit so etwas wie den Umkehrschluss des HipHop Crossover. Während sich alle Welt mehr oder weniger elegant darin versuchte, die Loop-Ästhetik des HipHop mit echten Instrumenten nachzuspielen, verzichteten wir auf echte Gitarren und sampleten lieber Rock und Metal, vorzugsweise Slayer.
    Die zweite Saprize Platte: gemessen an der Hauruck-Aktion des Debuts geradezu von epischen Ausmassen.
    Produziert in London, mit zahlreichen Gastmusikern, zuvor in Bremen vergleichsweise akribisch vorbereitet, hätte das auch ein wohlüberlegte Platte werden können – aber das sollte sie nicht sein. Also geht es auch auf dieser Platte recht grob, jugendlich und ziemlich wild zur Sache.
    Hat wohl auch deswegen inzwischen in Japan einen hübschen Sammlerwert. Klar.

    Our Choice RTD

    cage49
    CD/LP Album – VÖ: 1993
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: V.Celi
    Mix: V.Celi
    Hip Hop Crossover

    »Alwaysacutahead«, die erste Saprize Platte wurde etwa drei Wochen nach Bandgründung aufgenommen. Ungefähr so frisch klingt sie auch und hibbelt recht unbekümmert drauf los. Dennoch, in aller Bescheidenheit, eine Sternstunde des deutschen HipHop Crossover.

    Unter dem Namen »Saprize« erschien das Album in leicht geänderter Version in den USA:

    Tiefdruck/Pussy Empire
    CD Album – VÖ: Mai 2008
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: F.Sommer – Clouds Hill
    Deutschrock

    Catharina Boutari vollzieht auf diesem Album ein kleine aber deutliche Wende weg von programmierten Elementen, hin zu einem sehr stringenten und stilsicheren Bandsound. Die Platte kommt persönlicher und ungeschminkter daher.
    Das Album kann man als Versuch lesen, die ungeschliffene, aufbegehrende Art der Indierockwelle der letzten Jahre in die deutsche Sprache zu transportieren, da wird ordentlich reingezimmert, es zerrt und rumpelt allerorten – alldieweil die Sängerin vom Aufbruch und Ungeduld singt. Das klingt dann manchmal ein bisschen programmatisch, spannender finde ich dagegen die Momente, in denen Catharina Boutari fast wie aus Versehen mal etwas ganz auf ihre eigene Art macht. Und diese Momente gibt es.

    Pussy Empire
    CD EP – VÖ: 2005
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Deutschpop

    Catharina Boutari hatte bereits der Vergangenheit als »Uh Baby Uh« von reden gemacht und schreibt auf dieser EP nun stilistisch vielseitige und eindeutig großartige Popmusik zwischen Bandsound, programmierten Elementen und Streichquartett (das Hannoveraner Qadesh Quartett hat ein paar wunderschöne Töne beigesteuert).

    Pussy Empire
    CD Album – VÖ: 2002
    Produktion: C.Boutari
    Aufnahme: B.Faust – Off Ya Tree
    Mix: Gregor Hennig – Electric Recordings
    Rock

    Uh Baby Uh ist die Band von Catharina Boutari, bevor sie unter ihrem eigenen Namen auftrat. Englisch betextete, gut gemachte Rockmusik mit Herz und Eiern. Aufgenommen wurde dieses Album im Off Ya Tree Studio in Billstedt, gemischt unter Zuhilfenahme einer kleinen Wagenladung mobilen Equipments im Proberaum der Band, direkt nebenan.
    Man kann Catharinas Begeisterung für Girl-Rock Singer Songwriter im Stile der Neunziger förmlich mit Händen greifen – die folgenden deutschsprachigen Veröffentlichungen sind da eigenständiger.

    Noisolution
    CD Album – VÖ: September 2008
    Produktion: Exits
    Aufnahme: Exits
    Mix: Gregor Hennig – Le Chatelet
    Rock 2.0

    Tolle Band! Auf den ersten Blick kommen freudige Reminiszenzen an HC-Eklektizismus der frühen Neunziger auf. Rock ist so eine andere vage Idee, aber zu heiß gebadet, quasi in Version 2.0
    Schön zu hören, wie da ein paar junge Leute ihre Instrumente so dermaßen gut beherrschen, dass sie es nicht mal nötig haben damit zu prahlen. Wer die Exits schon einmal live gesehen hat, weiß, was für eine hochtourige und gut geölte Maschine diese Band ist: Eine stabile Verbindung von lässiger Zeitlosigkeit und unbedingter Relevanz.
    Ziemlich rastlos, energetisch die ganze Angelegenheit, um nicht zu sagen: hibbelig. Dabei voller Poesie und so etwas wie weltläufiger Coolness.
    Rock, versteht sich, Rock.

    Audiolith
    EP – VÖ: Dezember 2011
    Produktion: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Indie

    Fuck Art Let’s Dance! Der Name ist Programm.
    Live ist diese Band eine Maschine, die ihr stets begeistertes Publikum an den Rand der Erschöpfung treibt.
    Mit ihrem Bandsound zwischen Indie-Elektro, in die Magengrube drückenden Drums und bestechend präzis gesetzten Gitarren treffen die drei genau ins Schwarze, wenn es heißt, die Kunst zu, sagen wir, vergessen und zu tanzen.
    Einfach gut.

    tapete
    CD / Vinyl Album – VÖ: November 2016
    Produktion: Andrew Lewis
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig / Andrew Lewis – Studio Nord Bremen
    Pop

    Das Aufsehen erregende an dieser Platte ist eigentlich, dass sie es nicht ist. Hier haben wir eine Sammlung nahezu zeitloser Pop-Perlen, die wie an einer Schnur aufgereiht doch alles andere als perfekt sind. Und, wie soll ich sagen, gerade das macht ihre Perfektion aus.
    Andrew Lewis hat es verstanden, diese Band als Momentaufnahme in Szene zu setzen, das wirkt ungeschminkt, jedoch nicht rauh, vielmehr: sanft und unmittelbar.
    Stilistisch befinden wir uns in Großbritannien, zwischen den 70ern und den frühen 80ern, wohlgemerkt mit Geschmack. Es ist irgendwie eine Rockband, aber sie rocken nicht, sie machen Pop, aber nicht auf populäre Art. Soviel zu den Dingen, die nicht unmittelbar zutage treten.
    Zutage tritt, schon beim ersten Hören, die zarte Stimme des Sängers Kenji, der als gebürtiger US-Amerikaner den deutschen Texten der Songs schon durch seine Aussprache etwas Überirdisches verleiht.

    Pretty Mery K
    CD Album – VÖ: Februar 2012
    Produktion: G.Hennig
    Aufnahme: G.Hennig – Le Châtelet
    Mix: Michael Hagel
    Pop

    Pretty Mery K sind, anders als die meisten Bands, wirklich Musiker. Um das genauer zu erklären, sie haben ihre Instrumente tatsächlich studiert und können so richtig was.
    Nun, wer sich auf dieser Website ein wenig umgeschaut hat, wird wissen, dass ich das im Allgemeinen nicht unbedingt für einen Vorteil halte.
    Diese Band schafft es jedoch, tatsächlich bezaubernde Musik daraus zu machen – selbstverständlich klingt das Album nirgends banal, so viel Studiertentum muss da schon sein, aber das ist auch das Schöne daran. Auf der anderen Seite ist diese Musik niemals intellektuell, immer ist es ein Gefühl, das den Song bestimmt, meist zart verspielt, andernorts dunkel und:
    von Song zu Song eigen.
    PMK wissen eben genau, wie es geht, und sie machen das, was sie machen wollen; sie schreiben Songs, ohne die die Welt da draußen tatsächlich ein bisschen ärmer wäre.
    Das ist selten. Wirklich selten.

    sixxxten
    CD Album – VÖ: NOVEMBER 2011
    Produktion: G.Hennig
    Aufnahme: G.Hennig – Le Châtelet
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Deutschpunk

    Als Sixxxten zu mir kamen, hatten sie gerade eine recht opulent produzierte, kraftstrotzende Schallplatte gemacht, die für meine Ohren etwas an schwedischen Testosteron-Rock auf Deutsch erinnerte.
    Was mir an der Situation außerordentlich gefiel, war die Frage an mich, ob ich mir vorstellen könnte, zusammen mit der Band ein eigenständigeres Konzept zu entwickeln, und ein zweites Album zu produzieren, das reduziert und auf den Punkt gebracht die eigentliche Energie der Band abbildet, anstatt sich auf Gitarrenwände zu verlassen.
    Und ob ich mir das vorstellen konnte!
    Wir haben alle Songs direkt auf Tonband aufgenommen und nur das Allernötigste an Overdubs gemacht. Keine Gitarre wurde gedoppelt. Alle Arrangements wurden so reduziert, dass jeweils der Kern jedes Parts im Vordergund steht und jeweils Elemente sich stützen, anstatt um Aufmerksamkeit zu buhlen.
    Aus einer riesigen Auswahl von Songideen haben wir nur die ausgewählt, die versprachen, genauso kraftvoll wie sonderbar zu werden. Dinge, die all zu sehr nach altbewährten Rezepten gebaut waren, ließen wir schnell beiseite. Genauso wenig wie Kompromisse gestatteten wir uns Scheuklappen: Ein Klischee, das Spaß macht, ist ein gutes Klischee. Schlechter Geschmack, wohldosiert, gibt dem Album überhaupt erst Sinn.
    Nun weiß man, während man an so etwas arbeitet, nie so recht, ob man auf dem rechten Weg bleibt, weil es zwar eine Vielzahl von Referenzen gibt, aber die Blaupause fehlt.
    Aber ja, wir haben etwas gewagt und ja, wir haben etwas gewonnen. Und ich bin froh, dieses Album mitgestaltet zu haben, das sicher nicht jedem gefallen, aber vielen auffallen wird.

    Fugalo
    Album – VÖ: März 2012
    Produktion: Fugalo
    Aufnahme: Fugalo
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Deutschpop

    Klare Songs. Deutsche Texte. Eingängige Melodien. Das funktioniert. Das ist Fugalo.
    Man kommt da nicht hin, wenn man künstlerische Ansprüche mit sich herum trägt, die gleich alles in Frage stellen, was rund ist. Oder wenn man sich nicht traut, Gefühle als das zu akzeptieren, was sie sind: ursprünglich und direkt. Sprich, wenn man um jeden Preis verhindern will, mit Kitsch verwechselt zu werden.
    Fugalo gehen dieses Risiko ein. Und es zeigt sich, dass, wir wissen es ja eigentlich, Musik eine große Kraft sein kann, wenn man sie fließen lässt.
    Im Fokus dieses Albums steht nicht das Selbstbild der Musiker, das Zentrum von Fugalo sind die Songs und die Band versteht es, diese zum tragen zu bringen. So geht Pop.

    in bloom
    CD/LP – VÖ: April 2015
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Rock

    Gesagt, dass diese Band Elemente von Tigerbeat und One-Two-Three-Four in sich birgt, ist auch schon recht viel gesagt über diese Band. Dass sie wissen, wie das geht mit den lauten Gitarren. Dass zwischendrin auch mal ein bisschen lala gesungen wird, dass Voxorgeln und Fuzzgitarren keine Fremdworte sind.
    Die kantigen Giterranriffs des geborenen Frontmanns Frehn und die Art und Weise, wie sich seine unnachahmliche Stimme damit verzahnt haben uns ja schon in der Vergangenheit beeindruckt. Neu an dieser Band ist der Schritt darüber hinaus. Das ist dann irgendwie schmutziger Pop, moderner, stinkender, knarziger und dennoch leichtfüßiger Rock.

    brilljant
    CD/LP – VÖ: Mai 2015
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mod-Deutschpunk

    Das ist natürlich falsch, dass Amazon diese Band unter Deutschpunk listet. Zu unüberhörbar ist die feste Verwurzelung in den Sechziger Jahren, zu eindeutig der Bezug zu Beat, Powerpop und wie sie alle heissen.
    Wenn da nicht diese unbekümmerte Art wäre, die einen dann doch ab und zu an Punk denken lässt.
    Sie sind ja zahlreich, diese Bands, die streng nach Vorschrift all das tun, was einem 60er-Jahre-Mod-Epigonen erlaubt ist uns all das unterlassen, was nicht hundertprozentig stilecht wäre. Monoklub sind da anders: sie machen das, weil es Spaß macht und sie machen es so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Zum Glück.

    Timezone
    CD Album – VÖ: November 2014
    Produktion: Ben Schadow
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen / Ben Schadow
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Schöne Popmusik mit deutschen Texten

    Ben Schadow spielt bei Rhonda Gitarre und bei Bernd Begemann sowie Dirk Darmstädter Bass. Das macht er so gut, dass man sich fragt, wie er es nebenbei noch schafft, so wunderbare und fein auskomponierte Stücke zu schreiben, wie sie auf diesem Tonträger zu hören sind. Der Mann ist vermutlich einfach ein bisschen verrückt.
    Lieben muss ihn für all das und für diese Platte, aber auch, weil er so ein feiner Mensch ist.
    Nun ist es je immer schwer zu raten, wieviel von so einer Person auf einem Album aufschimmert, für diejenigen, die nur das Album kennen, aber sei’s drum, wenn man zwischen den Tönen auch nur bisschen vom wahren Ben Schadow erahnt, lohnt es sich, diese Platte zu hören, oder auch einfach, weil sie ein wunderschönes Stück zeitlose Popmusik ist, diese Platte.

    unundeux
    CD Album – VÖ: Mai 2009
    Produktion: Eisenvater
    Aufnahme: Eisenvater
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Death Metal

    Vater ist wieder da. EISENVATER IV führt scheinbar nahtlos das fort, was vor etwa 10 Jahren ebenso scheinbar das Zeitliche segnete. Oder sollte man sagen: verfluchte?
    Das ist nämlich: der einzige ernst zu nehmende und je erfolgreich durchgeführte Versuch, die Einflüsse, die aus dem englischsprachigen Raum unter den Namen Death Metal, Grindcore (und so weiter) seit den späten Achtzigern durch ganz Europa waberten, ins Deutsche zu übertragen.
    Es zeigt sich, dass, so wie die Death Metal Szene allgemein unverwüstlich scheint, das Konzept Eisenvater auch heute ebenso einzigartig wie notwendig ist – keine andere Band schafft es, die, naja, Poesie des Death Metal zu handfest und trefflich zu formulieren und zu untermalen.
    Wir haben dich vermisst, Eisenvater.

    l’Age d’Or
    CD Album – VÖ: Februar 2004
    Produktion: Olaf Opal
    Aufnahme: O. Opal – Soundgarden
    Mix: Opal – Soundgarden / Gregor Hennig – Rekorder
    Pop

    Tenfold Loadstar experimentieren fröhlich mit verschiedenen Stilmitteln und bringen dabei atmosphärische Glanzleistungen zuwege, die ihren roten Faden: Singer/Songwriter-Pop aus beeindruckend eingängigen Melodien mit keinem der Beeps oder Blubs leugnen.
    Den Song »Sun And Rain« wird man schon deswegen nicht so schnell wieder los, weil er ständig im Fernsehen läuft.

    Aufgenommen wurde die Platte teilweise von Olaf Opal im Soundgarden, teilweise von der Band selbst im Proberaum. Einen Grossteil der Songs habe ich dann im Rekorder gemischt.

    pop up
    CD/LP – VÖ: Juni 2015
    Produktion: Iron Lung Quintet
    Aufnahme: Iron Lung Quintet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Musik von und für Erwachsene

    Iron Lung Quintet spielen mit vielerlei Elementen. Stets akustisch, mit epischem Grundton laufen hier osteuropäische, südamerikanische und Folk-basierte Strömungen in einem Fluchtpunkt zusammen, der als fein gearbeitetes Kunstwerk für sich steht. Ein Album wie ein Urlaub in einer geheimnisvollen und grenzenlosen Welt. Irgendwie sind es dann doch aber vor allem Popsongs.

    CD EP – VÖ: April 2018
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord
    unabhängiger Pop

    Für Popmusik, die zwar nicht Mainstream ist, aber trotzdem gut reingeht, fehlen irgendwie Begriffe, seitdem Worte wie »Indie« nur noch eine stilistische Einordnung innerhalb des kommerziellen Mainstream bedeuten. Beatbar sind aber nicht Mainstream. Beat Bar sind von nebenan, sie machen das, weil sie Bock drauf haben. Uns sie sehen halt nicht ein, weshalb man nicht einfach aus Schierschandudel Musik machen sollte, die tanzbar ist, die konsensfähig ist, die begreifbar bleibt. Dabei sind sie doch eigenartig und verschmitzt, die Songs. Ich empfehle ja manchmal, Musik lieber einfach zu hören, anstatt meine Beschreibung verstehen zu wollen. Selten aber ist es so sinnvoll. Also: Hört Euch das an.

    Fidel Bastro
    CD/LP Album – VÖ: Juli 2009
    Produktion: Tschilp
    Aufnahme: Daniel Gädicke – Tschilp Raum
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    athmosphärischer Postrock

    Das tolle an Tschilp ist nicht, dass sie spektakulär sind. Wir hören hier eine Aufnahme, die bewusst im Proberaum der Band in Szene gesetzt wurde, weil dieser Raum mit der Musik der drei so viel zu tun hat: er ist ihr Nest. Es geht um Nuancen, und es geht darum, das Eigene: die Essenz dessen, weshalb Menschen überhaupt Songs schreiben, nicht aus den Augen zu verlieren.
    Die Stücke sind überwiegend instrumental und tragen Namen wie »kärr-arr«, »dwi-dwi-dwi-dwi-dwui«, »swir-ir«. Sinn macht das schon.
    Natürlich haben auch Tschilp nicht die Musikgeschichte neu definiert. Aber sie haben sich ihre eigene Welt gebaut, in der sie sich ziemlich gut auskennen, und auf diesem Album nehmen sie uns bei der Hand und zeigen uns deren Sehenswürdigkeiten.

    Grand Hotel van Cleef
    CD Album – VÖ: Februar 2008
    Produktion: Home of the Lame
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Swen Meyer – MOB
    Singer-Songwriter

    Singer Songwriter Pop. Grandios, ehrlich. Diese Platte ist etwas beschwingter als vorangehende Veröffentlichungen, was zum Teil auch an der exzellenten neuen Band um den charismatischen Sänger Felix Gebhard liegt. Ganz ganz warme Empfehlung.
    Das hier ist zeitlose Popmusik; ein Album, das weit weniger von Dir will als es Dir gibt.
    Hervorragend gemischt von Swen Meyer.

    Fidel Bastro
    CD Album – VÖ: März 2008
    Produktion: Nice New Outfit
    Aufnahme: Nice New Outfit
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Post Rock

    Nice New Outfit gehen bei diesem Album einen anderen Weg als beim Vorgänger »NNO«. Stand bisher der live gespielte Moment im Vordergrund, den die Band übrigens bravourös beherrscht, präsentiert sich das Trio hier detailverliebt, recht elektronisch und dabei doch ziemlich unaufdringlich.
    Tolles, zart rockendes und präzis ausgearbeitetes Werk. Manchmal wird sogar kurz gesungen.
    Strip Down Stand Up ist ein Album, das sich stets auf dem Grat zwischen dem Schaffen von Athmosphäre und dem Erzählen von Geschichten bewegt – wer genau hinhört, kann immer wieder kleine Welten entdecken, wer jedoch diese Platte einfach laufen lässt, dem entpuppt sie sich sich als schöner und bei aller Reichhaltigkeit stets sehr ausgewogener Soundtrack zum Tag.

    Fidel Bastro
    CD Album – VÖ: November 2005
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Post Rock

    Instrumentale Songs, die auf Gitarre, Bass und Schlagzeug beruhen, dabei mit etlichen Details geschmückt sind; und es bei aller Ruhe, die sie ausstrahlen, immer trefflich vermeiden, gewöhnlich zu wirken. In Hamburg aufgenommmen und gemischt, in Istanbul gemastert.
    Auf diesem Erstlingswerk ist die Band noch weitgehend so dokumentiert, wie sie erklingt, wenn einfach jeder sein Instrument in die Hand nimmt und spielt. Dabei ist unüberhörbar, was für ein vortreffliches Gespür für Klangfarben jeder Einzelne der Musiker hat. Das galt auch für die live-Konzerte: selten trifft man eine Band, die so gut in der Lage ist, ihren Sound durch die Spielweise so fest und gut in der Hand zu haben.
    Trotzdem klingt dieses Album verglichen mit dem folgenden manchmal ein wenig schmucklos, der von N.N.O. bald nach der Fertigstellung dieser Aufnahmen eingeschlagene Weg, mit elektronischer Begleitung und sporadischen Gesang zu arbeiten zahlt sich dort aus.

    Buback
    CD Album – VÖ: April 2003
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Electric Avenue
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Rock

    13 im Electric Avenue aufgenommene und im Rekorder produzierte Songs. Das zweite Album macht einen gehörigen Ausfallschritt in Richtung stilvollen Classic-Rock. Bisweilen bombastisch, andernorts spartanisch, nicht ohne die Tigerbeatsche Handschrift zu vergessen, ist diese Platte ein kleines großes Meisterwerkchen.
    Einerseits profitiert die Platte davon, dass es nun endlich die Möglichkeit gab, aus einem Guss zu arbeiten, andererseits waren die sich daraus ergebenden Kontrollmöglichkeiten auch die größte Schwierigkeit der Produktion. Entscheidungen fallen nunmal wesentlich leichter, wenn sie der Zufall trifft.

    Exile On Mainstream
    CD/LP Album – VÖ: 2001
    Produktion: D.Holc / Gregor Hennig
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Rock

    »No.1« – im Alien Sound aufgenommen, editiert, anschließend produziert von Daniel Holc und mir, nimmt sich noch sehr garagig aus und lebt neben dem für Tigerbeat typischen eingängigen Songwriting vom Balanceakt zwischen Trashrock à la Jon Spencer und modernen Elektro-Elementen.
    Die Platte ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass man den eigenständigsten Sound erreichen kann, indem man sich haltlos verzettelt. Als die Aufnahmen bei mir ankamen, hatte sie schon eine derartige Bearbeitungs-Odyssee hinter sich, dass von der ursprünglichen Performance und Absicht der Band nicht das geringste bisschen übrig war.
    Daraus ergab sich zwangsläufig ein sehr eigenartiger Sound, und das ist durchaus eine der großen Qualitäten des Albums.

    Epistrophy
    CD/LP Album – VÖ: August 2008
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Grindcore

    Dem geneigten Gebolzeliebhaber sicher schon länger ein Begriff: Audiokollaps aus Hannover machen ordentliches Gewitter und dem sensiblen Musikgenuss mit Hochgeschwindigkeits Grindcore gerne den Gar aus.
    Diese Platte ist härter, kompromissloser und böser als alles, was wir bisher aus dem Hause Audiokollaps kennen. Die Texte sind gewohnt brutal und deutsch.
    Ein ungemein garstiges Machwerk. Für Fortgeschrittene.

    Epistrophy
    CD/Vinyl EP – VÖ: 2002
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Grindcore

    Audio kollaps klingen ein bisschen wie die frühen Napalm Death mit einem schwedischen Einschlag und deutschen Texten. Recht ordentliches Gehacke also. Schön an dieser Platte auch das Cover der Vinylausgabe, das so aussieht wie das Plakat zu »Apocalypse Now«.

    Epistrophy
    CD Album – VÖ: 2001
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Grindcore

    Grindcore Geknüppel mit deutschen Texten – brettert gut und schnell das Hirn weg.
    Aufgenommen wurde die Platte in einem namhaften Spezialstudio in Schweden, allerdings ist mir der Name des schwedischen Spezialisten entfallen. Auf jeden geht da gut die Post ab, und auf den Satan verstehen sie sich, diese namhaften Schweden.
    Auf’s Mischen wohl nicht so, deswegen habe ich das in Hannover dann noch mal gemacht.

    Epistrophy
    7″ Split Vinylsingle – VÖ: 2000
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Grindcore

    Das erste Lebenszeichen der später fest in der Szene verwurzelten Deutsch-Grindcore Hacker. Noch nicht ganz so schnell wie spätere Machwerke, aber auch schon ganz gehörig brutal.

    bandcamp
    online EP – VÖ: Mai 2016
    Produktion: Daniel Strizke / Gregor Hennig
    Aufnahme: Daniel Strizke / Gregor Hennig / Hannes Plattmeier
    Mix: Julian Klapp / Gregor Hennig / Hannes Plattmeier
    anspruchsvoller Pop

    Lena hat das gelernt. Das ist nicht so häufig der Fall, wie man glauben möchte. Lena hat nicht nur Singen, Komponieren, Klavier spielen gelernt, sie hat es sogar studiert. Zum Glück merkt man es ihr nicht an.
    Was man ihr anmerkt ist, was für eine enthusiastische, empatische und tiefsinnige Künstlerin sie ist. Die EP irrlichtert auf den Pfaden des Pop umher, ist irgendwie auch ein bisschen Jazz, aber ohne Manschetten. Was man ihr auch anmerkt, ist ihre Begeisterung für Joni Mitchell. Und: seitdem ich Lena Geue aufgenommen habe, weiß ich auch, was mich an Joni Mitchell begeistert: dass die ein bisschen so klingt wie Lena Geue.

    timezone
    CD Album – VÖ: April 2016
    Produktion: Twin Flames / Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Rock

    Eine glasklare Stimme, die wie ein Engel über einer Musik schwebt, unnahbar – doch geerdet durch deren Rock-Charakter. Kitschig? Nein. Dazu ist es zu klar.
    Wir haben es hier nicht mit einer Mittelalter-Verherrlichung zu tun oder esoterischem Kram.
    Zugegeben, wir sind auch nicht weit weg davon. Twin Flames spannen einen Bogen über ein märchenhaftes Land, in dem Zeiten und Stilmittel verschmelzen. Es eröffnet sich ein Raum, kühl, heimelig und geheimnisvoll. Im wahrsten Sinne Schöne Musik.

    couch’n’candle
    CD Album – VÖ: August 2016
    Produktion: Summer Crowd Stereo / Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen / Gerd Mauff – Tonhotel
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Singer Songwriter

    Summer Crowd Stereo ist das Solo Projekt von Sven Weiss, der mit seiner Band »Beauty Of Ok« eine Zeit lang als neue Hamburger Hoffnung im Bereich des Indie-Rock galt. Wenn man sein Solo Album hört, ahnt man, warum. Der Mann weiß, was er tut. Bewegende Momente, persönliche, zarte und bitteres Töne finden sich auf diesem Album, das nur aus ihm selbst besteht: Akustische Gitarre, Stimme, teils intim, teils von epischer Weite.

    Clara Bow
    CD Album – VÖ: Mai 2012
    Produktion: Ben Schadow
    Aufnahme: Ben Schadow – Le Châtelet u.a.
    Mix: Ben Schadow
    Girlpunk

    Clara Bow machen Punk-Pop mit ein paar leichten 80er-Einschlägen.
    Das geht gut ins Ohr und ist live außerordentlich hübsch anzuschauen.
    Produziert hat das Debut Album der Hamburger Band der begnadete Ben Schadow, zum Teil im Le Châtelet.

    phobiact
    LP / Cassette – VÖ: April 2010
    Produktion: G. Hennig / Images
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Crust Punk

    Dampfwalze. Schnell: ja. Laut: aber hallo. Aber was ist das: vor lauter Erstaunen darüber, wie eine solche Menge an Energie auf Vinyl passt, haben wir gar nicht gemerkt, dass wir gänzlich uncool mit dem Fuß wippen, alsbald gar den ganzen Körper ruckartig bewegen.
    Was denn, Tanzen? Ist das hier Funk oder was?
    Beileibe nicht.
    Aber es scheint so, als hätte Frankenstein während der Kreation dieses Monsters irgend so Zeugs gehört das sonst nicht auf seiner Playlist steht. Seltsame Sache, das mit der Musik – da denkste, Du weißt, was ein Genre ist, und was innerhalb einer dieser Schubladen garantiert nicht liegt. Und dann kommen so Leute wie Images daher und zeigen’s Dir einfach.

    Epistrophy
    CD/Vinyl EP – VÖ: 2004
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Industrial Metal

    Infaust machen ziemlich ungemütliches Zeugs. Laut, grell und düster fräst sich da da eine Geräuschwurst aus den Boxen, die Tote binnen Sekunden erweckt.
    Hübsche Industrial Crust Core Platte. Deutsche Texte übrigens.

    Epistrophy
    Vinyl EP – VÖ: 2007
    Produktion: Cave Canem
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Crust Punk

    Ich glaube das heisst Crust Punk, was die machen. Ist auf jeden Fall ein ganz schönes Brett und geht einem sofort auf den Wecker, dass es nur so eine Freude ist. Wer das Vergnügen hatte, von Cave Canem mal live eins auf die Mütze zu bekommen, weiss, was gemeint ist, die anderen haben halt keine Ahnung. Rasant, ungemütlich und brutal. Toll.

    roast apple
    download album – VÖ: 2015
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Indie

    Roast Apple sind eine junge Band aus Schleswig Holstein, die bereits Einigen aufgefallen sein sollte. Sie haben nämlich nicht nur einige Preise gewonnen, sie verstehen es auch auf der Höhe des aktuellen Geistes eine eigene Musik zuzubereiten, die tanzbar, knackig, schmutzig und ohrwurmig ist.

    Sunny Bastards
    CD Album – VÖ: Mai 2008
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Oi Punk

    Combat77 machen nicht nur das, was auf ihrer Platte draufsteht: 100% Oi. Sie machen es auch verdammt gut.
    Und dabei haben sie noch einen Trumpf im Ärmel: die Sängerin, die einerseits das Genre Oi-Punk (auch dank der lautstarken Hilfe des Männerchors im Hintergrund) lässig und gekonnt einlocht, andererseits eine gehörige Portion Eigenart mitbringt, die der Band sehr gut zu Gesicht steht.

    PCS
    CD Album – VÖ: September 2003
    Produktion: Adjudgement
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Hardcore

    Adjudgement aus Hannover geben einem ordentlich was auf die Nuss. Ich hab die exakte Genre-Bezeichnung für diese Musik gerade nicht parat, aber es ist ordentlich schnell, ein bischen laut und nix für schwache Nerven. Also geil.

    CD Album – VÖ: 2001
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Hardcore

    Adjudgement aus Hannover geben einem ordentlich was auf die Nuss. Ich hab die exakte Genre-Bezeichnung für diese Musik gerade nicht parat, aber es ist ordentlich schnell, ein bischen laut und nix für schwache Nerven. Also geil.

    Halb 7
    CD Album – VÖ: Oktober 2005
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Punk’n’Roll

    Annex5 machen gradlinigen, sehr bodenständigen Punk’n’Roll.
    Dabei bleiben die Hannoveraner stets traditionsbewusst und zeigen einmal mehr, dass sie wissen, was sie wollen. Neu an dieser Platte sind verwegene Sleaze-Rock Einflüsse.
    So überschreiten die Songlängen teilweise deutlich das Punktypische Format, auch die Gitarre weckt von Spiel und Klang her gerade versunken geglaubte Mainstream-Rock Geister. Dagegen steht, dass die Sängerin mit ihrer rauh charmanten Stimme lakonisch und wirkungsvoll dafür sorgt, dass es eine Punkplatte bleibt. Und das ist gut so.

    Nasty Vinyl / SPV
    CD/LP Album – VÖ: Anfang 2005
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder / Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Punk’n’Roll

    Die Band um den umtriebigen Schlagzeuger Björn Fischer macht Punk mit englischen Lyrics.
    Stilistisch bewegt sich das Album, soweit ich das einschätzen kann im Dunstkreis von rockigem Punk’n’roll und Horrorpunk à la Misfits.
    Die Songs sind dementsprechend einfach und sehr eingängig, das Besondere an der ganzen Sache ist die Stimme der Sängerin, die nicht wegen ihres kanadischen Akzents, sondern auch wegen ihrer insgesamt ziemlich schnodderigen Art positiv auffällt.

    Stereo Deluxe
    CD Album – VÖ: 1997
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: W.Dammeier – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig / W.Dammeier – Institut für Wohlklangforschung
    Trip Hop

    »World Mad« – das zweite Album meines damals als TripHop verstandenen Projektes – erschaffen mit dem festen Willen, einfach genau das zu machen, was gefällt. Klanglich zwischen Kirchenorgel, Drum&Bass, Schmusepop und Heavymetal, ist die Platte eine runde Zusammenstellung schöner Musik mit den nötigen Ecken und Kanten. Jedes Stück erzählt von einem anderen Gefühl.

    Virgin
    CD Album – VÖ: 1995
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: W.Dammeier / Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: A.Chapman – Fortress
    Trip Hop

    Das erste Czech-Album entstand eher aus einer Laune heraus und fand sich dann plötzlich als Major Thema wieder. Dafür war es dann doch zu eigenwillig.
    Am gerechtesten wird man diesem Album vielleicht, wenn man die Umstände beschreibt, die dazu geführt haben, dass es entstand. Ich war zwanzig Jahre alt, unglücklich verliebt, und ich hatte mir jüngst einen kleinen elektronischen Gerätepark angeschafft. Es war das Zeitalter der Samples. Die Sängerin Katharina Gorecki, versierte Bar-Jazz Unterhalterin mit Girlpunk-Vergangenheit, fand das verschrobene Zeug irgendwie aufregend und hat dazu gesungen. Das ist alles.
    Und das ist alles viel persönlicher, als es aussieht.

    ragaprong / artist station soulfood
    CD Album – VÖ: Juli 2008
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Indie

    »Na, was ist denn da bislang an uns vorbei gegangen?« schrieb musikexpress.de
    »Eine der besten Platten dieses Sommers« fand mainstage.de
    Eaten By Sheiks haben schon die eine oder andere wirklich gute Platte aufgenommen. Angefangen als eine Art eklektizistischer Gitarrenrock, später so zart wie ein klitzekleiner Bogen Schmirgelpapier.
    Das neue an »Bold« ist die mühelose Selbstverständlichkeit, mit der alle diese Facetten ineinander greifen, ohne dass man einen Moment übersieht, wie großartig die Songs auf dieser Platte sind. Und ja: sie sind großartig!
    Dieses Album ist in erster Linie das beste, das die Band bisher geschrieben hat, live eingespielt, klar: weil die Scheiche so eine grandiose Live Band sind.
    In zweiter Linie ist diese Platte sorgsam garniert mit ausgewählten Gästen und Verzierungen, die aus jedem Song ein Kleinod machen.

    l’Age d’Or
    online release – VÖ: Mai 2008
    Aufnahme: NDR – Knust HH
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    elegischer Pop

    Eagle*Seagull aus Nebraska macht wahrlich berückende Popmusik. Nicht nur, dass die Stimme des charismatischen Sängers bei aller Fragilität eine unglaubliche Präsenz besitzt, die Song sind auch fein ausgearbeitet und unerhört poppig.
    Kam das Album noch weitestgehend im DIY-Gewnd daher, bietet die Band live mittlerweile eine beindruckende Vielseitigkeit und hat einige der Songs für die Bühne komplett umgearbeitet. Gut, dass das in Form dieser Online-Veröffentlichung dokumentiert ist!

    l’Age d’Or
    CD-Maxi – VÖ: September 2006
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    elegischer Pop

    Phänomenale Band aus USA. Wunderschöne, fragile Stimme. Elegische, auf Klavier basierende, mit vielen Details orchestrierte grosse Popsongs. Eine Wucht.
    Aufgenommen wurde der Song „Photograph“ unter ziemlich einfachen Umständen in den USA, auf dieser Single befindet sich eine etwas gepimpte Version für den Radiogebrauch. Meines Wissens wurde die Single aber nur sporadisch gespielt, was schade ist, denn die athmosphärische Dichte und Schönheit des Songs hätte wahrlich ein Lichtblick in der Radiolandschaft sein können.

    soon is now
    online – VÖ: August 2016
    Produktion: Soon is Now
    Aufnahme: Soon is Now
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Rock

    Die Stimme des Sängers Kai Hornung, die in ihrer Tiefe und Größe eine dunkle Welt andeutet. Songs, die zwischen dem virtuosen Pop von Depeche Mode, Nu Rock und Wave mäandern.
    Das geht tief, ist tanzbar, ein bisschen Emo, dabei sehr greifbar.
    Die Musiker, die hinter diesem Werk sind alles andere als unbeschriebene Blätter in der Szene Hannovers. Ihre reichhaltige Erfahrung in allen Bereich des Pop, Rock, Rap und der Klassik macht dieses Album zu dem, was es ist.

    DI
    CD Album VÖ April 2009
    Produktion: Gregor Hennig / Da Impact
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Crossover

    Sie sagen, sie bringen den Crossover zurück. Das ist so ein Slogen, weil man ja Slogans braucht, damit die Leute sich nicht vertun. Netterweise ist Crossover so ein aus der Mode geratener Begriff, der allein deshalb schon wieder sympathischer wirkt, weil so sehr versucht wurde, ihn loszuwerden, vor zehn Jahren etwa.
    Zugegeben lassen sich Da Impact gut mit der frühen Mike-Patton Phase von Faith No More vergleichen, ein bisschen dickere Eier, ein bisschen mehr Hip Hop, und dann schauen auch mal Queen und die Backstreet Boys auf einen kleinen Drink herein.
    Und natürlich strotzt diese Musik vor Energie, aber zum Glück haben die Jungs auch genügend Humor, um nicht so mackerig dumpf wie zahllose Nu Metal Bands dazustehen.
    Das ist wohl das größte Verdienst der Band: eine Bereicherung. Das ist der Punkt, wo Da Impact über diesen Slogan mit Schlagwort hinauswächst.

    K&J
    CD Album – VÖ: April 2012
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Deutschrock

    Kramer und Jensen ist eine von diesen Bands, die es gerade deswegen schwer haben, ihr Publikum zu finden, weil es eben so groß ist.
    Sie spielen und schreiben ihre Musik mindestens so versiert und ideenreich wie diese deutschsprachigen Rockbands, die wir jeden Tag im Radio hören. Der Sänger hat eine eindrucksvolle Stimme, die die wesentliche Qualität besitzt zu polarisieren – einigen wird genau diese Art zu singen sicherlich auf den Zeiger gehen, andere werden begeistert sein.
    Aber es ist nun mal, wie soll ich sagen, eigentlich Mainstream, auch wenn es sich um eine kleine Band handelt, die also kaum jemand kennt. Das macht es so schwierig.
    Da braucht man viel Glück. Verdient hätten sie’s.

    Omaha Records
    CD Album – VÖ: April 2010
    Produktion: Reebosound
    Aufnahme: Reebosound – IWF
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Indie

    Dieses Album ist eine vielgestaltige Wanderung durch die Welt von Reebosound:
    ein kleines Universum des Gitarrenpop, oder Indie, wie man so sagt. Rock: Ja, auch. Reebosound sind im besten Sinne zeitlos und bringen Songs zuwege, die eben dadurch eingängig sind, dass sie keine Angst vor Ecken und Kanten zeigen.
    Das kommt trotz eines deutlich erkennbaren Traditionsbewusstseins ziemlich persönlich daher und zeigt, dass das, was eine Band symphatisch macht, oft in feinen Nuancierungen liegt – weit entfernt davon, sich einem aktuellen Trend anbiedern zu wollen entfaltet dieses Album dadurch seine Wirkung, dass man die Musiker dahinter erkennt.

    Fuego
    online release – VÖ: 2005
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Singer-Songwriter Dub

    Das hier hätte vielleicht die vierte Saprize Platte werden können, wenn es stilistisch nicht gar so anders geraten wäre. Songs für das stille Kämmerlein im Herbst. Ein bischen weinerlich manchmal, aber sehr schön.

    Beniihana
    CD Album – VÖ: November 2004
    Produktion: Greyline
    Aufnahme: J.Rubach / Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Screamo / HC

    Die Gitarren klingen bei Greyline manchmal schön. Das ist deswegen bemerkenswert, weil sich der Rest der Band mit Erfolg bemüht, diese Schönheit mit aller Kraft zugrunde zu richten, und das ist super. Der Sänger schreit sich die Eingeweide aus dem Leib, der Schlagzeuger stellt so eifrig neue bpm-Rekorde auf, dass einem die armen schönen Gitarren leid tun können. Und genau das ist es, was Greyline spannend macht.

    sitzer
    CD Album – VÖ: Oktober 2008
    Produktion: Gregor Hennig + Zuhause
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Pop

    Pop aus Hamburg, deutsche Texte. Kennste? Denkste! Zuhause sind in jeder Hinsicht eine bemerkenswerte Band. Zum einen haben sie so eine unglaublich kultivierte Art, mit Zitaten aus den weiten Fluren der Popgeschichte daherzukommen, als wenn sie das alles gerade erfunden hätten. Zum anderen machen sie das auf so eine nüchterne und saufreundliche Art, das man sie einfach mögen muss.
    Auf dieser Platte wird nicht gerockt, hier wird Rock kultiviert, Easy Listening beim Wort genommen und Pop darf mal Pop sein, ohne gleich dumm auszusehen.

    Mit viel Sinn für Athmosphäre und großer Stimmigkeit im Detail machen die vier alles genau richtig und mehr als das: sie zaubern sogar ein bisschen. So manifestiert sich hier eine eigenwillige und sehr runde Mischung aus Rock und Besonnenheit, domestiziert kommt es daher und redselig.

    wonga
    Album – VÖ: November 2010
    Produktion: Wonga
    Aufnahme: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Mix: Gregor Hennig – Le Châtelet
    Postrock

    Erst einmal fällt es schwer zu glauben, dass Wonga nur zwei Leute sind. Da sind ein Bassist, eine Loopstation und ein Schlagzeuger, und an keiner Stelle vermisst man je etwas.
    Zwar ist unüberhörbar, wie gut die zwei ihre Instrumente beherrschen, doch darauf kommt es nicht an.
    Milan ist ein Album, das einen hinterrücks kriegt. Da hört man zunächst genau hin, denkt, Postrock, gut gemacht, aber erst wenn die Musik dann eine Weile spielt wird klar, dass hier in erster Linie Athmosphäre verbreitet wird. Die Musik von Wonga ist beides: Looporientiert spartanisch im Aufbau, ornamental und verspielt im Detail, und das entfaltet diesen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Dabei werden dunkle Klänge und lebhafte Rhythmen so miteinander verwoben, dass sie sich gegenseitig stützen: Wonga erzeugen Energie.

    Reflections
    CD Album – VÖ: 2003
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Hardcore

    I Defy machen pure Energie zu Musik und Deine Gehörgänge zu Kleinholz. Naja, zwischendurch wird auch gerockt. Im grossen und Ganzen ist das nicht die Musik, die man beim Bügeln hört, eher wohl beim Staubsaugen. Und siehe: Staubsaugen macht wieder Spass!

    Reflections
    CD EP – VÖ: Dezember 2002
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Proberaum
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Hardcore

    Direkt im Proberaum aufgenommen, ist dieses Erstlingswerk immer noch die coolste Scheibe der HC Combo aus Hannover. Super turbo Schreicore, erste Sahne.

    nicht mehr erhältlich
    1997
    Produktion: UIP & Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – IWF
    Mix: Gregor Hennig – IWF
    Avantgarde Pop

    Ja, so lange gibt es diese tolle Band schon. Damals hatte das Duo freilich noch einen anderen Schlagzeuger, was normalerweise nach Adam Riese schon die Hälfte der Miete wäre.
    Nicht so bei Urlaub In Polen: Der Sänger und Gitarrist spielt ja immerhin mit den Füßen auch noch Synthesizer und schraubt zu allem Überfluss (immer wenn er eine Hand freihat) auch noch an vielerlei vorsintflutlicher Elektronik herum – das hat auch damals schon der Band eine absolute Sonderstellung beschert.
    Die hier erwähnte EP habe ich damals im Institut für Wohlklangforschung produziert. Da kurz danach der Schlagzeuger ausstieg, exisitert sie allerdings nur in einer verschwindend geringen Auflage in Liebhabersammlungen, ich besitze selbst kein Exemplar.

    Rookie Records
    CD/LP Album – VÖ: Januar 2010
    Produktion: P.Devlin, G.Hennig
    Aufnahme: Devlin/Hennig – Soundgarden
    Mix: G.Hennig – Le Châtelet
    Punkrock

    Wenn man das hört, was die da machen, möchte man nicht glauben, wer die sind.
    Was sie machen: intelligenten, reduzierten Kick Ass Punkrock mit einem beeindruckenden Gefühl für Songdienlichkeit und textliche Aussagen. Biestig stellen sich einfach auf die Bühne der Welt und vereinnahmen ein ganzes Genre in Handumdrehen für sich, sie beherrschen das, was sie da tun.
    Wer sie sind? Zwei 16jährige Schwestern aus Karlsruhe. Nicht mehr, nicht weniger, perfekt. Verstehen muss man das nicht, aber hören.

    Go Kart
    CD Album – VÖ: 2006
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Beatpunk

    »Beat Punk« – Man könnte den Jungs diese Selbsteinschätzung sogar glauben, wenn nicht sofort beim Hören der Platte klar würde, dass hier etwas Eigenes ausgebrütet wird.
    Nicht dass die Band wirklich vorhat, das Rad neu zu erfinden, das passiert quasi nebenbei.
    »Your Plot The Prison My Ecape« ist eine Platte, die versteckt zwischen den ganzen erfüllten Erwartungshaltungen gerne auch Momente feilbietet, in denen man überrascht zur Kenntnis nimmt, was für ein eigenes und gutes Gefühl diese Band für so etwas scheinbar banales wie Rockmusik hat.

    The Motion
    CD Album – VÖ: Januar 2008
    Produktion: The Motion
    Aufnahme: J.Rubach – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    HC-Rock

    The Motion aus Holland machen das sehr gut: Zeitgemässe Rockmusik, gut geschrieben, mit dicken Eiern gespielt, und doch mehr als das. Empfehlenswert durchweg und durchaus obwohl es viele vergleichbare Bands gibt.

    The Motion
    CD EP – VÖ: 2004
    Produktion: The Motion
    Aufnahme: J.Rubach – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    HC-Rock

    Diese EP ist ein sehr appetitanregender Vorgeschmack auf das 2008 erschienene Album »and vice versa«.

    nimai
    CD Album – VÖ: 2000
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Pop

    Nimai ist Pop – sehr facettenreich, sehr ruhig. Das Album hat sich viele tausend Mal auf Konzerten und im Strassenhandel verkauft, die Single lief rund ein Jahr lang als Dauerrotation auf FM4. Dennoch wollte der Pop-Ansatz nicht so recht fruchten, so dass Nimai jetzt als eher Club-orientiertes Projekt fortbesteht.

    tgv
    CD EP – VÖ: 2006
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Indie

    Das Girlband-Phantom Hamburgs. Dem Namen nach musikinteressierten Hamburgern ein Begriff, das Konzept bestechend klar – drei Frauen machen laute Musik – haben TGV jahrelang massiv mit allseits beachteter Abwesendheit geglänzt, oft gespielt, doch niemals etwas veröffentlicht.
    Diese EP ist nur zu Teilen eine Dokumentation dessen, was die Welt bisher verpasst hat. Es wird ziemlich gerockt und tanzbar ist der Kram. Zum anderen überraschen TGV mit fragileren Nuancen, die man von ihren Live-Auftritten nicht gewohnt ist.

    Sony/BMG
    CD Album – VÖ: Februar 2006
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Rockmusik

    200 Sachen wollen die einfachen Formeln. Das hier ist nichts für nachdenkliche Gemüter oder intellektuelle Feingeister. Deutsche Texte. Es geht einszweidrei drauf los, die Sängerin ist eine Entdeckung. Das Debut-Album ist erstaunlich poppig geraten, frisch und alles Andere als rückwärts gewandt. Dank eines Auftrittes bei Stefan Raab waren die Sachen damit sogar einige Wochen in den Charts.

    l’Age d’Or
    Vinyl Maxi – VÖ: Juni 2004
    Remix: Gregor Hennig
    Indie

    Beige GT war kurz einmal eine der unterbewertetsten Band dieses Landes. Die machten mit Gitarren ein bischen das, was andere mit Sequenzern machen. Was dabei heraussprang, war ein so stimmiger wie abwechslungsreicher Soundtrack für die Nuller Jahre.

    l’Age d’Or
    CD Album – VÖ: Mai 2005
    Mix: Gregor Hennig / Phil Vinall
    Indie

    Timid Tiger verbreiten gute Laune, manchmal so viel davon, dass man Angst bekommen könnte, wenn das alles nicht gleichzeitig so sympathisch rocken täte. Bis auf die Singles wurde die Platte von Phil Vinall gemischt, »Miss Murray«, der Indie Clubhit der Band, und »Love Boat« wurden von mir gemischt.

    Exile On Mainstream
    CD Album – VÖ: Januar 2002
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Rock

    Payola waren eine der cooleren schrägen Rockbands dieses Planeten. Es wäre Gegenstand einer längeren Dissertation, die Eigenartigkeit dieser Band zu beleuchten. »Get On The Buzz« ist ein Bastard aus von der Band am Rechner zusammengeschroteten Songs und ergänzenden Aufnahmen aus dem Institut für Wohlklangforschung.
    »Dirt Road«, die letzte Platte der Band blieb leider unveröffentlicht, weil sich die Band nach den Gesangsaufnahmen auflöste, was sehr schade ist.

    Universal
    CD Album – VÖ: 2001
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Deutschrock

    Systemhysterie, die Hannoveraner Band um den Sänger und Poeten Tim Hespen hatte sich deutschen Pop auf die Fahnen geschrieben zu einer Zeit, als man leider noch aus Hamburg kommen musste, um mit derlei Zeug ernst genommen zu werden. Schade ist’s um diverse Schmuckstücke.
    Wesentlich rockiger und weniger aufgehübscht als der Vorgänger entwickelt dieses zweite Album eine überzeugende Qualität auch dank der brillanten Texte.

    Universal
    CD Album – VÖ: 2000
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: W.Dammeier – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Deutschrock

    Das erste Systemhysterie Album ist das Resultat einer nicht ganz fertig gestellten, dann abgebrochenen Produktion, die dann von mir noch einmal aufgegriffen und komplett durch den Wolf gedreht wurde, bis kein Ton mehr an seinem ursprünglichen Platz war. Dabei entstand ein ungeahnt rundes, sehr schönes Popalbum. Mit deutschen Texten.

    Sopot
    CD Album – VÖ: Juni 2007
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Deutschpop

    Eine Perle. Wunderschöne, turbosymphatische Songs mit großartigen Texten. Ich bin Fan.
    Diese Platte beinhaltet die Songs der »444« EP und etliche weitere Geschenke an den Hörer, immer einfach, aber niemals simpel.
    Sebastian Stuertz gelingt es, in seiner ganz eigenen Sprache das eine oder andere Haus zu bauen, in das man sofort einziehen möchte, um darin lange, lange zu wohnen.

    Strange Ways
    CD Album – VÖ: Februar 2007
    Produktion: Peta Devlin
    Aufnahme: P.Devlin – Soundgarden
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Deutschpop

    Deutsche Texte, Gitarrenpop, schön und gut. Und sowohl schön als auch gut sind hier wörtlich gemeint.
    Was aber gerade Junges Glueck zu einer einzigartigen Band macht, ist zum einen die Lyrik, die einen, ergreifend und immmer etwas artifiziell, langsam aber sicher zu erobern vermag, zum anderen die treffsichere und lebendige Art, wie Peta Devlin diese Band athmosphärisch dicht in Szene gesetzt hat.

    Into The Vortex
    Vinyl Mai 1999
    Produktion: M.Weishoff & Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – IWF
    Mix: Gregor Hennig – IWF
    Punk

    Tolle, sehr schmutzige und stinkende Punkband aus Bremen! Diese noch auf Tonband live eingespielte Platte poltert einem ganz schön ungestüm entgegen: als Schlammlawine, von der man sich gerne mitreißen lässt – Eine Vielzahl von Songs, die scheinbar alle gleich klingen, das liegt daran, dass die Band so laut spielt. Und das ist ganz schön super.

    office4music.com
    CD Album – VÖ: September 2014
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Phantasiepholk

    Die Zauberhafte Welt der Tiere ist bevölkert. Dort tummeln sich Elefanten, Zombies, Affen natürlich, Winntetou und der Schnaps. Und Zigaretten, in ungelüfteten Zimmern gerauchte Zigaretten, wie früher. Dort, in den ungelüfteten Zimmern, wohnen Susa und Mirek und haben sich eine Art Osteuropa-Holzhacker-Folk ausgedacht, Gitarre, Quetschkommode, ordentlich Patina auf den Stimmbändern, reicht doch. Das macht Spaß, denen zuzuhören! Und wie!

    maisonette
    CD EP – VÖ: Juni 2007
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Indie-Pop

    Jenana kommen aus Berlin und Hamburg und stellen auf ihrer Erstlings-EP eindrucksvoll unter Beweis, dass sie die Sache mit dem Songschreiben verstanden haben. Viel geschieht hier, wie so oft, über die Stimme. Pop, modern, also Indie. Ein Widerspruch? Klar. Aber so sind die Zeiten, nicht wahr?

    shredded
    CD Album – VÖ: 1999
    Produktion: Gregor Hennig
    Aufnahme: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Mix: Gregor Hennig – Institut für Wohlklangforschung
    Death Metal

    Eye Sea sind ein ziemlich geiles Death Metal Getöse und eine der schnellsten Bands, die jemals diesen Planeten verseucht haben. Das hier ist nicht mal die beste Platte der Bremer, ihr bestes Album haben die nämlich leider niemals veröffentlicht. Sehr schade.

    dembahl
    CD Album – VÖ: 2005
    Produktion: Dembahl
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Synthiepop

    Dembahl aus der Schweiz schreiben zeitlos schöne Popmusik, könnte man meinen, wenn man der Stimme zuhört. Doch gerade dass die angenehme Stimme der Sängerin mit kühlen, technischen Sounds und knallharten Loops konkurriert gibt der Musik eine sehr eigenartige Note.

    molotow / Swamp Room
    CD Album – VÖ: 2005
    Produktion: one two three four
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Beat / Powerpop

    Ganz in der Hamburger Art zuhause, sich an dem Garagenbeat der Sechziger zu orientieren, schreiben ONE TWO THREE FOUR ungeahnt eingängige, strahlend schön schmutzige und trotz aller Wildheit frische und freundliche Popsongs. Ganz und gar nicht glatt, aber einfach und extrem hörbar.

    Flight 13
    CD/LP Album – VÖ: September 2006
    Produktion: Gregor Hennig / Sonic Dolls
    Aufnahme: Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Stomp

    »Sonic Dolls sind wie ihre Schuhe: die bestehen meistens aus einem Leinenstoff (auch in Leder und anderen Materialien erhältlich), einer Gummisohle, Schnürsenkeln und diesem runden Aufnäher sowie einer (weißen) Gummikuppe an den Zehen. Sie sind sehr leicht und lassen sich bequem tragen. Für manche Personen gelten Chucks erst dann als »kultig«, wenn sie ein wenig dreckig, angegammelt und zerrissen aussehen. Sie sind aber in der Regel waschmaschinenfest.
    Die RAMONES haben nie »Converse All Star Chuck Taylor« getragen aber trotzdem noch so unendlich viele Liebhaber wie es die Sonic Dolls selber sind. Zurecht! Leidenschaflicher kann man keinen 1,2,3,4-Screeching Weasel ähnlichen Riverdale spielen und aufnehmen.«
    Sagt die Band.

    Reflections
    CD Album – VÖ: April 2004
    Produktion: Razor Crusade
    Aufnahme: J.Rubach / Gregor Hennig – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Hardcore

    Hardcore im klassischen Sinne. Razor Crusade aus Holland gehen ordentlich zur Sache mit viel Geschrei, aber auch ein paar melodischen Momenten. Infinite Water wurde in Holland aufgenommen, im Hamburg entstanden Vocals und Mix.
    Eine wirklich grandiose Platte, die den Begriff Hardcore über weite Strecken auf eigene Weise definiert.

    Reflections
    CD EP – VÖ: Oktober 2002
    Produktion: Razor Crusade
    Aufnahme: J.Rubach – Rekorder
    Mix: Gregor Hennig – Rekorder
    Hardcore

    Hardcore aus Holland. Auf dieser EP ist die Welt der Rasierkreuzritter noch rauh und schnell. Die Songs auf dem folgenden Album sind stärker, dafür ist auf dieser EP das Geschrei gross. Tolle kalte Dusche.

    bmg
    CD Maxi – VÖ: 2004
    Remix: Gregor Hennig
    NDH

    Ein Remix.

    Zygmatron Music
    CD/LP – VÖ: Mai 2015
    Produktion: Daemons Child
    Aufnahme: Daemons Child
    Mix: Gregor Hennig – Studio Nord Bremen
    Rockmusik

    Ein buntes Kaleidoskop, könnte man sagen, aus allerlei leckerer Reminiszenz. Schmutziger Rock der Neunziger, Indie, ebenfalls schwerpunktmäßig der Neunziger, Girlpunk, Pop, Stoner. Es gibt in Hannover nicht sehr viele Bands, die der Amtlichkeitsfalle entkommen, das hier ist eine: diese Platte dreht sich nicht um Schablonen, es geht um die Wurst. Hier ist die Essenz einer vielseitigen musikalischen Laufbahn, roh, gewaltig, feinsinnig und elegant.

    bodonski records
    LP Album – VÖ: 1992
    Drums: Hennig
    Aufnahme: F.Halle – Dub City
    Mix: F.Halle – Dub City
    Frickelcore

    Meine erste selbergemachte Schallplatte, damals als Schallplatten noch genau so hießen.
    Ich war der schnellste Schlagzeuger der Welt und spielte mit Mutant Gods einen ziemlich bunten Hochgeschwindigkeits-HC Flickenteppich, der, durchwoben von Classic Rock und Death Metal recht deutlich Vorbilder wie Heresy oder Elektro-Hippies erkennen ließ.

    Manger MSS Schallwandler
    ProAc Studio100 / Glockenklang Bugatti
    Yamaha NS10

    28-Kanal Amek M2000 Mischpult ca. 1978
    8x Siemens V72
    2x Telefunken V276
    2x Telefunken V676B
    API 3124

    10-Kanal Röhrenmischpult (hangefertigt, ca. 1950er)
    RCA BA6A (ca. 1960er)
    Pultec MEQ-5 (ca. 1960er)
    Teletronix LA2A (Vintage)
    Raytheon RL-10 (1950er Jahre)
    Gates STA Level (ca. 1950er Jahre)
    Gates SA39-B (ca. 1950er Jahre)
    TAB U73 (ca. 1960er Jahre)
    EMT140 Hallplatte (ca. 1960er Jahre)

    6x Neumann TEV Equalizer (ca. 1960er)
    2x Eckmiller PF5/8h passiver Präsenzfilter (ca. 1960er)
    2x Eckmiller W86 passiver EQ (ca. 1960er)
    2x Eckmiller NF-11 Niveaufilter (ca. 1960er)
    GML-8200 parametrischer Equalizer
    Focusrite ISA131 Kompressor
    2x Urei 1176LN (Vintage)
    Universal Audio 1176LN (Reissue)
    3x Urei 1178
    Empirical Labs EL8x Distressor
    EMT 240 Goldfolienhall (ca. 1970er)
    2x Barth U311 Kompressor (ca. 1970er)
    2x BFE Filtek BKE4 Kompressor
    2x BFE Filtek MK7 Equalizer
    4x Allison Research GainBrain
    3x Echolette NG51 Bandecho (1950er)
    AKG BX15 Federhall
    Furman RV2 Federhall
    Klark Teknik Federhall

    Otari MTR90II 2″ 24-Spur
    Telefunken M10 1″ 4-Spur
    Adam Smith Zeta3 Synchronizer
    RME MADI HDSP Interface
    Antelope Orion32 32-Kanal Wandlereinheit
    Cubase 10 (Windows)
    Pro Tools (nativ)

    Slate Digital komplett
    Plugin Alliance komplett
    Soundtoys komplett
    Kush Komplett
    NI Komplete 13
    Izotope RX8
    Arturia V-Collection
    Kazrog komplett
    PSP, Voxengo, Waves

    Musik steht immer in einer Tradition. Das bedeutet, dass der Bezug auf Vorbilder bei jeder Musik eine entscheidende Rolle spielt. Vorbilder und Klischees sind wahrscheinlich die wesentlichen Grundpfeiler, auf denen Musik aufbaut. Aber ganz so einfach ist das nicht.

    Klischees

    Ein Klischee kann in der Form einer Handlungsanweisung auftreten – beispielsweise: wenn wir einen dubbigen Bass haben, brauchen wir Hall auf einzelnen Snareschlägen. Solch ein Klischee ist sozusagen ein Kochrezept, als solches brauchbar, weil es ein Destillat aus erprobtem Wissen darüber darstellt, wie wir gewisse Zutaten so zusammenstellen, dass etwas Genießbares dabei herauskommt.
    Diese Metapher weist uns auch gleich auf die Grenzen des Klischees hin: das Arbeiten nach Rezepten kann ein wichtiger Bestandteil künstlerischer Arbeit sein, aber es kann sie nicht ersetzen.
    Künstlerisch eingesetzt, zeigt das Klischee eine weitere Eigenschaft, die es zu einem unschätzbaren Werkzeug macht: Klischees erlauben es, mit Assozationen zu arbeiten, also Bezüge herzustellen, ohne sie ausformulieren zu müssen. Man kann das als eine besonders effiziente Art der Codierung betrachten: mit einer kleinen symbolischen Formel spreche ich einen Kontext an, der sich als solcher gar nicht in meinem Werk befinden muss, der eigentliche Prozess des Klischees findet dann im Kopf des Hörers statt.

    Vorbilder

    Wir stellen uns Vorbilder gerne als ‚das Original‘ vor. Damit meinen wir freilich nicht, dass unsere Vorbilder selbst keine Vorbilder gehabt hätten, also tatsächlich der Ursprung seien, wir akzeptieren die Tatasache, dass die Kette der jeweiligen Vorbilder endlos ist, weil jedes unsere Vorbilder seinerseits einer Tradition entspringt. Es ist uns also klar, dass eine solche Blaupause namens ‚Original‘ gar nicht konkret vorhanden ist: wir abstrahieren sie.
    Das was unsere Vorbilder ausmacht, ist, dass sie neben ihrer Eigenschaft, ihrerseits von Vorbildern geprägt zu sein, etwas Neues darstellen, sie markieren für uns den Wendepunkt, an dem aus einem traditionellen Kontext etwas Eigenständiges, Neues entstand. Und genau das ist es, was sie eigentlich zu Vorbildern macht: die Pionierleistung, das vorher nicht da gewesene.
    Und so kommt es zu dem Paradox, dass wir, je erfolgreicher wir unseren Vorbildern folgen, uns desto weiter von der wesentlichen Eigenschaft entfernen, die sie überhaupt zu unseren Vorbildern macht: Neu gewesen zu sein.
    Diesen Kern zu erreichen, der uns an unseren Vorbildern eigentlich fasziniert, gibt es dagegen zwei probate Mittel: entweder wir ignorieren sie willentlich – oder wir verfehlen sie aus schierer Unfähigkeit. Beides kann zu wunderbaren Ergenbissen führen.

    Na Und?

    Das sind zwei Erwägungen, die mich immer wieder dahin bringen, mit einem gelassenen »na und?« zu reagieren, wenn ich mal wieder erfahre, wie die genaue Arbeitsweise z.B. der Beatles ausgesehen hat.
    Was kümmert uns das?
    Es bedarf ohnehin keiner besonders umfangrechen Erfahrung im Bereich der Musikproduktion, um festzustellen, dass die selbe Vorgehensweise, übetragen auf eine andere Situation, so gut wie nie zu ähnlichen Resultaten führt. Die richtige Vorgehensweise zu finden ist eben deshalb die Basis einer jeden Produktion, weil sie niemals feststeht.
    Neulich las ich über eine von mir wegen des außerordentlich schönen Klangs geschätzten Schallplatte jüngeren Datums, dass sie ausschließlich mit Shure SM-57 aufgenommen sei. Gut zu wissen, dass das geht. Fatal wäre allerdings die Annahme, dass es sich um den richtigen Weg zu einem guten Sound handelt.
    Wir wissen, um ein anderes Beispiel zu nennen, dass viele Popklassiker innerhalb kürzester Zeit eingespielt wurden. Das Arbeiten unter Zeitdruck hat unbestreitbare Vorteile. Der Vorzug einer zügigen Arbeitsweise äußert sich aber selbstverständlich nicht in der Form, dass das Ergebnis dann ein Popklassiker wird.
    Das wäre zwar praktisch, aber auch irgendwie langweilig.

    Der Siegeszug der Verzerrung im Spiegel der protestantischen Ethik.
    Ok, der Satz steht da hauptsächlich, weil er sich so gut anhört. In Wirklichkeit geht es weniger um protestantische Ethik als um Fragen wie diese:
    Was hat die Rolle der Verzerrung in der Popmusik mit Gott zu tun und inwiefern ist das dann rassistisch?
    Was am Loudness War ist eigentlich kulturlos?
    Zugegeben, das sind keine Fragen, über die man im Alltag häufig stolpert. Ich finde sie trotzdem interessant.

    Gott

    Ich beginne mit Gott und mit der Frage, wo er zwischen Mensch und Natur steht. Das Verhältnis von Mensch und Natur definiert den Begriff der Zivilisation.
    Zivilisation kann als ein System der Harmonie gedacht werden; Moral und die Vorstellung von Gott stünde dann im Zeichen des Gleichklangs von Mensch und Natur. Das mag durch ein ordnendes Eingreifen des Menschen erfolgen oder als eine Anpassung der menschlichen Lebensweise an die Natur. Gott wäre in so einem System ein Teil der Natur, der Mensch würde in der Huldigung Gottes letztendlich der Natur huldigen, so wie es in Zivilisationen weltweit und zu allen Zeiten geschehen ist.
    Diese Idee der angestrebten Harmonie fehlt dem biblischen Gott grundsätzlich. Unser Konzept von „Zivilisation“ beruht auf der Setzung einer Dissonanz, die in letzter Konsequenz nur durch den Sieg Gottes über Satan gelöst werden kann.
    Dem entspricht die Annahme, Zivilisation sei die Entfernung des Natürlichen aus unserem Leben. Denksysteme, die sich weniger in Dissonanz verstehen, werden demnach als unzivilisiert wahrgenommen.

    Satan

    Satan ist ein Feindbild, das die Natürlichkeit selbst repräsentiert:
    Kontrollverlust, Chaos, Opulenz, Rausch, alles Fremde (weil es unverständlich ist), der eigene Körper und das sexuelle Verlangen, wobei man sowohl das männliche als auch das weibliche Verlangen verteufelt, dann aber den Frauen die Schuld an beidem gibt. Dieser Einordnung folgt die Erzählung vom „männlich“ Rationalen und dem „weiblich“ Irrationalen bzw. der „weiblichen Intuition“.
    So wie Satan als Kontrollverlust die Natur selbst ist, ist Gott als Kultur die Anti-Natur.
    Diese Definition von Kultur als das, was uns über die Natur erhebt, ist rassistisch, sexistisch und klassistisch, indem letztlich alle, die nicht sowohl der Oberschicht angehören als auch männlich und weiß sind, der Natur zugerechnet werden.

    Musik

    Meine These ist nun, dass die Musik, die die europäische Zivilisation kennzeichnet, fundamental durch dieses Feindbild geprägt ist. Es gilt als unzüchtig, etwas anderes als das Bewusstsein anzusprechen. Tanz wird im Ballett akademisch und körperlos, Rhythmus und Wiederholung in der Musik wird durch immerwährende Variation verheimlicht. Das oberste Gebot beim Musizieren ist die Vermeidung jeglicher Obertöne, die einem Instrument Sex-Appeal geben könnten. Die menschliche Stimme wird trainiert, bis der Sopran einer Sinuswelle ähnelt.
    „Hohe“ Kultur ist vor allem durch drei Grundabgrenzungen gekennzeichnet: den Abstand vom gemeinen Volk, den Abstand von der Natur und damit auch den Abstand von dem, was in der klassischen abendländischen Philosophie als weiblich gilt.
    Ziel war offenbar, eine „göttliche“ Ordnung in der Kunst zu schaffen, die im wirklichen Leben fehlte, weil und solange die Natur eine Gefahr darstellte. Die Entwicklung der europäischen Harmonik von den anfangs klaren Regeln der Alten Musik bis hin zur ihrer weitgehenden Auflösung in der Neuen Musik korreliert mit den industriellen Fortschritten im Krieg gegen die Natur.
    Ähnliches gilt für die Lautstärke von Musik, die während der europäischen Kulturgeschichte stetig zunimmt.
    Sobald nämlich der Natur die Zähne gezogen sind, entsteht die Lust, Kunst als unzähmbaren Gegenpol zur rationalen Welt zu behaupten. Der Aufstieg des Konzeptes der Genialität im Gegensatz zur vorher geltenden Auffassung des Künstlers als Diener der göttlichen Ordnung kennzeichnet den Verlauf dieser Bewegung in der Romantik. Dieser Wandel wird noch einmal punktuell wie in einem Versuchsaufbau beleuchtet, wenn in der deutschen Nachkriegszeit Jazz auf Kammermusik trifft.

    Pop

    die Initialzündung der Popkultur, wie wir sie heute kennen, erfolgt durch den Clash unterschiedlicher Traditionen. Zivilisationen, deren Grundgedanke ein harmonisches Verhältnis zur Natur ist, treffen durch die Deportation afrikanischer Zwangsarbeiter in die Vereinigten Staaten auf eine Gesellschaft, die die Natur als feindlich erlebt. Dort werden sie irrtümlich mit Wildheit assoziiert und gewinnen so an Reiz für die Sehnsüchtigen.
    Es ist anzunehmen, dass sowohl die Furcht, diese Einflüsse brächten Chaos als auch die romantische Sichtweise auf ihre vermeintliche Reinheit die eigentliche Funktion dieser Musik in der afrikanischen Zivilisation vollständig missverstehen, aber das macht keinen Unterschied, wenn diese Klischees erst einmal Wirkung zeigen. Musik, die nach Gesetzen funktioniert, die uns unbekannt sind, kann bequem als anarchischer Gegenpol zu einer als spießig empfundenen Welt gedeutet werden.

    Verzerrung

    Die Erfindung der verzerrten Gitarre während der sechziger Jahre ist eigentlich eine Art technischer Unfall. Um in einer Big Band Gitarre spielen zu können, brauchte man ein Instrument, dessen Lautstärke elektrisch verstärkt ist. Dafür muss die Klanginformation durch elektrotechnische Bauteile laufen, die jeweils einen spezifischen Wirkungsbereich haben. Fast zwangsläufig werden dabei Bauteile überlastet, was zu chaotischen Fehlern, also Verzerrungen in Dynamik und Frequenzgang führt. Der Siegeszug, den die Verzerrung seit dieser Entdeckung in der Popmusik angetreten hat, ist beeindruckend.
    Auch hier gilt: je künstlicher die Produktionsweise der Musik, desto zentraler die Rolle, die Verzerrungen dabei spielen. Heutzutage ist ihre Rolle in der Musikproduktion absolut zentral.
    Erstens verringert eine Verzerrung die Dynamik eines Signals drastisch, was es erleichtert, Details unter widrigen Umständen (Autoradio) wahrnehmbar zu gestalten. Zweitens lässt sich der Eindruck von subjektiver Nähe steigern, wenn man eine Aufnahme mit zusätzlichen Obertönen versieht. Die Arbeit zeitgenössischer Mixing Engineers besteht fast ausschließlich daraus, mit chaotischen Obertönen zu hantieren. Inzwischen gibt es keine Software zur Klangbearbeitung mehr, die darauf nicht ihren eigentlichen Schwerpunkt setzt.
    Die bei einer Verzerrung entstehenden zusätzlichen Obertöne erzeugen den Eindruck von Rausch. Die Verzerrung einer Verzerrung einer Verzerrung ergibt am Ende ein Rauschen, eine völlig konturlose Überdosis Sound quer über das gesamte Spektrum.
    Stärker kann der musikalische Gegensatz zur asketischen Reinheit nicht formuliert werden.
    Verzerrung ist Kontrollverlust, Opulenz und Rausch – der Satan auf tontechnischer Ebene. Auch hier gibt es die gleiche Entwicklung zu beobachten: mit zunehmender Genauigkeit und Klangtreue der tontechnischen Mittel steigt die Lust am Chaos.

    Pegel

    Verzerrungen bewirken drittens, dass wir auch einen relativ leisen Klang subjektiv als laut empfinden. Reale extreme Lautstärke verursacht Schmerzen und bringt den menschlichen Körper selbst in Resonanz. Sie kann den Unterschied machen zwischen einem vergeistigten Hörgenuss und der schieren körperlichen Erfahrung.
    Loudness War ist das Streben nach der höchstmöglichen Lautstärke in der Popmusik. Sie ist dort technisch begrenzt, also gilt es, das klangliche Material so weit es geht an diese Grenze zu drücken. Wenn ich gegen eine Wand (Brickwall) arbeite, sind irgendwann alle Ereignisse gleich laut – jegliche Dynamik wird „zerquetscht“.
    Das ähnelt der Art, wie das menschliche Gehör eine extreme Lautstärke wahrnimmt, weil auch das Gehör einen Korridor bildet und ab einem gewissen Schalldruck keinen Unterschied mehr zwischen extrem laut und absurd laut macht. Durch das Brickwall Limiting prägen Tontechniker dem Klang also den Charakter einer körperlichen Erfahrung auf.
    Es geht nicht eigentlich um die technische Lautstärke, im Zentrum dieses Stilmittels steht die Simulation einer Schmerzerfahrung.

    Eine als „Anti-Natur“ gedachte Kultur erzeugt mit seiner zunehmenden absoluten Dominanz die Sehnsucht nach einer „natürlichen“ Anti-Kultur.

    Im Pop entspricht dieser Sehnsucht zunächst eine naive Vorstellung „wilder Völker“ und ihrer „wilden“ Musik. Im Zuge der abnehmenden Wirksamkeit des Klischees von der Wildheit Afrikas ersetzen Verzerrung und Loudness War den Ethnokitsch als Vehikel der Auflehnung.

    Zwischen folgenden Fragen besteht ein Zusammenhang:

    1) Warum scheitert der Versuch, eine Raumakustik verlässlich vorauszuberechnen in so vielen Fällen?
    2) Warum ist seit Jahrzehnten die Popularität sogenannter analoger Klangsynthese ungebrochen?
    3) Warum wurden aus den Neubauvierteln der 70er Jahre soziale Brennpunkte?
    4) Was ist Inspiration?

    Ich sehe gerne ein, dass ich das näher erläutern sollte. Das erfordert freilich ein bisschen Geduld und den einen oder anderen Exkurs, aber ich bin sicher, dass es sich lohnt.

    Warum scheitert der Versuch, eine Raumakustik verlässlich vorauszuberechnen in so vielen Fällen?

    Wenn wir die Akustik eines Raumes gestalten wollen, haben wir zwei Möglichkeiten:
    Erstens können wir in einem Raum, den wir vorfinden, ausführliche Messungen durchführen und daraufhin Maßnahmen ergreifen, um störende Eigenschaften zu beseitigen. Wenn wir dabei behutsam vorgehen, erhalten wir einen lebendig klingenden Raum mit einer eigenen Handschrift, der uns positiv zu überraschen vermag. Ich nenne das hier mal das subtraktive Verfahren: Ich finde eine komplexe Struktur vor und beschneide sie soweit, dass das Gewünschte dabei übrig bleibt.
    Zweitens können wir in einem Verfahren, das ich hier additiv nennen möchte, einen Raum aus dem Nichts erschaffen. Das kann ein Neubau sein oder ein Raum, dessen akustische Eigenschaften wir mit verschiedenen Absorbern zunächst weitgehend eliminiert haben, um sie anschließend mit Reflektoren neu zu erzeugen. Es ist nicht unmöglich, einen wohlklingenden Raum aus dem Nichts zu erschaffen, aber es ist ein großer Kraftakt mit ungewissem Ausgang.
    Ich habe in vielen sehr unterschiedlichen Räumen Musik aufgenommen und bisher immer diejenigen vorgezogen, die weitgehend unkontrolliert waren. Ich erkläre mir das damit, dass etwas so Subjektives wie die Schönheit eines Klangs komplexen Faktoren folgt, die sich nicht vollends kontrollieren lassen.

    Warum ist seit Jahrzehnten die Popularität sogenannter analoger Klangsynthese ungebrochen?

    Was im Allgemeinen als „analoge“ Klangsynthese bezeichnet wird, sollte korrekterweise als subtraktive Synthese bezeichnet werden.
    Kurze Begriffserklärung: Die subtraktive Synthese, bei der zunächst ein Ton mit einer relativ komplexen Obertonstruktur erzeugt wird, den man anschließend mittels eines steuerbaren Filters so beschneidet, dass das Gewünschte dabei übrig bleibt, war in der vordigitalen Zeit die effektivste Methode, Klänge künstlich zu erzeugen. Andere (ebenfalls als analoge Schaltungen realisierte) Verfahren sind die klassische additive Synthese, die dem Prinzip der Orgel folgt, bei der gezielt Obertöne erzeugt und addiert werden, und die ebenfalls zunächst analog realisierte Frequenzmodulation, die in der Lage ist, bewegliche Obertonstrukturen zu formen, oder dabei auf Filter zurückzugreifen, also auch vom Prinzip her additiv ist.
    All diese Syntheseformen werden seit den 80er Jahren teilweise digital gesteuert, so auch die Frequenzmodulation. Der Umstand, dass erst die Digitaltechnik es ermöglichte, polyphone FM-Synthese in einem tragbaren Gehäuse unterzubringen, hat ihr das Prädikat „digital“ eingebracht. Mit der fortschreitenden Entwicklung verwirren sich die Begriffe zunehmend, so dass „digital“ inzwischen für jegliche additive Synthese steht (zu der auch das tatsächlich nicht analog realisierbare „Physical Modelling“ gehört) und subtraktive Verfahren mit dem Begriff „virtuell analog“ belegt werden, obwohl nahezu alle Synthesizer inzwischen volldigital ausgeführt sind.
    Die ungebrochene Popularität der subtraktiven Synthese liegt also keinesfalls daran, dass sie weniger „digital“ ist. Sie ist genauso analog oder digital wie die Frequenzmodulation. Vielmehr ist der Umstand entscheidend, dass es inspirierender ist, wenn ich eine komplexe Struktur vorfinde (in vielen Fällen wird durch Verzerrung noch eine nichtlineare, also quasi irrationale Ebene hinzugefügt), die ich mir zurechtstutzen kann, als wenn ich mir sozusagen alles selbst backen muss.

    Warum wurden aus den Neubauvierteln der 70er Jahre soziale Brennpunkte?

    Ornament sei gleichbedeutend mit Verbrechen.
    So proklamierte es Adolf Loos 1908 in seiner Polemik, die er übrigens tautologisch begründet. Die Grundbehauptung ist, dass der moderne Mensch, der hier fast wie der Übermensch Nietzsches anmutet, seine „geistige Kraft“ nur in der Ornamentlosigkeit begründen kann. Daraus spricht der Geist des 20sten Jahrhunderts, der neben dem positiven Willen, eine neue und bessere Welt zu erschaffen, immer auch diese destruktive Komponente hat: Wir müssen die alte Welt zunächst restlos zerstören.
    Es ist der Traum von der weißen Leinwand und der Traum von der schöpferischen Kraft aus dem Nichts.
    Was politisch zwingend sein mag (ein Systemwechsel ist nun mal nicht innerhalb des alten Systems durchführbar, man kann ihn nur darin vorbereiten), hat sich auf ästhetischem Gebiet zu einem Selbstläufer entwickelt, der mitunter seltsame Züge annimmt. So ist die nach dem zweiten Weltkrieg (durchaus mit einer gewissen Freude über die Zerstörung der alten Städte) ins Auge gefasste Gestaltung der „Stadt der Zukunft“ eine verschrobene Mischung aus dem Willen, einen neuen Menschen zu erschaffen, der so verheerende Kriege nicht mehr braucht und dem Vorhaben, Städte zu bauen, die einem solchen Krieg besser standhalten, indem sie schwerer zu bombardieren sind.
    Zurzeit sind wir an einem Punkt, an dem es so scheint, als sei dieser „weiße Leinwand“-Charakter, die Schmucklosigkeit der modernen Architektur doch nicht das, worin sich Menschen wohlfühlen. Ich habe, kurz gesagt, den Verdacht, dass das mit dem Unbehagen zusammenhängt, das uns angesichts einer tatsächlichen weißen Leinwand befällt. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es Menschen leichter fällt, sich von einem bestehenden Umfeld, das komplex ist, abzugrenzen, als sich zu einem Nichts, als Entwurf, hinzuzufügen. Ich behaupte hier, dass die Idee der schöpferischen Kraft aus dem Nichts ein Irrtum ist und ersetze sie durch die Idee der schöpferischen Kraft, die sich an dem, was sie vorfindet, definiert, indem sie es teilweise verneint.
    (Fußnote: mit großem Interesse verfolge ich die Entwicklung in China, wo nahezu alle Ideen der modernen Stadtplanung derzeit umgesetzt werden, mit Ausnahme des Verzichts auf das Ornament.)

    Was ist Inspiration?

    Der Schluss des Abschnittes über Stadtplanung nahm es schon vorweg: es geht letztlich um schöpferische Kraft und den Begriff derselben.
    Inspiration ist ein schwieriges Wort, weil es eigentlich behauptet, da gelange etwas von außen in uns hinein, ein Geist oder eine Art Gott gebe uns die Ideen ein: der Geist inspiriert, be-geistert uns.
    Tatsächlich ist aber ja andersherum so, dass etwas in unserem Kopf entsteht und sich äußert.
    Einen wahren Kern birgt die Idee der göttlichen Eingebung aber insofern, als wir uns nicht als Urheber der künstlerischen Idee wahrnehmen – etwas taucht auf, als wäre es uns eingegeben worden, weil sein Zustandekommen so chaotisch ist, dass es sich unserer bewussten Kontrolle entzieht.
    Sobald diese sogenannte Inspiration stattgefunden hat, kann man sagen, dass auch die Künstler, die scheinbar additiv arbeiten (weil sie mir einer leeren Fläche starten) mehr damit beschäftigt sind, diese Inspiration zu steuern, als konkret zu planen, was geschehen soll. Eine von Laien weit unterschätze Leistung ist hierbei, zu entscheiden, was nicht stattfinden soll. Es ist bei jedem Kunstwerk absolut entscheidend, was nicht darin vorkommt. Man könnte salopp sagen, wenn jemand etwas tut, weil er es kann, ist es noch keine Kunst, zur Kunst wird es, wenn Dinge nicht getan werden, obwohl man sie tun könnte, und zwar aus bestimmten Gründen.
    Es geht mir hier im Übrigen nicht darum, einen abschließenden Kunstbegriff zu formulieren, der als solcher natürlich viel komplexer gefasst werden müsste.
    Eine Facette meines Kunstbegriffes möchte ich hier allerdings betonen: seit ich mich mit Kunst beschäftige, gehe ich davon aus, dass das Wesentliche eines Kunstwerkes das ist, was zwischen den Zeilen steht. Das, was man nicht mit Worten beschreiben kann – der Grund für solche Sätze wie „Du musst es gesehen (gehört, gelesen) haben“.
    Es ist dies der Grund, warum ich überhaupt Kunst als Mittel der Kommunikation wähle:
    ich tue es, weil ich mit der von mir gewählten Kunstform Inhalte tragen kann, die sich nicht aussprechen lassen. Es versteht sich von selbst, dass diese Vorgänge teilweise irrational sind. Wenn ein wirklich großes Kunstwerk gelingt, lässt sich zudem meist nicht mehr sagen, was es genau bedeutet.
    Dies am Reißbrett zu entwickeln erscheint mir wie das eingangs beschriebene Vorhaben, einen Raum vorauszuberechnen: es ist nicht unmöglich, aber aufwendig und von begrenztem Nutzen. Selbst wenn es gelingt, dann meist, weil etwas Unvorhergesehenes geschieht, nicht etwa trotzdem.

    Was ist denn nun mit dem Ornament?

    Ich mache es hier wie Adolf Loos und greife das Ornament stellvertretend heraus, weil es für ein bestimmtes Konzept steht. Ich glaube ebenso wenig wie Loos, dass der Lauf der Welt sich groß von der Frage beeindrucken lässt, ob man das Ornament verwendet oder nicht. Der Kampf gegen das Ornament steht aber meines Erachten für einen grundlegenden Irrtum, den Loos und seine Mitdenker begangen haben, so klassenkämpferisch sie sich auch geriert haben mögen. Es ist nicht der Geist, der die Welt erschafft, die Welt bringt Geist hervor. Ersetzen wir den Begriff der schöpferischen Kraft durch den der gestalterischen Kraft und wir kommen der Sache näher.

    Ich habe in meiner Eigenschaft als Musikproduzent viel mit Künstler:innen zu tun gehabt, die von dem Willen getrieben sind, ein Vorbild zu erreichen.
    Daran ist nichts Ungewöhnliches und schon gar nicht Verwerfliches. Unsere Vorbilder inspirieren und motivieren uns, sie können uns Wege zeigen, die wir alleine nicht entdeckt hätten und obendrein geben sie uns eine gemeinsame Sprache – einen Horizont an Kontexten und Assoziationen, die uns und unser Publikum verbinden.
    Gerade im Bereich der Popmusik halte ich es für Quatsch, den Begriff des Plagiats als Vorwurf herumzuschleudern. Popmusik ist ein Plagiat per se, sie will und soll es auch sein.

    Einen Haken sehe ich an der Sache allerdings:
    Es ist eine Binsenweisheit der Erkenntnistheorie, dass die Wirklichkeit mit Sicherheit vielfältiger ist als das, was wir von ihr wahrnehmen. So ist es natürlich auch mit, sagen wir, Bob Dylan. Oder Slayer. Oder Kraftwerk. Wenn ich nun das, was ich von Kraftwerk wahrnehme als Grundlage dessen verwende, wie ich meine eigene Musik gestalte, habe ich es zwangsläufig mit einem kleinen Ausschnitt zu tun. Je mehr ich mich also bemühe, meinem Vorbild möglichst genau zu entsprechen, desto sicherer ist, dass meine künstlerische Aussage kleiner ausfällt als die des Originals.

    So theoretisch das zunächst daher kommt, so wahr erweist es sich in der Realität der Musikproduktion. So kommt es zu der scheinbar paradoxen Tatsache, dass Dilettantismus eine Musik bereichern kann, Virtuosität dagegen manchmal von Nachteil ist. Nämlich überall dort, wo die Vorbilder sehr klar sind. Je besser eine Band nun die Mittel beherrscht, dem Ausschnitt, den sie von ihrem Vorbild sehen, exakt zu entsprechen, desto ärmer wird die Musik.
    Die Dilettant:in hingegen kann das unverdiente Glück haben, durch reines Verfehlen des Ziels Ergebnisse zu erzielen, die selbst wiederum größer sind als das, was wir wahrnehmen.
    Das kann, so sie will, natürlich auch die Virtuos:in. Aber dann muss sie halt auf Vorbilder auch ein bisschen scheißen.

    Oder: Warum es sich lohnt, Dinge zu tun, mit denen man sich nicht auskennt

    Es ist so eine Sache mit der künstlerischen Absicht. Ich würde es so beschreiben, dass das Wissen darum, was die ‚Botschaft‘ eines Werkes sein soll, den Künstler selbst zu Teilen daran hindern kann, zu beurteilen, ob diese Botschaft auch wirklich vermittelt wird.

    Nehmen wir als einfaches Beispiel eine Sängerin, die einen emotional berührenden Text, sagen wir, über eine gescheiterte Liebe, schreiben will. Wenn diejenige nun nach der nahe liegenden Methode vorgeht, sich selbst in eine entsprechende Stimmung zu versetzen und die Inspiration dieses Moments zu nutzen, wird sie auch später die Worte, die ihr dann in den Sinn kommen, direkt mit dem Gefühl, das sie beim Finden dieser Worte hatte, assoziieren. Sie persönlich findet dann den Text allein schon deswegen emotional berührend, weil er sie an das Gefühl erinnert, das sie mit ihm ausdrücken wollte. Es besteht dann immer die Gefahr, dieses mittelbare Gefühl mit dem unmittelbaren ‚Gehalt‘ des Textes zu verwechseln.
    Nehmen wir nun eine Hörerin an, die von diesem Vorhaben nichts ahnt. Die hört den Text dann zum ersten Mal und hat eben diese direkte Erinnerung an das beabsichtigte Gefühl nicht. Ob der Text sein Ziel (dieses Gefühl zu erzeugen) erreichen kann, zeigt sich erst an diesem Punkt.

    Genannte Sängerin weiß natürlich darum und wird deswegen nach Formeln und Bildern suchen, die eine Brücke schlagen zwischen der eigenen Erfahrung und der Erfahrung anderer. Das Gelingen von Kommunikation hängt ja im Allgemeinen davon ab, ob es gelingt, diese Brücke zu schlagen.

    So weit so gut und nichts Neues.

    Was mich an der Geschichte interessiert, ist der Punkt, an dem die Unschärfe einsetzt: es gibt eben keinen klaren Gradmesser für ‚den eigentlichen Gehalt‘ des verfassten Textes außer eben dem Gefühl, das er hervorruft.
    Das liegt natürlich daran, dass dieser ‚eigentliche Gehalt‘ nicht real dem Text innewohnt, sondern in ihm nur dargestellt wird, und das immer mit Hinweisen, Bezeichnungen, Symbolen, die die Hörerin erst dechiffrieren muss. Die Kunst der Verfasserin besteht darin, die Darstellung so zu wählen, das sie sich dechiffrieren lässt – beziehungsweise eine Unterscheidung zu treffen zwischen dem, was sie als Grundlage für den Text nimmt und dem, was diesem Text potentiell zu entnehmen ist, wenn man eben um diese Grundlage nicht weiß. Letzteres ist dann der ‚eigentliche Gehalt‘.

    Es gibt einen ähnlichen Mechanismus, der mir häufig begegnet, wenn ich mit Musikern zu tun habe, die Songs schreiben und ausarbeiten.
    Als einfaches Beispiel nehmen wir mal ein paar Jungs an, die sich zum Ziel gemacht haben, so geil zu rocken wie AC-DC. Was sie da eigentlich wollen, ist:
    in ihren Hören das Gefühl erzeugen, das sie selbst haben, wenn sie AC-DC hören.

    Wäre die Band in meinem Beispiel eine Coverband, wäre der Auftrag einfach auszuführen. Es ist nun aber so, dass die Musiker nicht AC-DC Songs spielen wollen, nein, sie wollen ja ihre eigene Musik schreiben, und die soll dann halt ’so geil sein‘ wie AC-DC.
    Die Gefahr, die oben anhand der Texterin zwar sichtbar, aber harmlos war, nämlich, dass man die Absicht mit dem Produkt verwechseln könnte, ist hier deswegen sehr real:
    Diese Musiker haben jeweils AC-DC in einer bestimmten Lebenssituation für sich entdeckt und eine Begeisterung verspürt, die viel mit der eigenen Situation und dem Status und Symbolwert von AC-DC selbst zu tun hat. Die unter Musikern weit verbreitete Hoffnung, es genüge, einem Idol nachzueifern, um auch nur annähernd dasselbe Gefühl zu erzeugen, das sie selbst bei dessen Entdeckung hatten, ist fatal.
    Was bestenfalls dabei herauskommen kann, ist eine Reproduktion der Erinnerung: auch die nacheifernde Band kann in ihren Hörern das selige Gefühl erzeugen, an das ursprüngliche Gefühl erinnert zu werden. Das Gefühl heisst aber nicht, wie im Ursprung „boah geil, was ist das denn?“, sondern „hey super, erinnert mich an…“.

    Wir haben also eine doppelte Chiffrierung:
    Haben die eigentlichen AC-DC noch ein einfaches Chiffre benutzt, das in ihren Hörern eine bestimmtes Gefühl (sagen wir, von Jugendlichkeit und Kraft) direkt erzeugt, lösen die Epigonen lediglich eine Erinnerung an die Erzeugung dieses Gefühls aus. Wer AC-DC nicht kennt, wird dieser anderen Band, die so sein will, sicher irgendein Gefühl entnehmen können, aber eben nicht das beabsichtigte, weil ihm der Link fehlt.
    Neben dem Punkt, den ich in meinem Blogbeitrag „Vorbilder“ schon herausgearbeitet habe (nämlich dass jede Kopie die wichtigste Eigenschaft des Originals, nämlich ein Original zu sein, niemals kopieren kann), kommt also bei den Epigonen meist eine weitere Eigenschaft zum Tragen – eine Art Verdünnung. Je nach dem, welchem Vorbild man da nacheifert, besteht die Musik dann in einem Verweis auf einen Verweis oder schlimmer.

    Es gibt einen Weg da raus:
    Entscheide ich mich absichtlich, Songs zu schreiben, die einem Genre angehören, in dem ich mich nicht auskenne, kann ich in gewissen Grenzen der Falle entgehen. Weil ich dann, wenn ich die Verweise selbst nicht kenne, eher in der Lage bin, nachzuspüren, ob denn die Musik eine unmittelbare Botschaft trägt oder nicht.
    Ich finde, genau das wird viel zu selten gemacht.

    Menschen, die nicht regelmäßig auf ihre eigene schöpferische Leistung angewiesen sind, neigen dazu, diesen Akt zu mystifizieren.
    Das mag daran liegen, dass er im Verborgenen geschieht – gesehen wird meist nur das Ergebnis, in Form einer „Idee“. Es liegt mit Sicherheit auch daran, dass wir zwar alle die Fähigkeit haben, schöpferisch zu wirken, aber nicht alle dies auch oft tun.
    Bei denjenigen, die wenig Übung darin haben, fühlt sich das dann so an wie eine Eingebung – da taucht in meinem Bewusstsein etwas auf, als sei es ohne mein Zutun entstanden.

    Ich selbst habe so meine ersten Songs geschrieben: ich versuchte mich in eine Stimmung zu versetzen, die meine Kreativität beflügelt und habe dann gewissermaßen die Ideen „geerntet“, ohne eine Kontrolle darüber zu haben, ob Ideen kommen würden und welche.
    Das hat in der Tat etwas Geheimnisvolles.
    Aus dieser Erfahrung hatte sich bei mir schnell die Auffassung gebildet, dass es zweierlei Ideen gibt, die „inspirierten“ und die „konstruierten“ – erstere schienen mir weit überlegen. Ein nahe liegender Schluss, da doch das Konstruieren einer Tonfolge so viel handwerklicher aussieht als man die hehre Kunst gern sähe.
    So ist es dann auch nicht weit zur Vermutung, dass die eigenen Ideen aus einem Gefühl heraus geboren werden (gut), die Ideen anderer Leute jedoch konstruiert seien (schlecht).

    Heute ist mir klar, dass ich in diesem Punkt irrte.
    Der Irrtum ist sicher darin begründet, dass ich die Rolle, die meine Intuition spielt, zwar wahrgenommen, aber falsch eingeschätzt hatte.
    Ich sehe heute den Vorgang, der sich abgespielt hat, wann immer ich mich als Teenager ans Klavier gesetzt habe, in etwa so:
    in Momenten, in denen es mir gelang, einen Zugang zu meinem Gefühl zu finden, war es mir möglich, Musik zu erfinden, die diesem Gefühl entsprach. Dabei spielte sich in mir ein komplexer Vorgang des Abwägens, Erinnerns und Urteilens ab, der weitgehend unbewusst geschah, wie es bei Intuition üblich ist. Bewusst war mir das Ergebnis dieser Arbeit: ein Gefühl dafür, wie der nächste Ton, der nächste Akkord klingen soll. Ich musste ihn dann nur auf dem Klavier finden.
    Diesen inneren Entwurf des nächsten Akkords habe ich nun nicht erfunden, ich habe ihn irgendwo in meiner Erinnerung entdeckt und als meinem Gefühl entsprechend ausgewählt.

    Entgegen meiner ursprünglichen Befürchtung, dass zu viel Wissen über das, was ich da tue meiner Inspiration abträglich sein könnte (es besteht ja die Gefahr der „Konstruiertheit“) habe ich mir inzwischen ein Basiswissen über Komposition angeeignet und festgestellt, dass die Intuition beim Finden von Ideen überhaupt nicht gebraucht wird.
    Ich brauche die Intuition bei der Bewertung der Ideen.
    So kann ich den kreativen Prozess in zwei Phasen aufteilen:
    1) ich entwickle eine oder mehrere mögliche Lösungen für die gestellte Frage, etwa die nach dem nächsten Akkord. Das kann ich tun, indem ich auf eine Eingebung warte, der Harmonielehre folge, einen zufälligen Akkord anschlage oder meine Großmutter um Rat frage.
    2) Ich entscheide, welche der in Frage kommenden Lösungen dem Gefühl entspricht, das ich anstrebe.
    Dabei können Hindernisse auftreten. Ich kann beispielsweise in eine Situation geraten, in der mir nichts Passendes gelingt, weil ich zu wenige Möglichkeiten habe. Das ist eher selten.
    Häufiger kann es vorkommen, dass ich so viele Optionen habe, dass es schwer fällt, sich für eine zu entscheiden.
    Die häufigste Ursache für das Scheitern meiner Bemühungen wird aber sein, dass es mir nicht gelingt, das richtige Gefühl zu finden. Insofern sind wir am Ende der Betrachtung doch wieder beim Gefühl, aber mit einem wesentlichen Unterschied:
    Das Gefühl bringt nicht die Idee hervor – es lässt mich aber die gute Idee erkennen.

    Wenn man sich, wie nahezu alle Menschen, mit denen ich zu tun habe, regelmäßig mit Kunst in irgendeiner Form beschäftigt, mutet es zwar irgendwann langweilig an, sich mit der Frage auseinander zu setzen, was denn diese Kunst nun eigentlich zur Kunst macht.
    Nichtsdestotrotz ist es mir immer wieder ein Rätsel, und ab und zu habe ich kurz eine Ahnung, wie ich diese Frage beantworten könnte.

    Ich behaupte hier, dass die wesentliche künstlerische Leistung darin besteht, etwas zu unterlassen.
    Gerade wenn ich versuche, für mich persönlich Relevanz von Banalität, Kunst von Handwerk zu unterscheiden fällt mir auf, dass es offenbar ein Merkmal der naiven Gestaltung ist, Dinge hauptsächlich deshalb zu tun, weil man dazu in der Lage ist.
    Ich habe etwas gelernt und möchte nun zeigen, was ich kann.
    Dass die ‚wahre‘ Kunst hinter dem bloßen Können liegt, ist freilich ein Gemeinplatz – man sagt, dass es nur nötig sei, die Kunstfertigkeit zur Perfektion zu treiben, um dann im nächsten Schritt dieses Können gezielt einzusetzen, auch und gerade indem man es über Bord wirft. Der wahre Künstler, so habe ich es in der Schule gelernt, ist derjenige, der über sein Können erhaben ist. Diese Logik hat eine einfache Formel:

    – Ich lerne zunächst, wie man es ‚richtig‘ macht
    – Ich emanzipiere mich davon
    – Ich mache es absichtlich ‚falsch‘.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es überhaupt kein Problem darstellt, den ersten Schritt zu überspringen. Gerade die Möglichkeiten der heutigen Technik legen nahe, gar nicht erst all die Fähigkeiten zu erlernen, die man letztendlich dann bewusst brachliegen zu lassen gedenkt. Mein Computer bietet mir viele Optionen, etwas perfekt zu machen, die ich zwangsläufig ignorieren muss: nutze ich sie alle, öffne ich der Beliebigkeit Tür und Tor.

    Ich schlage also vor, das oben vorgestellte Konzept zu überdenken und die Reihenfolge zu ändern:

    – Ich sehe mir genau an, was es für Mittel gibt, etwas gestalten
    – Ich wähle einige davon bewusst aus und lege damit auch gleich fest, was ich nicht tun will.
    – Ich lerne nur diese Mittel zu gebrauchen

    Ich bin der Ansicht, dass dieser Weg zeitgemäßer ist als die alte Schule, die uns noch nahelegte, erst so viel wie möglich zu lernen und sich dann davon zu befreien. Und ich bin der Ansicht, dass es für alle, die in irgendeiner Weise gestalterisch tätig sein wollen, eine sehr gute Leitlinie darstellt:
    von der Idee auszugehen und die Mittel sich anhand dieser Idee anzueignen.
    Mache ich es andersherum (ich lerne eine bestimmte Technik und überlege mir dann, was ich damit anfangen kann), heisst das zwar nicht, dass dabei nichts Spannendes herauskommen kann.
    Aber ich mache es mir unnötig schwer, wenn es gilt, sich nicht zur Marionette der Möglichkeiten zu machen.

    Wir erwarten ja von einer Künstlerpersönlichkeit vor allem eines:
    eine Handschrift. Unabhängigkeit, Individualität.
    Und gerade diese wird in der Abgrenzung deutlich. Etwas zu lernen und daraufhin zu tun ist noch keine Botschaft an die Welt.
    Etwas absichtlich nicht zu tun, obwohl man es tun könnte, oder es hätte lernen können, das bedeutet Abgrenzung.
    In einem Interview mit der Band OMD habe ich vor Jahren das Statement gelesen, dass ein eigener Stil durch Unfähigkeit definiert wird. Ich fand immer, dass dieser Satz wahr ist. Eine solche Unfähigkeit kann bewusst gewählt werden.
    Und ich fand immer, dass diese Sichtweise, Künstler eben nicht darin zu erkennen, was sie können (bzw. tun), sondern in dem, was sie nicht können (bzw. tun), der Realität sehr nahe kommt.

    Kunst ist das, was sie nicht ist.

    Kontrollverlust
    Opulenz
    Rausch
    Einswerdung

    Glück

    Ich spanne im Folgenden einen großen Bogen. Dabei beginne ich mit einer einfachen Formel für das, was wir Glück nennen. Sicher hat der Begriff viele Bedeutungen – Ich meine hier nur den Zustand, in dem ein Mensch sich persönlich glücklich fühlt. Ich behaupte, dass dieses Glücksgefühl immer etwas mit dem Gefühl der Einswerdung zu tun hat.
    Das ist eine alte Idee, die im buddhistischen und teilweise im esoterischen Kontext als eine Form des Solipsismus kursiert: die Vorstellung, die Welt bestehe eigentlich aus einem einzigen Wesen. In den Momenten, so das Konzept, in denen ich als Mensch dies verspüre (und nicht der Täuschung erliege, ein Individuum zu sein), empfinde ich echtes Glück. In der monotheistischen Mythologie findet sich ein ähnliches Konzept in der Verstoßung aus dem Paradies: das Unglück des Menschen besteht vereinfacht gedacht im Bewusstsein, das den Menschen von der Natur trennt.
    An vielen anderen Beispielen lässt sich darstellen, wie die Auflösung des individuellen Bewusstseins – z.B. im Drogenrausch – oder zumindest das Bauen von Brücken zwischen Individuen, wie in der Liebe, zu Glücksempfindungen führt. Nicht umsonst gibt es im religiösen Kontext häufig neben der Ablehnung von Sex und Drogen die Ablehnung von Kunst und Musik, weil sie zwar durchaus als Wege zu Gott gedeutet werden, aber eben zum falschen Gott: ein Götzendienst.

    Einswerdung und Musik

    Musik spielt in dieser Gemengelage dann auch eine wichtige Rolle. Sie dient an unterschiedlichsten Stellen dazu, die Trennung des Individuums von der Einheit der Welt abzumildern, bis hin zu seiner scheinbaren Aufhebung.
    Zwei Punkte erscheinen mir dabei besonders zentral:
    1) Musik vermittelt Gefühle ohne Worte, wir haben es also mit einer direkteren Verbindung zwischen Menschen zu tun, als sie in der sprachlichen Vermittlung möglich ist, wenn auch die Mittel der Kommunikation vergleichsweise begrenzt sind. Es ist so, als wäre die babylonische Sprachverwirrung aufgehoben und die Menschheit spräche eine Sprache (bei genauerer Betrachtung der „Sprache“ der Musik muss man das freilich relativieren).
    2) allein der Rhythmus hat über seine schiere Körperlichkeit etwas Verbindendes, und zwar in zweierlei Hinsicht: im Tanz ist es sowohl einzelnen Menschen möglich, in einen Zustand der Trance zu geraten, der im Grunde eine Einswerdung mit der Welt durch die Musik bedeutet als auch Gruppen von Menschen, zu einer Einheit zu verschmelzen.
    Musik hat nun, wie ja Kunst im Allgemeinen, nicht immer die Absicht, ein Glücksgefühl zu erzeugen, sondern kann als verstörendes Element eingesetzt werden (und das ist ein wichtiger und spannender Teil von Kultur), aber der unter dieser Haube liegende Motor, der dieses Element antreibt, ist immer noch die verbindende Kraft der Musik, dann sozusagen im Rückwärtsgang.
    Die grundlegende gesellschaftliche Funktion von Musik besteht im Bau von Brücken und letztlich, wenn wir der obigen Idee folgen:
    in der Erzeugung von Glück.

    Damit haben wir jetzt ein weites Feld, aber noch keinen großen Bogen. Der folgt sogleich.

    Paradies vs. Zivilisation

    Ein unsere Kultur grundsätzlich bestimmendes Spannungsfeld besteht zwischen dem, was wir als natürlich und dem was wir als künstlich empfinden. Das steht in direktem Zusammenhang mit dem Konzept der Trennung von Mensch und Natur. In der monotheistischen Mythologie steht zunächst einmal der Sündenfall als Auffassung, die Trennung von Mensch und Natur gelte es zu überwinden, im Leben nach dem Tode oder nach der messianischen Idee in einer künftigen paradiesischen Gesellschaft auf Erden.
    Direkt dagegen steht gleichzeitig das Gebot der Beherrschung der Natur durch den Menschen, der Frau durch den Mann, des Körpers durch den Geist – ein Gebot der Trennung. In der Assoziation von Satan, Natur, Weiblichkeit, Versuchung im Gegensatz zu Gott, Kultur, Männlichkeit, Geist wird etwas deutlich, was sich auch in der Musikgeschichte stets ablesen lässt: die Angst des State of the Art vor dem Kontrollverlust.
    Es liegt auf der Hand, dass die traditionelle Abwertung sogenannter primitiver Musik einher geht mit der Definition der Herrschaft des Geistes über den Körper als gottgefällig¹.

    Kontrollverlust

    Kontrollverlust liefert brave Männer der Versuchung aus, dem Weibe, dem Satan. Wir müssen standhaft bleiben. Negermusik gefährdet unsere Zivilisation. Dieser Begriff von Kultur ist sowohl sexistisch als auch rassistisch.

    „Primitive“ Musik nun, die an unsere niederen Instinkte appelliert, birgt nicht nur die Gefahr des Kontrollverlustes in dem Sinne, dass sie durch ihre Unmittelbarkeit die Herrschaft des Geistes über den Körper infrage stellt.
    Gerade in der nicht intellektualisierten Musik, die Menschen ohne entsprechende Vorbildung erreichen will, stoße ich immer wieder auf ein schwer zu greifendes Moment, das ich Genialität nennen würde, wäre dieser Begriff nicht aufgrund seiner genderbezüglichen Fragwürdigkeit unbrauchbar (d.h. es gibt eine starke Tradition, genialität als männlich zu sehen²). Dieses „geniale“ Moment ist jedoch klar sichtbar, wenn wir uns zum Beispiel nach dem Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten DJane fragen. Eine gute DJane hat nicht nur die richtigen Songs im Gepäck, sie hat auch ein gutes Gespür dafür, was in diesem Moment in der Luft liegt. Sozusagen eine intuitive Verbindung zur Masse. Diese Intuition, im Konzept der Inspiration ursprünglich nicht zu Unrecht als Nähe zu Gott interpretiert, ist nun ein Kontrollverlust für sich.
    Elitäre Kreisen mögen nun die Nase rümpfen ob der Primitivität dieses Gefühls; Dem Bewusstsein, dass das ja keine große Kunst sei, folgt so gut wie nie der Beweis. Man kann in diesem Punkt „primitiv“ nicht mit „kann ich auch“ gleichsetzen: kein noch so ambitioniertes Studium der Theorie vermittelt die Fähigkeit, einen Dancefloor zum Kochen zu bringen.

    Opulenz und Rausch

    Wir haben es hier mit einem irrationalen Faktor zu tun, der mich schon immer fasziniert hat: Wenn ich als Musikschaffender nicht den Geist, sondern den Körper ansprechen will, bin ich zu einem großen Teil auf meine Fähigkeit angewiesen, den Kopf auszuschalten oder zumindest mit chaotischen Elementen zu hantieren. Das bedeutet, dass der teilweise Kontrollverlust nicht nur das Ziel ist, sondern auch der Weg.
    Ich sehe kein Problem darin, die Popularität von Übersteuerung in der Popmusik in diesem Kontext zu sehen:
    Technisch gesehen ist eine Verzerrung durch Übersteuerung ein nicht-linearer Vorgang, das heißt, dass er mathematisch irreversibel ist und das aus einem einfachen Grund: er ist irrational. Für eine Übersteuerung kann ich keine Rechenvorschrift entwickeln, die sich rückwärts abwickeln lässt. Die meisten klanglichen Veränderungen lassen sich rein und raus rechnen, so etwa Frequenzgang und Phasenlage, weil es greifbare Faktoren gibt. Bei einer Übersteuerung hingegen werden chaotische Obertöne erzeugt. Gedanklich gesehen ist eine Übersteuerung also ein absichtlicher Kontrollverlust auf technischer Ebene. Wer mit übersteuerten Signalen hantiert, begibt sich sozusagen ins Reich Satans.
    Opulenz und Rausch stehen nicht ohne Grund in der europäischen Tradition in engem Zusammenhang mit der Versuchung: ein kalkulierter Kontrollverlust in der Erschaffung von Musik bewirkt in diesem Fall eine Opulenz, die am anderen Ende ein Gefühl von rauschhafter Verschmelzung erzeugt. Mit der Idee, dass die Askese, also die Vergeistigung den einzig gültigen Weg zur Einswerdung (oder auch zu Gott) darstellt – wie sie nicht nur im nahen und fernen Osten, sondern auch in der protestantischen Ethik eine Rolle spielt, hat das nicht viel zu tun.
    Neben der Übersteuerung gäbe es andere Felder, anhand derer sich die tragende Bedeutung des Kontrollverlustes in der nicht intellektualisierten Musik illustrieren lässt, wie zum Beispiel Improvisation oder die positiven Effekte des schieren Unvermögens³.

    Am Ende bleibt mir jedenfalls das sichere Gefühl, dass ein enger wechselseitiger Zusammenhang zwischen Askese, Sexismus, Rassismus, Gott und Glück einerseits und Opulenz, Kontrollverlust, Satan und Glück andererseits besteht. Das ist der große Bogen.

    Was hat der Pachelbel-Kanon mit Rassismus zu tun? Manchmal nutze ich diesen Blog ja, um ein Unwohlsein zu fassen zu bekommen, wenn ich den Verdacht habe, dass ein Urteil, das über irgendwelche Aspekte kursiert, ergänzungsbedürftig oder falsch ist.
    Hier beziehe ich mich auf die öfters zur Schau gestellten drei oder vier Akkorde, auf denen so viele Welthits der Popmusik basieren und die immer wieder als „Beleg“ dafür herhalten müssen, dass es mit diesen Songs also nicht weit her sei.
    Das kann man so sagen, wenn man sich gerne als jemand profilieren möchte, dem das zu primitiv ist – zu sehr viel mehr taugt es nicht.

    Eine genaue Analyse der klassischen Harmonielehre und ihrer Geschichte kann ich hier nicht leisten – nichtsdestotrotz behaupte ich, dass keinesfalls die Komplexität oder Menge der grundlegenden Akkorde bewirken, dass Werke der Klassik weniger einfach anmuten als die meisten Popsongs. Auch Werke, die wir als hochkomplex empfinden, basieren auf ein paar einfachen Akkordwechseln, die unzähligen anderen Werken ebenfalls zugrunde liegen.
    Der Unterschied zur Popmusik besteht nicht in der harmonischen Basis, ein Werk von Mozart basiert nämlich nicht auf mehr oder komplizierteren Akkorden als ein Song von Britney Spears.
    Der Unterschied besteht in der Rolle der Variation.
    In einer (europäischen) klassischen Komposition ist der Wille maßgeblich, Wiederholungen zu vermeiden. Es werden zwar größere Strecken als solche wiederholt, man bemüht sich aber, strukturbedingte Wiederholungen (z.B. Spannungsaufbau, gefolgt von Auflösung in die Tonika) innerhalb dieser Teile mit Variationen zu verdecken. Es gibt immer eine klare und einfache Struktur, die sich über jeweils einen Satz erstreckt – dem Hörer wird ja durchaus nicht jeden Takt etwas Neues präsentiert, weil diese Musik (in Abgrenzung zum Geräusch) auf Themen basiert, die der Komposition ihre Unverwechselbarkeit und Struktur geben. Der klassische Komponist bemüht sich nun nach Kräften, dieses Thema zu variieren und bewegt sich dabei möglichst weit weg von der einfachen Schleife.
    In der romantischen Klassik führt das soweit, dass die grundlegende Akkordstruktur einer Komposition so stark überdeckt wird, dass sie für den Laien nicht mehr nachvollziehbar ist.
    Die Struktur dient so als Rahmen für die Variation.
    Die Zielsetzung von moderner Popmusik in diesem Punkt genau entgegengesetzt: die Schleife wird möglichst plakativ in den Vordergrund gestellt und die Ausgestaltung zielt darauf, die Aufmerksamkeitsspanne des Hörers soweit zu dehnen wie möglich, damit die Wiederholung ohne Ermüdung funktioniert. Gerade bei Tanzmusik ist es die Schleife, die die Kraft der Musik erzeugt.
    Die Variationen dienen dieser Struktur als Stütze.

    Diesen Umgang mit Schleifen haben wir unter anderem dem starken Einfluss afrikanischer Musik auf die moderne Popmusik zu verdanken.
    Im Umgang mit afrikanischer Kultur und Geschichte steht nun seit je her diese willkürliche Setzung im Raum, dass das was weiße Menschen tun „zivilisiert“ sei, im Gegensatz zu dem, was schwarze Menschen tun;
    Man kann also die Annahme, dass Musik, bei der Variationen nicht dazu verwendet werden, die zugrundeliegende Wiederholung bekannter Schemata zu verdecken, primitiv sei (oder einfacher formuliert „guck mal, das ist alles eigentlich der selbe Song“), durchaus als unbewussten verlängerten Arm eines rassistischen Urteils betrachten.

    Wenn man diesem Gedanken folgt, lässt sich auch eine Verbindung zur Naturfeindlichkeit der monotheistischen Religionen erkennen: die Schleife spricht den Körper direkt an oder führt über eine Art Mantra-Effekt zu einer Trance-ähnlichen Stimulation. Das entspricht nicht dem abendländischen Ideal von Vergeistigung und Verleugnung der Körperlichkeit. Hier findet sich der logische Unterbau der Abwertung schleifenbasierter Musik, als Variante der Behauptung, Körperlichkeit sei primitiv.

    P.S. ja, der Begriff des Ornaments spielt auch eine Rolle. Man könnte die moderne Popmusik auch abgesehen vom Einfluss afrikanischer Kultur einfach als in dem Sinne modern bezeichnen, als sie auf das Ornament verzichtet – in dem Sinne, in dem auch die moderne Architektur Strukturen unverhüllt präsentieren will. Der Vergleich hinkt jedoch, weil das Ornament keinen Gegensatz zur Wiederholung darstellt: es besteht daraus.

    Ich stelle in letzter Zeit immer wieder fest, dass ich die wiederkehrenden Diskussionen über das spielerische Können von Musikern, an denen ich mich gerne rege beteiligt habe, ermüdend finde.
    Ich finde es daher sinnvoll, meinen in diesen Diskussionen gewonnenen und erweiterten Standpunkt an dieser Stelle aufzuschreiben, auch damit ich selbst mehr Klarheit darüber bekomme.

    Dabei verzettel ich mich ein bisschen, weil es ein weites Feld ist – kurz: mein Grundanliegen ist es, klarzustellen, dass die Qualität von Musik im Inhalt besteht, nicht in der Form. Das scheint mir insbesondere wichtig zu sein, seit Popakademien die Welt mit sehr gut gemachter, aber inhaltlich uninteressanter Musik fluten.

    Kunst und Können

    Mein Kunstbegriff ist simpel: ich behaupte, dass alle Kunst eine Form der Kommunikation ist.
    Die meiste Kommunikation, die wir bewusst wahrnehmen, geschieht über sprachliche Mittel, die prinzipiell den Verstand ansprechen.
    Visuelle Kunst und Musik eröffnen einen Weg an der Sprache vorbei und sind daher fähig, Inhalte auf andere Weise zu transportieren, wenn nicht gar andere Inhalte zu tragen. Wir haben jetzt mehr als ein Jahrhundert hinter uns, in dem die Relation zwischen Kunst und Können sehr intensiv in Frage gestellt und neu definiert wurde.
    Das führte in der bildenden Kunst zum der Allgemeinplatz, dass Kunst dann »richtige« Kunst ist, wenn sie sich vom Anspruch an die handwerkliche Umsetzung mindestens emanzipiert hat. Hier ist der Spruch »Kunst kommt von Können« schon lange ein Witz – de facto haben wir sogar mit dem Phänomen zu tun, dass handwerkliches Können dem Anspruch, ein Werk als »echte Kunst« darzustellen eher im Wege steht.
    Dass diese Sichtweise sich bei der akustischen Kunst bei Weitem nicht so grundsätzlich etabliert hat, mag daran liegen, dass Musik sich nie so vollständig vom Dienstleistungsprinzip gelöst hat wie die visuelle Kunst.

    Musik hat freilich immer ein bewegendes Element: Musik löst Gefühle aus, also findet eine Kommunikation irgendeiner Art auf jeden Fall statt. Doch wie entscheidend bestimmt die Kunstfertigkeit des Musikers deren Intensität und Inhalt?

    Die Interpretation eines klassischen Musikstücks erfolgt nach strengen Regeln, die höchste technische Versiertheit erfordern. Persönlicher Ausdruck ist unverzichtbar, aber nachgeordnet. Im Jazz wird das oft ähnlich gesehen, ich denke aber, dass die Grundidee des Jazz nicht im Musikstudium zu finden ist, sondern ein Konzept des persönlichen Ausdrucks in der Improvisation darstellt, der zwar technisches Können voraussetzt, selbst aber prinzipiell vorrangig ist.

    Pop und Können

    Popmusik verfolgt klare Ziele: sie will Stimmungen schaffen, anregen, unterhalten, tanzbar sein.
    Hier begegnen wir tatsächlich einer Trennung von Kunstfertigkeit und dem Gehalt der Kunst, aber es ist uneindeutig, ob die Form wesentlich ist oder deren Inhalt.
    Die Popmusiksparten, in der die Emanzipation des Inhalts von gut-gemacht-sein der Form tatsächlich stattgefunden hat, sind wenige: genannt seien hier Punk und House. In beiden Fällen trägt die handwerkliche Ausbildung des Interpreten nichts zum Gelingen des künstlerischen Vorhabens bei.
    In anderen Fällen hat sich die Form vom Inhalt gelöst und stellt ihn in den Schatten, so dass der Wert einer Musik sich vorrangig darüber definiert, wie kunstfertig sie gespielt ist.
    Zunächst ist natürlich ein Mindestmaß an Können die Vorraussetzung dafür, dass der musikalische Vortrag überhaupt stattfindet.
    Auch schützt Unvermögen durchaus nicht vor Ergebnissen, die keinen kommunikativen Wert haben. Und selbstverständlich kann ein technisch hervorragend geschulter Musiker einen bewegenden Vortrag hinlegen, wenn er Inhalte zu vermitteln weiß.
    Seine Ausbildung selbst ist es allerdings, die ihm die größten Steine in den Weg legt:

    Erstens findet das viele Üben stets ohne Publikum statt, also jenseits von Kommunikation. Die Nicht-Kommunikation wird also sozusagen gleich mit eingeübt.
    Zweitens gibt die technische Ausbildung am Instrument einer universelle Verwendbarkeit und Prüfbarkeit den Vorzug gegenüber persönlicher Eigenart. Ein guter Musiker weiß das und verwendet daher einige Energie darauf, seinen Ausdruck bzw. Stil zu finden und zu erhalten.
    Intuition spielt dabei eine Schlüsselrolle.
    In keiner Ausbildung der Welt wird Intuition direkt vermittelt, sondern stets die Grundlage dafür, Erfahrung zu sammeln, die zu Intuition führt. Dies zu tun, bleibt dem ungelernten wie dem studierten Musiker gleichermaßen selbst überlassen.

    Praxis

    Weshalb liegt der Fokus dennoch so oft auf dem rein technischen Können?
    Ein Grund mag sein, dass das eigentliche Wesen von Kunst, die Kommunikation, nicht als Ziel wahrgenommen wird.
    Das Ziel, das die meisten Bands verfolgen, ist ebenso unscharf wie inhaltslos:
    erfolgreich möchte man sein.
    Worin dieser Erfolg bestehen soll, ist scheinbar klar, er wird gemessen an der Resonanz der Öffentlichkeit. Dabei ist das ja gar nicht der eigentliche Erfolg des Vorhabens, es ist ein bloßer Gradmesser.

    Es ist eine kapitalistische Eigenart, den Zweck eines jeden Dings hinter der Maske seines wirtschaftlichen Erfolges zu vergessen, um das schlichte Vorhandensein eines (wegen des eigentlichen Zweckes zustandekommenden) Tauschhandels für dessen Wert zu halten. Wenn wir erstmal so weit sind, dass die schiere Vermittelbarkeit, der Verkauf, das Ziel darstellt, spielt es scheinbar keine Rolle mehr, ob wirklich eine Kommunikation stattgefunden hat zwischen Künstler und Zuhörer.
    Es scheint so, als sei es möglich, wie bei anderen Dingen des täglichen Bedarfs, mit dem simplen Argument der Qualität Käufer für ein Produkt zu finden: gut gemacht und preiswert verkauft sich, da ist es nur noch eine Frage der Vermittlung.
    Die Krux ist: wir haben es auf der Konsumebene mit Banausen zu tun, die wissen ja nicht, ob etwas gut gemacht ist, die wissen nur, ob es sie berührt oder nicht.
    Diese Banalität sorgt dann oft für Verbitterung seitens derer, die so viel Energie investiert haben, wirklich gut gemachte Musik anzubieten.

    Letzthin wundert mich das, manchmal freut es mich auch, weil es zeigt, dass es Hoffnung gibt.

    Ich begegne bei meiner Arbeit häufig einem bestimmten Zusammenhang, der zwar etwas unscharf ist, jedoch hilfreich sein kann, wenn es darum geht, Begrifflichkeiten, Gefühle und auch künstlerische Entscheidungen zu erfassen.

    Authentizität

    An erster Stelle steht die Erkenntnis, dass es in der Kunst so etwas wie Authentizität nur scheinbar gibt.
    Das liegt ganz einfach daran, dass Wahrhaftigkeit oder »Ehrlichkeit« z.B. einer Musik nicht objektiv in der Kunst liegt: es ist von außen nicht erkennbar, ob sie tatsächlich gegeben ist oder nicht. Was zutage tritt, ist nur das Erscheinungsbild, die subjektive Beurteilung des Hörers.
    Das führt in den meisten Fällen dazu, dass für wahr gehalten wird, was das Publikum versteht und für artifiziell, was sich dem Verständnis des Publikums entzieht. Deswegen gelingt es oft nur, einen wirklich authentischen Eindruck zu erwecken, wenn man sich mindestens insofern verstellt, als man sich reduziert.
    Im Wunsch nach Authentizität verbirgt sich außerdem die Sehnsucht nach dem aufrechten, ungebrochenen Menschen, der allerdings ein Idealtypus ist, an diesem Punkt wird es also paradox: als authentisch wahrgenommen wird zumeist eben nicht die Deckung mit der Wirklichkeit, sondern die Deckung mit dem Klischee meiner Wahl.
    Nun gibt es ja Musik, die den Anspruch artikuliert, »ehrlich« zu sein. Abgesehen davon, dass diese Behauptung in erster Linie einen Vorwurf an andere Musikrichtungen darstellt (eben »gelogen« zu sein), ist da nicht viel dran. Es ist ja in jedem Fall eine Performance, eine Show, die da stattfindet – der Unterschied besteht in der Haltung. Und da wird es interessant.

    Gender

    Gesetzt, es sei eine traditionell weibliche Rolle, sich als das zu definieren, was frau »aus sich macht«, während es eine als männlich empfundene Haltung ist, seinen Selbstwert aus dem zu beziehen, was man meint zu »sein«.
    Ablesen ließe sich das am unterschiedlichen Wert, den traditionell z.B. Kleidung oder beruflicher Erfolg haben: es entspricht durchaus gängigen Klischeevorstellungen, wenn man es als weibliche Seite eines Mannes ansieht, dass er sich z.B. gerne schmückt oder als männliche Seite einer Frau, wenn sie eine Führungsposition beansprucht.
    (Diesen Stellenwert des äußeren Scheins erklärt de Beauvoir aus der klassischen Rolle der Frau als Objekt und darüberhinaus den in der Beherrschung der Frau durch den Mann verwirklichten Wunsch nach Beherrschung der Natur: daher die angestrebte Künstlichkeit.
    Susan Faludi spricht von einer ornamentalen Kultur des medialen Zeitalters, das sie, dieser Logik folgend, als weiblich einordnet.)
    So lässt sich eine Situation erkennen, in der Männer, die Musik machen, vor der Wahl stehen, zu behaupten, sie seien wirklich das, was man da sieht, oder aber eine weiblich bestimmte Rolle anzunehmen.
    Zuweilen, etwa im Hair Metal, wird auch alles bunt gemischt: da ist es gleichermaßen »klar«, dass es sich wirklich um harte Jungs handelt wie dass die verkleidet sind, obendrein womöglich geschminkt. Ehrliche Rockmusik ist es trotzdem.
    Dieses Beispiel deutet an, dass es zu kurz gedacht wäre, popkulturelle Phänomene aus den folgenden Kategorien erklären zu wollen, weil die Aspekte, die dort in ästhetische Entscheidungen einfließen, meist unreflektiert bleiben und als eine diffuse Schnittmenge verschiedener Haltungen im Raum stehen. Wohl aber kann es sinnvoll sein, diese Haltungen zu benennen.

    Naive vs. relevante Kunst

    Wenn man diese Kategorien zusammen denkt, kann man drei Authentizitätsstufen in der Popmusik definieren:

    a) Naive Kunst
    sei nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Es kann ja sein, dass da tatsächlich sich jemand nur hinsetzt und ohne jegliche Reflektion einfach seine unmittelbaren Gefühle ausdrückt. Das ist dann zunächst nicht eigentlich Kunst, kann es aber durch die Wahrnehmung des Betrachters werden.

    b) »Ehrliche« Kunst
    wäre der Fall, wenn eine Performance zum Ziel hat, den Eindruck zu vermitteln, es gäbe hier etwas über den Menschen hinter dem Werk zu erfahren, die Kunst sei mit dem Künstler identifizierbar. Man kann insofern den Versuch wagen, dies als männliche Geste zu betrachten, als bei den meisten weiblichen Performances dieser Art die Frau selbst eher das Kunstobjekt verkörpert – sie stellt sich in ihrer Sinnlichkeit oder Verletzbarkeit dar und betont diese durch ihr Erscheinungsbild, sie präsentiert sich als Produkt. Es passiert dann wie von selbst, dass das Publikum nicht mehr beurteilt, ob die Musik oder die Musikerin etwas zu melden hat, sondern, ob sie schön ist. Die Künstlerin verliert also die Hoheit über ihr Werk.
    Diese Erwartungshaltung zu brechen hieße, den Anspruch der Ehrlichkeit, die immer auch Bruchlosigkeit ist, aufzugeben.

    c) »künstliche« Kunst
    ist ja die Eigentliche: durch die Loslösung von der persönlichen Befindlichkeit des Künstlers und die Einbettung in einen gesellschaftlichen Kontext und die daraus folgende Interpretation, Wirkung und Relevanz wird sie zur Kunst.
    Ich neige von daher dazu, jene Musikstile, die nicht einfach nur der Selbstdarstellung dienen, als prinzipiell androgyn zu betrachten. Auch das ist keine Einordnung von Musikern nach Geschlecht sondern vielmehr eine Art Kompass in der Welt der Haltungen.
    Man könnte einfach annehmen, dass artifizielle Kunst dort ihre Heimat hat, wo die Geschlechterrollen verschwimmen, wo sie nicht mehr zum Tragen kommen. Wo eben Frauen eine Bühne nicht als Objekte betreten oder Männer nicht schon ihr bloßes Mannsein zur Kunst machen.
    So trägt die Trennung von Person und Kunst generell nicht nur deswegen weibliche Züge, weil die Frage der Verpackung, des sich-in-Szene-setzens der weiblichen Rolle entspricht sondern auch, weil der Anspruch, einen künstlerischen Inhalt nicht etwa darzustellen oder aufzubereiten, vielmehr ihn zu verkörpern, ja zu sein, traditionell – weil es ein Machtanspruch ist – als dem weiblichen Prinzip fremd empfunden wird.
    (An diesem Aspekt kommt eine beliebte und altbekannte Vertauschung der Fakten zum Tragen, die wider besseren Wissens dem Mann die schöpferische Kraft zuschreibt und der Frau die bloße Immanenz, wie ja auch in der Konstruktion des »Penisneids« die Welt auf den Kopf gestellt wird. Teilweise spiegelt sich das in der Begrifflichkeit des Genies. Es ist eine Tatsache, dass im traditionellen Verständnis Frauen nicht »genial« sind, ebenso wie Männer nicht »hysterisch« sind. Der Begriff des Genies behauptet eine einem Mann innewohnende Eigenschaft, die irgendwie bewirkt, dass dieser Mann Großes zu leisten vermag. Genies sind sozusagen identisch mit ihrer schöpferischen Kraft, während der Frau traditionell ihre – tatsächlich ja ungleich konkretere – schöpferische Kraft als Auftrag der Natur außerhalb ihrer selbst gegenübertritt.)
    Parallel dazu bestimmt sich aus der Logik des Patriarchats – das vereinfacht gesehen den Willen des Mannes darstellt, sich die Natur zu unterwerfen und, nachdem er die Frau als „Natur“ gesetzt hat, eben auch diese -, dass der Kunstschaffende eine männliche Figur ist und die Kunst – also die gebrochene Natur – eine weibliche:
    Dort, wo Künstler und Kunstobjekt identisch sind, wird es dieser Idee nach androgyn.

    Wir haben es in der Popmusik also mit einigen ineinander verwobenen Widersprüchen zu tun:

    Der Kult um die Protagonisten der Popmusik steht, sowohl im Teenie-Idol-Bereich als auch im Feuilleton, im Spannungsfeld zwischen der Behauptung von Authentizität einerseits und deren praktischer Unangemessenheit andererseits. Ein zweites Spannungsfeld ergibt sich zwischen der künstlerischen Performance und den – in der Popmusik durch die Betonung der Sexualität so wichtigen – Genderrollen:
    Männer, die sich als Kunstwerk inszenieren, tun dadurch etwas, das im Alltag eher den Frauen zusteht. Frauen, die eine künstlerische Aussage treffen, erheben damit einen Machtanspruch und treten als Subjekte in Erscheinung.
    Und alles dazwischen.
    Das klingt freilich sehr abstrakt, aber am Ende sind es genau diese Dinge, die ich an der Welt mag.

    Heute bekam ich eine Frage gestellt, die mir klar machte, wie sehr bestimmte Dinge miteinander zusammenhängen und wie lang eine Antwort auf eine kurze Frage ausfallen kann, wenn man einmal ernsthaft darüber nachdenkt. Worüber? Über den Unterschied zwischen digital und analog.
    Fangen wir mal ganz vorne an:

    Zu erklären, was »digital« bedeutet, ist relativ einfach, weil es sich erstaunlich direkt aus der Wortbedeutung ableiten lässt. Digital ist, wenn ich etwas in digits, Zahlen, ausdrücke, in der Praxis sind das Nullen und Einsen.
    Damit ist auch schon implizit, was digital nicht bedeutet:
    nämlich, dass es weniger authentisch sei als irgendeine andere Form, die Realität abzubilden. Der Begriff »analog« stellt uns nun die semantische Falle, dass das Wort eine Analogie behauptet. Soweit so richtig, jedoch steht bei der Verwendung des Begriffes die Unterstellung im Raum, diese Analogie sei mit anderen Verfahren nicht gegeben.

    Audiotechnik betreffend ist das Gegenteil der Fall.
    Es entspricht den Tatsachen, dass das Vorhaben, ein Klangereignis so dokumentarisch wie möglich abzubilden umso eher erreicht wird, je eher ein Signal digitalisiert wird und je mehr Bearbeitungen und Umformungen wiederum digital erfolgen, weil das die verlustloseste Form der Übertragung darstellt. In der Aufzeichnung klassischer Musik wird das so gehandhabt, weil es dort auf möglichst unverfälschte Dokumentation ankommt.

    Nun wäre es naiv, anzunehmen, dass man es bei dieser Erkenntnis bewenden lassen könne. Die grundsätzliche Entscheidung, die jeder Aufzeichnung der Realität zugrunde liegt ist ja immer die, ob ich das Hauptaugenmerk auf die Übertragung der Form oder des Inhaltes lege.
    Form und Inhalt zu übertragen kann nur ohne Transformation geschehen, ich müsste also die Hörer selbst neben das eigentliche Klangereignis stellen (auf die Aufnahme verzichten). Man könnte in diesem Fall etwas salopp sagen, dass die Form im real stattfindenden Klangereignis besteht und der Inhalt in dem, was dieses Ereignis in den Hörern auslöst.

    Jede Verpflanzung dieses kommunikativen Aktes bringt zwingend eine Veränderung des Inhaltes mit sich, also dessen, was das Klangereignis in seinen Hörern auslöst. Als für die Aufzeichnung, Konservierung und Wiedergabe Verantwortliche (Fotografen, Maler, Tontechniker, Poeten, etc.) müssen wir also entscheiden zwischen dem ohnehin nur sehr begrenzt möglichen Vorhaben der formal objektiven Darstellung und der Aufzeichnung und Wiedergabe dessen, was wir für die Essenz dessen halten, was da geschieht.

    Das ist freilich ein alter Hut. Wir alle wissen das. Was mich an diesem Punkt interessiert ist, was es für die Unterscheidung der Kriterien »analog« und »digital« bedeutet. Die Antwort auf die Frage nach dem Unterschied fällt also etwas verzwickt aus:

    Erstens ist Digitaltechnik in Grunde »analoger« als die sogenannte Analogtechnik, in dem Sinne, dass die Analogie, ich meine damit hier die Korrelation zwischen dem eigentlichen Ereignis und dessen Aufzeichnung/Wiedergabe in besonders hohem Maße gegeben ist.

    Für technisch Interessierte sei hier kurz eingeschoben, dass bei der Digitalisierung zwei Haupartefakte entstehen: der eine besteht im Quantisierungsrauschen, das sich mittels großer Wortbreiten in den unhörbaren Bereich verlagern lässt und bei geringen Wortbreiten mit Dithering erfolgreich verdeckt werden kann. Der andere betrifft die räumliche Einordnung eines Stereosignals – die Zeitabstände, die hier für das Ortungssystem unseres Gehirns eine Rolle spielen, liegen in einem Bereich, der sich bei 44.1 kHz nicht zureichend abbilden lässt. (Die eigentlichen Rasterungsartefakte dagegen, die aufgrund einer Art Moiree-Effekt aus der Rasterfrequnez bei 44.1 kHz so gerade eben in den hörbaren Bereich spiegeln, spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.) Beide Einwirkungen lassen sich durch Verwendung hochwertiger Wandler und hoher Abtastraten auf ein erstaunlich minmales Maß begrenzen. Die sogenannte analoge Übertragung bringt dagegen an jeder Schnittstelle und Bearbeitung eine Vielzahl von Veränderungen mit sich, die von Verzerrung, Klirrfaktor, Sättigung, Einstreuung bis Phasenverschiebung so viele Vorgänge umfassen, dass ich hier darauf verzichten muss, sie auch nur umfassend aufzuzählen, geschweige denn zu erklären. (tatsächlich beschäftigt sich ein großer Teil unserer digitalen Bearbeitungen damit, genau diese Ungenauigkeiten in Signalübertragung zu simulieren, also faktisch die Korrelation zwischen Input und Output zu verringern.)

    Zweitens ist es nicht die eigentliche Korrelation, die den subjektiven Eindruck eines Klangereignisses transportiert, wie im obigen Tech-Talk schon anklingt. Um den Eindruck zu vermitteln, den eine bestimmtes Ereignis auf mich macht, muss ich zwingend den Betrachterstandpunkt mit einbeziehen. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass ich eine in großer Lautstärke genossenes Punkkonzert nur dann erschöpfend darstellen kann, wenn ich die Eingrenzung der Dynamik – die beim genannten Konzert durch die schiere Unfähigkeit meiner Ohren, mit der Lautstärke umzugehen, entsteht und den subjektiven Eindruck von Kraft vermittelt – künstlich herstelle.
    Das erklärt den hohen Stellenwert von (Dynamik-)Kompression in heutiger Musikproduktion.
    Eine Verfremdung geschieht streng genommen auch, wenn ich Mikrofone im Nahfeld und im Diffusfeld aufstelle und im Mix kombiniere, weil tatsächliche Hörer nun mal nicht an zwei Orten gleichzeitig stehen können. Wir wollen aber sowohl die Präsenz des Klangereignisses als auch die Größe das umgebenden Raumes darstellen und greifen daher zu dieser objektiven Verfremdung im Namen der subjektiven Authentizität.

    Die Antwort auf die Frage nach dem Unterschied zwischen digital und analog fällt also ebenso einfach aus:
    Es hat sich in der Praxis herausgestellt, dass bestimmte Verfärbungen, die die sogenannte analoge Technik mit sich bringt, subjektiv als angenehm empfunden werden und darüberhinaus den subjektiven Eindruck vermitteln, natürlicher zu klingen.
    Objektiv natürlicher freilich ist die digitale Technik.
    Da es bei Musik grundsätzlich nicht ratsam ist, die Musikhörer und ihre subjektive Wahrnehmung außer Acht zu lassen, ist die sogenannte analoge Technik gerade wegen ihrer »Unaufrichtigkeit« also unbedingt vorzuziehen.

    Zum Thema Schalldämmung und Raumakustik kursieren ein paar Missverständnisse. Wer einen Aufnahmeraum oder auch nur eine Aufnahme in einem bestehenden Raum plant, tut aber gut daran, zu begreifen, was mit Schall in Räumen geschieht. Diese Reihe von Texten ist ein Versuch, dabei zu helfen.
    Im ersten Abschnitt geht es um Wände.

    Zunächst sollten wir uns klar machen, dass das Bild, das wir uns im Alltag von Schallwiderstand machen, uns leicht auf die falsche Fährte bringen kann. Wir denken nämlich zuerst an die Schallkennimpedanz – also den Widerstand, dem Schall innerhalb eines Materials, also z.B. in der Luft, begegnet. Für die Raumakustik ist allerdings der Widerstand wesentlich entscheidender, dem Schall an einer Grenzfläche, also während des Übergangs von einem ins andere Material ausgesetzt ist.

    In allen Stoffen breitet sich Schall nach den jeweiligen Gesetzen der Materie aus. Bei der Schallausbreitung in der Luft nimmt die Lautstärke schon bei relativ geringem Abstand zur Schallquelle spürbar ab. Im Freien, beispielsweise bei einem Open Air Konzert hängt diese Abschwächung von verschiedenen Faktoren (Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Frequenz) ab, in geschlossenen Räumen verändern die Effekte von Reflexion und Resonanz diesen Wert extrem. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Ausbreitung in festen Stoffen, die häufig als „Körperschall“ bezeichnet wird.

    Ein weit verbreitetes Missverständnis liegt in der Unterscheidung von „Luftschall“ und „Körperschall“. Die gibt es eigentlich nicht.
    Der Vorgang ist in beiden Fällen derselbe (eine periodische Druckveränderung breitet sich aus und ihre Kraft nimmt mit zunehmendem Abstand von der Schallquelle ab). Schall breitet sich ebenso in Luft wie in festen Körpern aus.
    Die prinzipielle Unterscheidung zwischen Luftschall und Körperschall liegt nicht in der Eigenschaft des Schalls begründet, sondern in uns selbst: wir halten uns in der Luft auf, der Schall dagegen ist überall zu Hause. Da wir uns selten in festen Körpern aufhalten, neigen wir dazu, zu übersehen, dass Schallübertragung auch dort stattfindet. Stahl, Holz und Beton sind sogar besonders gute Schallleiter.

    Einem besonders großen Widerstand ist eine Schall immer dort ausgesetzt, wo er auf eine andere Materialdichte trifft – der wichtigste Faktor, um den Schallwiderstand zu bestimmen ist der Unterschied in der Masse, also dem Gewicht des jeweiligen Materials.
    Um durch schiere Luftschwingung eine massive Steinmauer in Schwingung zu versetzen, braucht es offensichtlich viel Energie. Ein Großteil der Energie prallt am Widerstand der Mauer ab und wird reflektiert. Eine Betonmauer stellt also zunächst einen sehr effektiven Schallwiderstand dar. Tatsächlich ist aber die Schallkennimpedanz von Beton erheblich geringer als die von Luft. Der hohe Widerstandswert entsteht nur im Übergang.
    Sobald die Schwingung erst einmal in der Mauer ist, spielt es keine große Rolle mehr, wie viel Strecke sie innerhalb der Mauer zurücklegen muss. Eine Betonwand von einem halben Meter Dicke hat einen ähnlichen Schallwiderstand wie eine Betonwand von 20 Metern. Der Schallpegel wird zwar auch innerhalb einer festen Materie schwächer, allerdings – je nach Material – unter Umständen nur minimal. Wenn man das Ohr auf eine Eisenbahnschiene legt, kann man weit entfernte Züge hören. Schall also, der in Luft schon verflogen ist.

    Wir haben also einen Energieverlust beim Übergang von Luft in Beton, weil Luft kein besonders geeigneter Motor ist, um Beton in Schwingung zu versetzen. Wird der Beton nun fest mit einem Material verbunden, das eine ähnliche Dichte aufweist, kann der Schall mühelos ins nächste Material wechseln, ohne nennenswert an Kraft einzubüßen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir eine Gipsplatte fest mit einer Wand verschrauben. Der Beton kann fast verlustfrei den Gips in Schwingung versetzen.
    Erinnern wir uns an das, was ich eben über den Übergang geschrieben habe und die Rolle, die der Masse-Unterschied dabei spielt. Wenn wir ein Ohr an eine Wand halten, ermöglichen wir es der Schwingung, direkt auf unseren Schädel einzuwirken, so dass wir hören, was nebenan vor sich geht. Die Luft hingegen bietet allein aufgrund der Tatsache, dass sie viel weniger Dichte aufweist als die Wand, einen relativ großen Widerstand. Lösen wir den Schädel von der Wand, hören wir nichts mehr. Beim Übergang von Schall aus einer Betonwand in die Luft ergeben sich tatsächlich ebenso Reflexionen innerhalb des Betons wie im umgekehrten Fall Reflexion innerhalb des Luftraums entstehen. Schall prallt innerhalb des Betons am Widerstand ab, den die Luft ihm entgegensetzt.
    Um ein Gefühl dafür zu bekommen, kann man sich das Vorhaben vorstellen, eine Membran aus Beton herzustellen, die wie ein Lautsprecher Luft in Schwingung versetzt. Das wäre absurd – man verwendet für so etwas nicht ohne Grund leichte Materialien.

    Ein Blick hinter die Tapete lohnt sich also.
    Ich habe viel in Räumen gearbeitet, die mit fast ausschließlichem Augenmerk auf die Gestaltung der Oberfläche der Wände gestaltet wurden. Sicher bestimmen Reflexionen das, was ein Mikrofon aufzeichnet, ganz wesentlich. Meiner Erfahrung nach lässt sich aus der Gestaltung der Oberfläche aber nicht ableiten, ob ein Instrument in einem Raum gut klingt. Erst wenn wir verstehen, dass die Reflexion sozusagen nur ein Nebenprodukt des Schallwiderstandes der Wände ist und dass eine Wand einen Klangraum nicht absolut begrenzt, sondern nur den Übergang in einen anderen Klangraum darstellt (der sich innerhalb der Wand befindet) bekommen wir ein Bewusstsein dafür, warum Räume klingen, wie sie klingen.
    Wir wissen es eigentlich längst.
    Eine Tiefgarage klingt anders als ein Holzhaus und das bleibt so, auch wenn wir die Wandfläche mit Spiegeln oder mit Teppichen versehen. Dann klingt eben die verspiegelte Tiefgarage anders als das verspiegelte Holzhaus.

    Der Schall wird nicht nur von dem geprägt, was wir sehen können!
    Neben der Reflexionseigenschaft der Oberfläche spielen drei Faktoren eine Hauptrolle.
    Erst einmal ist das der Grad des Schallwiderstandes, der an den Wänden auftritt. Eine schwere Wand hindert mehr Energie daran, den Luftraum, den sie umschließt, zu verlassen, als eine leichte Wand. Daran ändert eine Gestaltung der Wandoberfläche nichts (Freilich ist es möglich, einen Teil der Energie mit Absorbern in Wärme umzuwandeln, dazu in einem der späteren Beiträge mehr). Der Raum ist und bleibt laut, zumeist besonders im Bassbereich. Wäre es möglich einen Raum aus Wänden zu bauen, die dem Schall einen unendlichen Widerstand entgegensetzen, bliebe dieser Schall sehr, sehr lange im Raum. Ein Raum mit offenen Fenstern klingt anders als ein geschlossener Raum.

    Der zweite wichtige Faktor ist frequenzabhängig. Jedes feste Material hat eine Eigenfrequenz, was bedeutet, dass es Schwingungen in dieser Frequenz besonders leicht aufnimmt. Diese Schwingungen werden also nicht so stark reflektiert, weil sie in das Material eindringen. Wenn wir uns Schall als eine Druckwelle vorstellen, wird klar, dass ein Raum aus sehr festem Material diese Energie anders hält als ein Raum, dessen Wände auch nur minimal nachgeben. Wir haben also bei Räumen aus schwingenden Platten den Effekt, dass Transienten (also die charakteristische erste Einschwingphase eines Tons) schwächer reflektiert werden und zusätzlich ein System in Schwingung versetzen, das sie verlängert.

    Denn drittens spielt nicht nur der eigentliche Schallwiderstand an den Wänden, sondern auch die Resonanz des Baumaterials selbst eine Rolle. Wenn ein Impuls eine Wand in Schwingung versetzt, bleibt diese Schwingung für einen Moment im Material bestehen, auch wenn der Impuls schon vorüber ist. Klangkörper aus Holz klingen anders als Klangkörper aus Gipskarton. Das wird deutlich, wenn wir uns den Aufnahmeraum wie das Innere einer Bassdrum vorstellen: relativ ungeachtet dessen, wie viele Kissen und Decken ich in den Kessel lege, um die Reflexion innerhalb der Trommel zu steuern, bleibt ihr Grundcharakter bestehen. Das merken wir deutlich, wenn wir versuchen, mit denselben Kissen in einer anderen Bassdrum einen ähnlichen Klang zu erreichen.

    In Abschnitt »Schallwiderstand oder warum Substanz doch zählt« habe ich den Schallwiderstand an Grenzflächen erklärt. Im zweiten Abschnitt geht es um Reflexion.

    Die Reflexion von Schall ist eine direkte Folge dieses Schallwiderstandes – sie entsteht also, indem Schall beim Übergang zwischen zwei Materialien einem Widerstand begegnet, an dem er buchstäblich abprallt. Der Widerstand ist dabei umso größer, je größer der Unterschied der Masse der Materialien ist.

    Dabei spielt der innere Schallwiderstand, den das Material selbst aufweist, die sogenannte Schallkennimpedanz, überhaupt keine Rolle. Tatsächlich ist der innere Schallwiderstand von Beton erheblich geringer als der von Luft.
    Der Übergang von Luft in Beton bedeutet also einen wesentlich größeren Widerstand als z.B. ein Übergang von Gipskarton in Stein. Umgekehrt ist der Widerstand beim Übergang von Beton in die Luft größer als beim Übergang von Stein in Gipskarton.

    Dort, wo ein Widerstand vorliegt, wird der Schall reflektiert. Das Ausmaß der Reflexion hängt in erster Linie davon ab, aus welchem Material die Wand im Kern besteht und wird tatsächlich nur minimal davon beeinflusst, wie die Oberfläche der Wand gestaltet ist. Warum wir subjektiv den Eindruck haben, dass die Oberfläche die Hauptrolle spielt, liegt daran, dass die Oberfläche den Charakter der Reflexion bestimmt.
    Zunächst ist es wichtig, zu verstehen, dass eine leichte Wand einen geringeren Schallwiderstand bietet als eine schwere Wand. In Tonstudios spielt der Faktor der Reflexion eine besonders wichtige Rolle, weil der Schallwiderstand, den die Wände darstellen, aufgrund der Schalldämmung meist besonders hoch ist. Eine effektive Schalldämmung bedeutet, dass ein sehr großer Teil der Schallenergie daran gehindert wird, den Raum zu verlassen – sie wird reflektiert und schwirrt im Raum umher. Wäre es möglich, einen Raum mit Wänden zu versehen, die einen unendlichen Schallwiderstand bieten, würde die Energie nur durch die Schallkennimpedanz der Luft verringert, bliebe also sehr lange im Raum.

    Nun ist es wahr, dass man den Klang der Reflexionen, die an einer Wand stattfinden, sehr stark beeinflussen kann, indem man zum Beispiel einen Teppich an ihr befestigt.

    Absorber wie Teppich, Mineralwolle oder Resonatoren sind in der Lage, Schallenergie in Wärme umzuwandeln, also zu „schlucken“. Für den Erhalt der Schallenergie in einem Raum hat ein Absorber dabei subjektiv die selbe Wirkung wie ein offenes Fenster.
    Ein Teppich zum Beispiel ist wie alle Textilien oder auch Mineralwolle eine Struktur, die feine Fasern aufweist, so dass sich innerhalb des Teppichs auf kleinstem Raum Luft und feste Materie abwechseln. Die Schwingung der Luft versetzt die Fasern in Schwingung, wodurch Wärme entsteht, die Schallenergie wird umgewandelt. Bei sehr feinen Fasern spielt darüber hinaus eine Rolle, dass bei einer Schallwelle Hochdruck- und Tiefdruckzonen direkt nebeneinander auftreten – die Fasern von Mineralwolle sind so fein, dass sie in der Lage sind, die Wärme, die in einer Hochdruckzone existiert, in das kühlere Tiefdruckgebiet abzuleiten, so dass der Schwingung Energie entzogen wird.

    Der Stoff selbst reflektiert den Schall nahezu gar nicht, weil er der Schallenergie erlaubt, einzudringen. Ist der Schall erst einmal im Teppich, ist es ein bisschen so, als würde ein Teil davon sich in einem Labyrinth verlaufen. Das geschieht bei einem Teppich, der an einer Wand hängt, zweimal: erst bevor der Schall die Wand erreicht und danach ein weiteres Mal, wenn der von der Wand reflektierte Schall den Weg zurück durch den Teppich in die Luft nimmt. Dabei bestimmt die Dicke des Teppichs, welche Frequenzen absorbiert werden. Tiefe Frequenzen weisen eine höhere Wellenlänge auf als hohe und man kann sagen, dass die Schallwelle einmal in ihrer Länge in den Teppich passen muss, um effektiv geschluckt zu werden. Ist die Welle länger, als der Teppich dick ist, wird der Schall einfach von der Wand zurückgeworfen. Eine Schallwelle von 100Hz misst 3,4 Meter.

    Praktisch fühlt es sich so an, als würde ein Teppich den Schall anders zurückwerfen als eine nackte Wand, es ist für das Verständnis des Vorgangs aber äußerst erhellend, wenn man sich vor Augen führt, dass (außer für sehr hohe Frequenzen) nicht der Teppich der reflektierende Widerstand ist, sondern die dahinter liegende Wand. Der Teppich modifiziert den Schall nur vor und nach der Reflexion.

    Hätten wir nur einen Teppich und keinen Raum, also keinerlei reflektierende Masse (man könnte sich eine Schallquelle am wolkenlosen Himmel vorstellen, daneben einen fliegenden Teppich), so hätte der Teppich keine klangformende Wirkung.

    Ein idealer schalltoter Raum wäre ein Raum ganz ohne Wände. Die Vorstellung, die wir von einem schalltoten Raum als einen Raum mit besonders effektiv absorbierenden Wänden haben, liegt nur daran, dass dies die einzige Möglichkeit darstellt, in der Realität die Abwesenheit von Wänden, also das Ausbleiben jeglicher Reflexion zu simulieren.

    Gestalten wir eine Wand nun mit Kacheln, ändert sich der Klang des Raumes ebenfalls drastisch.

    Hier ist es nun zwar so, dass subjektiv wichtige Teile des Schalls tatsächlich durch die Keramik reflektiert werden, weil die Kacheln mehr Masse mitbringen ist als Luft. Kacheln ohne Wand dahinter wären freilich so dünn, dass sie einen großen Teil der Schallenergie durchlassen würden, weil sie leicht in Schwingung zu versetzen sind. In einem Gewächshaus klingt es deutlich anders als in einem Steinraum, auch wenn dessen Wände verspiegelt sind. Da Kacheln eine ähnliche Dichte haben wie die dahinter liegende Wand und obendrein fest mir ihr verbunden sind, spielt es für den Schallwiderstand, also auch für das Ausmaß der Reflexion keine Rolle, ob man eine Steinwand kachelt oder einfach nur sehr glatt poliert. Der Schall wird eigentlich von der Steinwand zurückgeworfen, wobei die Kacheln sozusagen den verlängerten Arm der Wand darstellen. Je nachdem, ob man Kacheln auf einer Wand aus Holz, Gipskarton oder Beton anbringt, variiert die Eigenschwingung der Wand und der Anteil der Energie, die den Raum verlassen kann, weil sie durch die Wand dringt und also nicht reflektiert wird. Der Effekt, den Kacheln auf den Klang eines Raums haben, erklärt sich also nicht aus dem „Sound“ der Kacheln, sondern aus der ausbleibenden Diffusion. Diesen Thema widme ich mich im nächsten Beitrag.

    Wir merken uns für den Moment nur, dass Diffusion eine sehr wichtige Rolle bei der Verteilung von reflektiertem Schall in einem Raum spielt und schauen uns erst einmal die Reflexion als solche an.

    Die hat nämlich eine wesentliche Eigenschaft, die häufig übersehen wird, wenn es um die Gestaltung von Aufnahmeräumen geht. Grundsätzlich gilt zwar, dass der Reflexionswinkel des Schalls gleich dem Winkel ist, in dem er auf die Wand trifft, so wie bei einem Ball. Diese Gleichung ist aber nur bei hohen Frequenzen halbwegs exakt.

    Die weit verbreitete Auffassung, dass es nötig sei, einen Aufnahmeraum mit schrägen Wänden auszustatten, trifft also nur sehr eingeschränkt zu,

    weil mittlere und hohe Frequenzen meist sowieso durch Gegenstände im Raum diffundiert werden. Wäre nun der Reflexionswinkel der tiefen bzw. langen Schallwellen so exakt, wie das zum Beispiel in der Optik mit ihren extrem kurzen Wellenlängen der Fall ist, könnte man ohne weiteres mit einer schrägen Wand verhindern, dass eine Frequenz in Ping-Pong-Art hin und her geschleudert wird und sich dadurch selbst überlagert. Sie würde einfach an der Wand entlang wandern und dabei kein kurzes sich wiederholendes Muster bilden. Schallwellen sind aber dafür schlicht zu groß. Da man bei tiefen Frequenzen davon ausgehen muss, dass der Austrittswinkel nur sehr ungefähr dem Eintrittswinkel entspricht, ergibt sich im Umkehrschluss, dass diese Frequenzen – auch wenn sie schräg auftreffen – auch ungefähr gerade zurückgeworfen werden. Die Wand muss also sehr schräg stehen, damit sich überhaupt ein Effekt erzielen lässt. Als Faustregel kann man sagen, dass sich eine Wand mit einem Winkel unter 30 Grad sich in normalen Räumen wie eine gerade Wand verhält.

    Folgendes sollten wir also im Kopf behalten, wenn wir eine Aufnahme oder einen Aufnahmeraum planen:
    1) Absorber (z.B. Textilien oder Mineralwolle) verhindern die eigentliche Reflexion nicht. Bringt man sie direkt an einer reflektierenden Fläche an, wandeln sie aber einen Teil der Energie dort in Wärme um.
    2) Kacheln oder andere glatte Oberflächen reflektieren nicht stärker, sondern gerichteter. Die eigentliche Stärke der Reflexion wird durch die Masse der Wand bestimmt.
    3) Diese Gerichtetheit ist relativ. Der Einfallswinkel der Schallreflexion an einer glatten Fläche entspricht nur bei hohen Frequenzen dem Ausfallswinkel. Für den größten und am schwersten zum bändigenden Teil der Schallenergie sind leicht schiefe Wände also wirkungslos.

    Eine weitere Faustregel ist nützlich:
    Soll der akustische Charakter eines Raumes merklich verändert werden, sollte mindestens ein Drittel der Oberfläche umgestaltet werden. Teppich auf dem Boden reicht also in meisten Fällen nicht, sobald mindestens eine Wand ebenfalls mit Teppich bedeckt wird, ist ein Unterschied in der Regel spürbar.

    Im dritten Abschnitt geht es um die sogenannten stehenden Wellen.

    Ich habe in den letzten beiden Folgen den Schallwiderstand von Wänden und die daraus entstehende Reflexion betrachtet. Kurz zusammengefasst können wir sagen, dass Wände, die einen Raum begrenzen, einen Schallwiderstand bilden, der sich daraus erklärt, dass sie schwer in Schwingung zu versetzen sind. Das bedeutet, dass Schall, der auf diesen Widerstand trifft, dort abprallt und in den Raum zurück geworfen wird. Die Reflektion wird wesentlich durch den Widerstand bestimmt, den die Wand den Schallwellen entgegensetzt, wobei die Gestaltung der Wandoberflächee einen starken Einfluss darauf hat, wie sich diese Reflektion in der Praxis auswirkt. Textilien zum Beispiel können eingesetzt werden, um einen Teil der Schallenergie direkt an der reflektierenden Wand zu schlucken, wobei die Dicke der Textilschicht etwa der Wellenlänge der zu schluckenden Schallwellen entsprechen sollte. Tiefe Frequenzen bleiben also meist weitgehend unbeeindruckt.

    1. Wir haben es bei den meisten Aufnahmeräumen mit Dimensionen von 20-100 qm zu tun.
    Das bedeutet Wandabstände, die mitunter der Länge von Schallwellen im hörbaren Bereich entsprechen Ein Raum, in dem ich viele Alben aufgenommen habe, hat beispielsweise die Maße 4×8 Meter – ein Seitenverhältnis, anhand dessen man sehr gut den Begriff der „stehenden Welle“ erklären kann. Schall mit einer Frequenz von etwa 86Hz hat eine Wellenlänge von 4m, was ungefähr einem tiefen F entspricht. Das bedeutet, dass das wellenartige Feld aus Überdruck und Unterdruck, dass den Schall physikalisch ausmacht, sich alle 4 Meter wiederholt. wenn diese Frequenz (86Hz) nun von zwei gegenüberliegenden Wänden reflektiert wird, die 4 Meter entfernt voneinander stehen, überlagert es sich ziemlich passgenau mit sich selbst, was eine Verstärkung der Frequenzen 86Hz, 172Hz, 258Hz etc. ergibt (Vielfache von 86Hz passen ja ebenso passgenau, eben mehrmals, in einen Abstand von 4m). Die andere Dimension des Raums (8m) war nun denkbar ungünstig, weil sie dieselben Frequenzen begünstigt: 43Hz, 86Hz, 172Hz, etc.
    Je nachdem, wo ich eine Schallquelle im Raum positioniere und wo das Mikrofon aufgestellt ist, überlagern sich Schallreflektionen entweder gleichphasig oder gegenphasig. Gleichphasig bedeutet in diesem Fall, dass z.B. ein Feld mit erhöhtem Luftdruck auf ein vorhandenes Feld mit ebenfalls erhöhtem Luftdruck trifft, was einer Verstärkung der Schallenergie gleichkommt. Gegenphasige Überlagerung ist die Überschneidung eines Hochdruckfeldes mit einem Tiefdruckfeld, was einen Druckausgleich ergibt, die Felder heben sich also gegenseitig auf.
    Diese sozusagen im Raum festgewachsenen Hoch- und Tiefdruckgebiete nennt man „stehende Wellen“ bzw. Raum-Moden.
    Wenn ich einen Basslauf aufnehme, in dem ein F vorkommt, wird dieser Ton meinen Raum besonders anregen, es wirkt lauter als die anderen Töne und schwingt länger nach, weil die Wellenlänge des F ziemlich genau den Raumabmessungen entspricht. Schon ein G klingt deutlich unbetonter, weil es nicht so stark mit dem Wandabstand korreliert. Wie wir wissen, kann auch eine schräge Wand nicht viel daran ändern, solange der Abstand zwischen den Wänden weiterhin ungefähr der Wellenlänge entspricht. Der Abstand zwischen der Mode erster Ordnung (43Hz) und der Mode zweiter Ordnung (86Hz) ist nun relativ groß, es liegt eine ganze Oktave dazwischen. Mit steigender Frequenz veringern sich einerseits die Abstände der Moden, hinzu kommen verschiedene diffus in den Raum gestreute Reflektionen, so dass sich in zunehmendem Maße Schwingungen überlagern, die sich gegenseitig so chaotisch stützen oder aufheben.
    Das Besondere bei den Moden eines Raums ist also, dass ihre Dichte mit steigender Frequenz zunimmt, so dass sich im oberen Frequenzbereich so viele Moden überlagern, dass sie nicht mehr als getrennt wahrgenommen werden.
    Die Moden, die wir als „stehende Wellen“ wahrnehmen, sind meist die exponierten Moden erster, zweiter und dritter Ordnung. Der genaue Wert, ab dem Moden nicht mehr einzeln wahrgenommen werden, leitet sich aus der Nachhallzeit eines Raums und seinem Volumen ab, heißt Großraum- oder Schröderfrequenz und ist bei unserem Beispielraum etwa 300Hz.
    Wenn man diese Voraussetzung bedenkt, ergibt sich ein genauer Fahrplan für Gestaltung eines Raums. Falls es möglich ist, alle Faktoren zu kontrollieren, ist es sinnvoll, bei den Ausmaßen des Raums anzufangen. Hier ist es nicht unbedingt wichtig, auf rechte Winkel zu verzichten, allerdings sollten die Abmessungsn so gewählt werden, dass die Wandabstände möglichst wenig mathematischen Bezug zueinander aufweisen. Das heißt, die Länge des Raums sollte möglichst in keiner Weise ein Vielfaches der Breite sein. Dadurch bewirken wir, dass sich einzelne Moden schon mal nicht gegenseitig verstärken. Das Ziel ist nicht etwa, einen Raum mit wenig Moden zu bauen, sondern einen Raum mit möglichst unterschiedlichen Moden. Dann ist es sinnvoll, den Raum möglichst groß zu gestalten. Wie wir gesehen haben, hängt die Großraumfrequenz, ab der Moden nicht mehr einzeln wahrnehmbar sind, von der Raumgröße ab: je größer der Raum, desto tiefer liegt diese Schwelle.

    2. Sobald die Form und Größe des Raums feststeht, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, einen Raum zu gestalten.
    Wir können uns entscheiden, einfach alle unerwünschten Eigenschaften des Raums auf ein Minimum zu zu reduzieren. Zur Abschwächung der tiefen Moden kämen Bassfallen in Frage, zur Begrenzung der Nachhallzeit und zur Bekämpfung eventueller Flatterechos könnten wir Textilien oder spezielle Absorber anbringen, je nach zu domestizierender Frequenz. Wir arbeiten also mit Subtraktion: wir ziehen bestimmte Eigenschaften von der Summe des Raums ab und erhalten als Ergebnis das, was übrigbleibt. Es ist ein bisschen wie bei der Arbeit mit einem Equalizer. Auch hier kann ich mich entscheiden, ihn als reinen Filter zu verwenden und richte dabei mein Augenmerk auf alles, was ich entfernen möchte. Das Problem dabei ist, dass in vielen Fällen der verbleibende Rest eben nicht einer positiv gewollten Eigenschaft entspricht, sondern einfach nur das ist, was meinen Kahlschlag überstanden hat. Nicht selten stellt sich heraus, dass genau das, was ich soeben entfernt habe, etwas anderes verdeckt hatte, was mir jetzt unangenehm auffällt.
    Bringe ich Textilien an die Wände, verliert der Raum Höhen, was unter Umständen den Bassbereich mit seinen stehenden Wellen betont. Das gezielte Bekämpfen einzelner Moden durch Bassfallen wiederum kann andere Moden exponieren, die vorher noch unauffällig waren.
    Bei der Arbeit mit EQs gibt es eine gute Regel. Wenn das Herausfiltern unerwünschter Anteile nicht mit wenigen Handgriffen zu einem schönen Ergebnis führt, sollte man unbedingt den additiven Weg versuchen – also alles zu betonen, was man gerne hören möchte. In vielen Fällen wird durch eine solche Betonung der schönen Anteile das Unerwünschte zwar nicht verschwinden, es wird aber aus dem Fokus gerückt und stört nicht weiter.

    3. So können wir auch mit einem Raum verfahren.
    So ist es ein weit verbreiteter Ansatz, einen Raumklang zwar erst einmal pauschal sehr stark zu domestizieren, indem man so viel absorbierendens Material wie überhaupt möglich anbringt. Diesen grundsätzlich sehr trockenen Raum können (und sollten) wir dann aber mit der gewünschten Menge reflektiernder Flächen ausstatten, um ihn zu der Art von Leben zu erwecken, die erwünscht ist. Das verschafft uns sehr viel Kontrolle über die Eigenschaften des Raums, ohne dass wir uns in der Schadensbegrenzung verlieren.
    Ein Problem dieses Ansatzes stellt dar, dass die Reflektoren, die man zur Gestaltung des Klangs hängen muss, recht viel Platz einnehmen.
    Der Saal im Studio Nord in Bremen zum Beispiel ist auf diese Weise gestaltet und klingt hervorragend – er misst aber auch 120qm.
    Ein anderer Weg, mit dem ich den 4x8m Raum aus dem obigen Beispiel zu einem sehr geeigneten Aufnahmeraum gemacht habe, ist freilich sehr viel simpler und auch sehr effektiv. Ich habe den Raum schon in der Bauphase mit so vielen reflektierenden Flächen gestaltet, wie es mir möglich war. So gab es eine Vielzahl von Fenstern (die noch dazu Tageslicht einließen), Kalksandsteinwände und einen harten Estrichboden. Das hatte zur Folge, dass Raummoden schon wegen der schieren Menge reflektierten Schalls nicht mehr einzeln auffielen. Der Raum klang dadurch zwar laut, aber gerade in seiner chaotischen Art wiederum ausgewogen.
    Hier kommt die oben erwähnte Schröderfrequenz zum tragen. Für die Bestimmung dieses Wertes ist ja neben der Raumgröße die Stärke der Reflektion maßgeblich. Je mehr ich einen Raum bedämpfe, desto ungünstiger fällt die Schröderfrequenz aus. Manchmal ist also auch bei der Gestaltung eines Raums weniger mehr.

    Im vierten Abschnitt geht es um Diffusion und Raumgröße.

    1. Schallwiderstand an Grenzflächen ist Akustik.
    Eine Welt ohne diesen Schallwiderstand wäre zwar eine Welt mit Klang, aber ohne Akustik.
    In den letzten drei Abschnitten habe ich erklärt, wie der Schallwiderstand, den die Wände eines Raums darstellen den Klang eines Raums erzeugt. Dabei ist der wichtigste Faktor der Raum selbst: ein mehr oder weniger geschlossenes System, das durch Wände begrenzt wird. Der Schall, der an diesen Wänden auf Widerstand stößt, wird zu einem großen Teil in den Raum zurückgeworfen und erzeugt durch mehrfache Reflexionen, die wiederum später und anderswo erneut auf die Wand treffen, den Charakter des Raums. Dabei leiten sich aus den Ausmaßen des Raums bestimmte Überlagerungen von Wellenfeldern ab, die als „stehende Wellen“ im unteren Frequenzbereich hörbar werden. Töne oberhalb einer von Raumgröße und Nachhallzeit abhängigen Frequenz (der „Großraumfrequenz“) werden dagegen diffus reflektiert.
    Wir wissen, dass tiefe Frequenzen relativ ungerichtet reflektiert werden, so dass es im Bassbereich nur eine geringe Rolle spielt, ob Wände parallel sind oder nicht. Je höher eine Frequenz ist, desto genauer entspricht der Aufprallwinkel dem Abprallwinkel, so wie bei einem Ball. Bei sehr glatten Wänden, seien sie poliert oder mit Kacheln oder Spiegeln versehen, ist dieser Wert zumindest im Hochtonbereich recht exakt, so dass sich eine Art Abbild der Schallquelle ergibt, das einer echten Schallquelle zum Verwechseln ähnlich ist. Aufgrund der Schallgeschwindigkeit trifft dieses Bild mit einer Verzögerung an unseren Ohren ein, die Schallkennimpedanz der Luft bewirkt, dass es leiser ist: ein Echo. In kleinen Räumen wird dieses Echo jedoch häufig nicht als vom eigentlichen Schallimpuls getrenntes Ereignis wahrgenommen. Wenn ein Echo sehr schnell auf den Impuls folgt und leiser als dieser ist, wird es als Teil des Impulses wahrgenommen (Haas-Effekt). Unser Gehör ist sehr geschult darin, ein solches „Spiegelbild“ nicht mit der eigentlichen Schallquelle zu verwechseln und ortet die Herkunft des Schalls automatisch dort, wo der erste und lautere Impuls her stammt.

    2. Die ursprünglichste Funktion unseres Gehörs ist nicht das eigentliche Hören von z.B. Sprache oder Musik.
    Von Natur aus ist unser Gehör in erster Linie dazu gedacht, die Orientierung im Raum zu ermöglichen. Es ist unser Radarsystem. Deswegen reagieren wir sehr sensibel auf alles, was uns eine Information über Form, Größe und Beschaffenheit des Raums bietet, in dem wir uns aufhalten.
    Mikrofone „denken“ freilich anders als unsere Ohren. Sie wandeln einfach nur den Schalldruck, der an einer bestimmten Stelle des Raums besteht, in Strom um. Bei einer sehr glatten Wandgestaltung entstehen Reflexionen, die der eigentlichen Klangquelle sehr ähnlich sind, also ergeben sich je nach Position Auslöschungen oder Betonungen (Kammfilter-Effekte), die wegen ihrer Regelmäßigkeit deutlich wahrnehmbar sind. Man kann sich das ähnlich wie einen Moiré-Effekt vorstellen: durch die Ähnlichkeit zweier versetzt überlagerter Muster ergibt sich ein neues Muster, das unnatürlich wirkt und deshalb besonders auffällt. Wenn eine Wand den Schall chaotisch in verschiedene Richtungen reflektiert, ergibt sich eine solche Regelmäßigkeit nicht, weil verschiedene Frequenzbereiche zu unterschiedlicher Zeit beim Mikrofon eintreffen. Wir erinnern uns, dass die Richtung der Reflexion frequenzabhängig ist. Ein Bücherregal diffundiert Frequenzen mit einer Wellenlänge, die ihm entspricht – bei einer Tiefe von 40cm sind das in etwa 900Hz. Das ist dann also schon einmal ein Anteil des Klangs, der eine Umleitung nimmt und nicht gleichzeitig mit dem Rest am Mikrofon eintrifft. Auslöschungen und Betonungen entstehen deswegen zwar nicht weniger, sie sind aber weniger regelmäßig und daher weniger auffällig.
    Wir nehmen Räume als angenehmer wahr, wenn sie natürlich wirken, also ein hohes Maß an chaotischen Strukturen aufweisen. Diese chaotischen Strukturen entstehen durch Diffusion, also die Streuung der Reflexion in unterschiedliche Richtungen. Räume mit sehr glatten Wänden erscheinen uns wegen der geringen Diffusion als unangenehm deutlich, weil es in der Natur keine derart klaren Reflexionen gibt. Räume mit sehr wenig Reflexion dagegen machen uns tendenziell orientierungslos.
    Daraus, und aus der Tatsache, dass störende Raummoden deutlicher werden, je kürzer die Nachhallzeit eines Raums ist, folgt, dass es nicht der Königsweg für einen Aufnahmeraum sein kann, ihn möglichst stark zu bedämpfen. Im Gegenteil: je chaotischer sich Schall in einem Raum ausbreiten kann, desto schöner klingt er. Diffusion ist tatsächlich mit Abstand das wichtigste Werkzeug, mit dem Innenakustik gestaltet werden kann.

    3. Schön wäre die Welt freilich, wenn alles immer einfach wäre.
    Leider muss ich einschränken, dass das Konzept der Diffusion am besten in großen Räumen greift, weil es bei einer Aufnahme ja meist darum geht, ein relativ klares Bild des Klangkörpers einzufangen. Es gibt nämlich grundsätzlich zwei Kategorien der Platzierung eines Mikrofons – es kann im Nahfeld stehen oder im Diffusfeld. Das Nahfeld ist der Bereich, innerhalb dessen der ursprüngliche Impuls lauter ist als die Reflexion der umgebenden Wände. Im Diffusfeld befinden wir uns, wenn wir die Reflexionen lauter hören als die Klangquelle selbst. Logischerweise ist die Größe des Nahfelds von der Kraft der Reflexionen und der Raumgröße abhängig. In einem Badezimmer sind schon in relativ geringem Abstand zur Schallquelle die Reflexionen vergleichsweise laut. Es gibt viele Gründe, sich ein großes Nahfeld zu wünschen – beispielsweise wenn wir den Nahbesprechungseffekt (von Mikrofonen mit Richtcharakteristik) vermeiden wollen und deswegen mit einem gewissen Abstand mikrofonieren oder wenn wir planen, mit einem Mikrofon mehrere Schallquellen gleichzeitig einzufangen. Wenn ich ein Drumset mit nur einem Mikrofon ausgewogen aufnehmen möchte, brauche ich einen gleichmäßigen Abstand zu allen Trommeln. Es wäre nicht gut, wenn dort schon das Diffusfeld anfinge.
    Wir müssen also, wenn wir einen kleinen Raum gestalten, abwägen. Je trockener ich den Raum baue, desto stärker stechen stehende Wellen hervor und desto künstlicher klingt das Diffusfeld. Je „nasser“ der Raum wiederum ist, desto kleiner gerät mir das Nahfeld, in dem ich ein definiertes Signal bekomme.
    Hier kommen wir zu einer ganz wesentlichen Eigenschaft von großen Räumen, die sehr häufig übersehen wird.

    4. Das wesentliche Merkmal eines großen Raums ist nicht, dass er mehr Reflexionsfläche bietet.
    Das tut er. Ein anderer Faktor ist aber viel entscheidender: die Wände sind relativ weit entfernt. Das bedeutet, dass ein großer Raum grundsätzlich trockener klingt als ein kleiner Raum.
    Dass das unserer subjektiven Erfahrung krass widerspricht, hat einen einfachen Grund: Um die Akustik eines Raums wahrnehmbar zu beeinflussen, muss etwa ein Drittel der Gesamtoberfläche umgestaltet werden. Wenn ich einen nackten Raum mit Teppich auslege, bedeutet das faktisch nur die Umgestaltung eines ziemlich geringen Anteils der Oberfläche, der Raum wird in den meisten Fällen erst dann spürbar trockener klingen, wenn ich auch ein oder zwei Wände einbeziehe. In einem Raum befindliche Möbel streuen die Reflexion auch nur dann effektiv, wenn sie einen nennenswerten Anteil der Wandfläche abdecken. Um also den Schall in einem großen Saal effektiv zu kontrollieren, brauche ich wesentlich mehr Absorption und Diffusion als in den meisten Kirchen und Turnhallen (gemessen an qm Wandfläche) vorkommt. Ich müsste sozusagen meine Wohnzimmermöbel auf die Größe der Turnhalle skalieren. Sobald wir das tun – also einen großen Raum hinreichend „bekleiden“ – ist der Hall, den er erzeugt zwar länger. Dafür sorgen die längeren Laufzeiten zwischen den Wänden. Der Hall ist in diesem Raum dann aber nicht mehr lauter als in kleineren Räumen.
    Daraus ergibt sich, dass es in einem großen Raum besser gelingt, den Eindruck von „Trockenheit“ einer Aufnahme zu erzeugen, als in kleinen Räumen, auch wenn diese stark bedämpft sind.
    Nehme ich zum Beispiel Gesang in einer Gesangskabine auf, klingt er zwar scheinbar trocken. Das hat damit zu tun, dass die Wände sehr nah sind – also wird das, was sie zurückwerfen, mit der eigentlichen Schallquelle verwechselt.

    5. Eine Gesangskabine hat einen dreifach verfälschenden Einfluss auf den Klang.
    Erstens: Sehr kurze Echos werden als Bestandteil des Ursprungsimpulses wahrgenommen. Das bedeutet nicht, dass sie keinen Einfluss auf den Klang der Stimme haben. Hier kommt der Überlagerungseffekt ins Spiel, den ich vorhin mit Moiré verglichen habe.
    Zweitens: Außerdem befindet sich das Mikrofon zwar eigentlich im Nahfeld, aber nur aufgrund der starken Bedämpfung der Kabinenwand. Wenn wir bedenken, dass die Bedämpfung einer Wand ungleich aufwändiger und platzraubender gerät, je tiefer die zu absorbierende Frequenz ist (Die Materialdicke muss etwa der Wellenlänge der Frequenz entsprechen) stellt sich heraus, dass das Mikrofon nur die Präsenzen betreffend (4-6kHz) wirklich im Nahfeld steht, den tonalen Kern der Stimme nimmt es schon dann im Diffusfeld wahr, wenn der Mund eine mehr als minimale Entfernung zur Mebran hat.
    Drittens: Wenn ich die Großraumfrequnez einer Gesangskabine bestimme, die um so höher liegt, je kleiner und je trockener ein Raum ist, fällt sie geradezu unanständig hoch aus. Das heißt, dass in der Kabine stehende Wellen exponiert sind, die im Grundtonbereich der Stimme und darüber liegen. Wir bekommen also ein Gedröhne, das in größeren Räumen nicht auftritt.
    Das alles spricht dafür, sich auch für Gesangsaufnahmen stets den größten Raum zu suchen, der verfügbar ist – vorausgesetzt, ich kann diesen Raum so gestalten, dass der Hallanteil gering genug ist. Sobald ich über ein hinreichend großes Nahfeld verfüge, spielen Reflexionen eine geringe Rolle und können bei Bedarf durch Vorhänge und Stellwände gesteuert werden.

    Gregor Hennig

    Regie 1

    »Künstlichkeit ist der Kern von Pop. Die eigentliche Kraft der Musik aber liegt wortwörtlich in den Händen der Musiker*innen.

    In der Live-Aufzeichnung von Bands liegt durch die einzigartige und komplexe Verwobenheit aller damit verbundenen Unwillkürlichkeiten eine Macht, die sich durch nichts ersetzen lässt.«

    Ich bin Gregor Hennig.

    Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen kantigem Pop und Live-Performance.
    Ich entwickle im Dialog mit Musiker*innen neue Wege für ihre Musik. Nach Bedarf habe ich auch große Freude daran, feste künstlerische Vorstellungen akribisch umzusetzen.

    Während der letzten 25 Jahre habe ich in Hamburg, London und Hannover etwa 200 Alben produziert. Seit 2013 arbeite ich im Studio Nord Bremen.

    Ich bin mit elektronischen Klangerzeugern aufgewachsen.

    Meine frühe Jugend habe ich mit dem Programmieren von Sequenzern und dem Erstellen von Synthesizer-Sounds auf analogen und digitalen Systemen verbracht.
    Bereits mit 12 Jahren sang ich in einer Pop-Band, später war ich vor allem als Komponist und Programmierer im Bereich Synth Pop aktiv sowie als Schlagzeuger in Grindcore Bands.
    Seit einigen Jahren experimentiere ich mit mechatronsichen Instrumenten und freier Improvisation.

    Dabei reizt mich sowohl die Grenzerfahrung an Kitsch und musikalischer Garstigkeit entlang als auch die diskursive Haltung von Postrock und Hamburger Schule.